Naturschützer erbost über Holzschlag am Burghügel in Uster
Fällverbot gefordert
Die Geschichte wiederholt sich: Die Stadt Uster will Bäume fällen, die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster wehrt sich dagegen. Dieses Mal wohl aber ohne Erfolg.
Letzte Woche hatte die Stadt Uster mitgeteilt, dass am Burghügel zwischen November 2024 und Februar 2025 insgesamt 93 Bäume gefällt werden müssen. Doch für einmal ist es nicht primär das Eschensterben, das die Sägen aufheulen lässt, sondern es handelt sich um einen «regulären Holzschlag», wie es in der Mitteilung hiess. Nur eine einzelne Esche sei tatsächlich vom Pilz befallen und darum derart instabil, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden müsse.
Es ist nicht das erste Mal, dass in diesem Waldstück zahlreiche Bäume weichen müssen. Bereits im Januar 2018 wurde ein Fünftel aller Eschen und Ahorne gefällt, da sie «zu alt und zu schwer» waren. Im Dezember 2022 waren es weitere 14 Bäume.
Grösseres Gremium gefordert
Keine Freude daran hatte und hat noch immer die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GNVU). Deren Präsident Paul Stopper hat sich nun mit einem Appell des Vorstands an den Stadtrat gewandt, der Holzschlag am Burghügel sei zu stoppen.
Er kritisiert unter anderem, dass sich in den Wäldern im Stadtgebiet kaum noch «markante» alte Bäume befinden, also solche, die älter als 80 Jahre alt sind. «Sie spielen für das Ökosystem der Wälder eine wichtige Rolle.»
Welche Bäume wegmüssten, habe der Stadtförster in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Kreisförster beschlossen, gab Philipp Jucker, Leiter Natur, Land- und Forstwirtschaft der Stadt Uster, letzte Woche Auskunft. Ein zu kleines Gremium, findet der GNVU-Vorstand. Insbesondere im Umgang mit Waldbäumen müsste ein grösseres Gremium mit einbezogen werden, fordert er.
Der «Friede» ist vorbei
«Der Holzschlag wurde gemäss dem Bundesgesetz über den Wald und dem kantonalen Waldgesetz durch den kommunalen Forstdienst angezeichnet und somit bewilligt», sagt Jucker. Die Anzeichnung sei daher nach Gesetz erfolgt, und es brauche keine weiteren. «Diese Form der Anzeichnung durch den Revierförster und allenfalls den Waldbesitzer ist in der ganzen Schweiz die übliche Praxis.»
Die kranke Esche hätte gemeinsam mit ihrer Nachbarin bereits vor sechs Jahren gefällt werden sollen. Aufgrund des Protests der GNVU gewährte man ihr eine Galgenfrist. Damals hatte sich Werner Kessler, der zu jener Zeit noch Paul Stoppers BPU-Parteikollege im Gemeinderat war, gar an den Baum gekettet, damit er nicht gefällt wird.

«Die Eschen sind nicht gesund, sie sind aber auch nicht so krank, dass man sie sofort herausnehmen muss», sagte der damalige Bauvorstand Thomas Kübler (FDP) im Januar 2018. «Dem Frieden zuliebe» habe man dem Wunsch der GNVU entsprochen, sie vorerst stehen zu lassen.
Eschenwelke mittlerweile fortgeschritten
Doch die Eschenwelke habe dem Baum seit 2018 noch mehr zugesetzt. «Mittlerweile ist ein grosser Teil der Krone laublos und stirbt ab», sagt Philipp Jucker. Die Gefahr, dass die Esche oder ein Teil davon auf das Gebäude falle, steige zunehmend.
«Zurzeit kann die Esche noch bestiegen und bestandesschonend gefällt werden», führt er weiter aus. In Zukunft müsste sie mit einem hohen Risiko für das Personal vom Boden aus gefällt werden. «Dies würde ein grosses Loch in den bleibenden Bestand reissen.»
Für die Forderungen der GNVU hat man im Stadthaus nur wenig Gehör. Philipp Jucker: «An der Fällung der kranken Esche und dem regulären Holzschlag wird wie geplant festgehalten.»
