Eine Gossauerin musste nach Indien, um in Wetzikon ihr Glück zu finden
Gemeinsam auf der Yogamatte
Daniela Küng unterrichtet seit 20 Jahren Yoga. Zudem doziert sie an der Yoga University. Nun organisiert sie den ersten Yoga-Grossanlass im Oberland.
Sie kündigte Job und Wohnung, verkaufte ihr Auto und flog mit einem One-Way-Ticket nach Nordindien. Im Gepäck: eine grosse innere Leere. All die Jahre zuvor hatte sie zielstrebig auf eine Bankkarriere hingearbeitet. Bis sie irgendwann merkte, dass ihr dieser Traum abhandengekommen war. In Dharamsala, dem Wohnort des Dalai Lama, nahm sie mehrere Monate Unterricht in buddhistischer Philosophie.
«Was ich dort hörte, hat einfach Sinn gemacht. Es war wie ein Ankommen», erinnert sich Daniela Küng, 47-jährig, aufgewachsen und noch heute wohnhaft in Gossau. Daniela Küng hat gut lachen: Ihr Studio Ananda Yoga ist heute weit über Wetzikon hinaus bekannt und ein wichtiger Ort für Yoga-Liebhaber.
Der erste Kontakt mit Yoga
In Indien fehlte ihr nur etwas: der Sport. Weil es ausser Yoga nichts gab, besuchte sie irgendwann zwangsläufig eine solche Stunde. Es war ihr allererster Kontakt mit Yoga, und er veränderte alles. «Es hat sofort geknallt und ich wusste, ich habe gefunden, was ich gesucht habe.»
Um tiefer in Yoga einzutauchen, entschied sie sich, eine Ausbildung zu machen. Dazu reiste sie zurück in die Schweiz und startete unmittelbar danach den vierjährigen Lehrgang zur Yogalehrerin an der Yoga University in Villeret im Kanton Bern.

20 Jahre ist das nun her. Nur wenig später begann sie selbst, Yoga zu unterrichten. Zunächst in einem fensterlosen, kargen Raum im Wetziker Industriegebiet. Kein optimaler Ort für Yoga, auch wegen des penetranten Fritteusengeruchs vom benachbarten Burger-Restaurant.
Und doch: Küng liess sich nicht entmutigen, zündete ein paar Räucherstäbchen an, schuf eine wohlige Atmosphäre und war mit Leidenschaft bei der Sache. Rasch waren ihre Kurse gut besucht.
Der Weg zum Glück
2009 setzte sie ihre länger gehegte Vision vom eigenen Yogastudio in die Tat um. Sie nahm bei ihren Eltern ein Darlehen auf, erstellte einen Businessplan. Dann mietete sie einen grösseren, lichtdurchfluteten Raum mitten im Zentrum Wetzikons und investierte in eine schöne Einrichtung. Sie taufte das Studio Ananda Yoga. Ananda bedeutet in Sanskrit Glück. Der Name wurde Programm.

Mittlerweile finden bei Ananda Yoga fast täglich Kurse statt, auch für Schwangere und Senioren. Vor einigen Jahren hat Küng sogar einen zweiten Raum hinzugemietet. Nun finden zu manchen Uhrzeiten zwei Kurse gleichzeitig statt.
Heute ist ihr Studio weit über Wetzikon hinaus bekannt und eine feste Grösse in der Oberländer Yoga-Szene. Auch dank Küngs Gespür für das Unternehmerische und den Marketingkenntnissen, die sie sich in jungen Jahren angeeignet hat.
Yoga als Lebensphilosophie
Aber vor allem: Daniela Küng lebt und brennt für den Yoga. «Yoga hat einfach Hand und Fuss», sagt sie. Er wirke sich positiv auf die körperliche wie auch geistige Gesundheit aus. Vor drei Jahren fing sie an, selbst Yogalehrerinnen und -lehrer auszubilden.
Zudem doziert sie an der Yoga University, neu nun auch zu den Themen Unternehmensführung und Marketing für Yogalehrerinnen. Daneben war sie jahrelang im Vorstand des Schweizerischen Yogaverbands, seit Kurzem ist sie Präsidentin des Verbands.

Für die Gossauerin umfasst Yoga weit mehr als Körperübungen. Es gehe auch um die Auseinandersetzung mit sich selbst.
«Die Lebensphilosophie hinter dem Yoga hilft, in die eigene Kraft zu kommen, seinen eigenen Weg zu gehen, glücklich und zufrieden zu sein. Das wiederum wirkt sich auf die ganze Gesellschaft positiv aus», ist Küng überzeugt, die genau diese Erfahrung selbst gemacht hat. Und sie ergänzt: «Ich finde, jeder sollte Yoga machen. Dann wäre unsere Welt eine friedlichere.»
Ein Grossanlass für die Yoga-Community
Genau aus diesem Gedanken heraus organisiert sie den ersten Yogatag Zürioberland. «Ich hatte schon länger die Idee, die Strahlkraft des Yoga zu erhöhen und noch mehr Leute in die Studios zu holen», erklärt Küng.
Erster Yogatag im Oberland
Was in anderen Regionen der Schweiz und vor allem in Zürich schon länger gang und gäbe ist, wird nun auch im Zürcher Oberland Realität: ein Yoga-Grossanlass. 100 Matten werden am 9. November in der Eventhalle Shed 15 in Aathal für den ersten Yogatag Zürioberland ausgerollt.
Es finden über den Tag verteilt insgesamt vier unterschiedliche Yoga-Sequenzen statt. Dabei sind verschiedene Stilrichtungen und Elemente vertreten. In der Mittagspause besteht die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen. Das Mittagessen ist im Ticket inklusive. Zum Abschluss gibt es ein Mantra-Mitsing-Konzert der Mantra-Band Tschoy, in der mit Severin Weilenmann auch ein Wetziker Musiker dabei ist.
Der Anlass richtet sich an Anfänger, Interessierte, Fortgeschrittene oder Yoga-Schaffende gleichermassen und ist nur als ganzer Tag buchbar. Kostenpunkt 110 Franken inklusive Mittagessen. Mehr Infos zum Programm und Tickets unter www.yogatag-zuerioberland.ch
Es gebe noch viele freie Matten in den Oberländer Studios, die vorwiegend nebenberuflich oder als Hobby geführt werden. «Mein Ziel ist es, die Yoga-Schaffenden zusammenzubringen und die Studios, ja die ganze Oberländer Yoga-Community, zu stärken.»

Für dieses Ansinnen hat sie sich mit ihrer langjährigen Freundin Maya Graf zusammengetan. Die beiden sind seit dem Kindergarten unzertrennlich, obwohl Graf mittlerweile von Gossau ins Glarnerland gezogen ist. «Diesen Anlass mit ihr zu organisieren, ist doppelt schön», freut sich Küng. Zudem ist Graf eine erfahrene Eventmanagerin, sie hat unter anderem jahrelang das Wetziker Pub-Festival mit organisiert.
In aufwendiger Recherche hat Daniela Küng sämtliche Yogastudios in der Region ausfindig gemacht – rund 70 an der Zahl sind es. Diese hat sie angeschrieben und über ihr Vorhaben und Beteiligungsmöglichkeiten informiert.
Herausgekommen ist eine Yogatag-Broschüre mit einer Sammlung von Oberländer Yoga-Angeboten. Denn Küng findet das Konkurrenzdenken unnötig. «Wir nehmen uns gegenseitig keine Kunden weg.» Im Gegenteil: «Mit vereinten Kräften können wir die positive Botschaft des Yoga noch besser nach aussen vertreten.»
