Als die Walter Bosshard AG aus Wila ein begehrter Arbeitgeber war
Tösstaler Häuserserie
In Wila erinnert im Schochen der grosse Gewerbebau an die Werkzeugfabrik Walter Bosshard AG. Die Räumlichkeiten werden längst vielfältig genutzt, in den ehemaligen Büroräumen residiert nun die «Tössthaler»-Redaktion.
Es war im Dezember 1979, als der Seniorchef Walter Bosshard-Etter (1909–1989) von seiner Belegschaft zum siebzigsten Geburtstag eine Firmenchronik erhielt. Erarbeitet vom Werkmeister Otto Buchmann, hält sie die Firmengeschichte anschaulich fest.
Die Anfangszeit der Walter Bosshard AG (Wabo) ist in Turbenthal zu finden (heute Türenfabrik). Buchmann schreibt: «Im Jahre 1907 wurde die Firma Kuhn, Werkzeugfabrik, gegründet. Sie beschäftigte etwa 100 Arbeiter und stellte Werkzeuge und Holzbearbeitungsmaschinen her.» Hier erlernt Walter Bosshard das Handwerk.

1935 wird das Geschäft zur Einzelfirma von Johannes De Vries und zwei Jahre später zur Kollektivgesellschaft Bosshard und De Vries. Die beiden Inhaber verlassen Turbenthal, sie nehmen vier Mitarbeiter und 15 Maschinen mit.
Im Nachbarort richten sie auf dem Gassacher eine kleine Werkzeugfabrik ein. Nachdem sich Johannes De Vries zurückzieht, läuft das Geschäft unter dem Namen Walter Bosshard, Werkzeug- und Apparatefabrik Wila, weiter. Hergestellt werden primär Messerköpfe, Fräser aller Art, Reibahlen und Senker.
Die Anfangszeiten sind geprägt von den Kriegsjahren – eine denkwürdige Zeit. Erwähnt werden in der Firmenchronik die ungewisse Zukunft der Schweiz im internationalen Kräftespiel, die Geldbeschaffung für die Löhne, der Materialeinkauf, die Entwicklung der Geldwährung und die durch den Aktivdienst bedingte Abwesenheit des Geschäftsführers.
Das Unternehmen entwickelt sich dennoch erfreulich, da die Erzeugnisse aus dem Kleinbetrieb bei den Kunden Zuspruch finden. Der Mitarbeiterbestand erhöht sich, die Werkstatt erhält linksseitig mit der Härterei eine Erweiterung. 1943 wird das grosszügige Grundstück im Schochen gekauft.
Es bietet eine gute Zufahrt, wie auch die Nähe zum Bahnhof. Dazu die Möglichkeit, etappenweise zu erweitern, was dann stetig passiert. Bereits im Herbst 1944 wird hier die Schmiede in Betrieb genommen.
Arbeitsplätze entstehen
Walter Bosshard gelingt es, von der Maschinenfabrik Rieter in Winterthur die Pendelhülsenfabrikation ins Tösstal zu holen. Damit erfolgt 1945 die erste Gebäudeerweiterung.
Rieter liefert die Maschinen für diese Fabrikation. Hugo Bosshard, der mit dieser Aufgabe betraute Mitarbeiter, holt sich beim Lieferanten das Wissen.
Es werden nun 26 Personen beschäftigt, hälftig verteilt auf die beiden Standorte. Die Kundenaufträge steigen und damit der Bedarf nach mehr Arbeitsraum – es kommt zum nächsten Anbau. Die Mitarbeiterzahl steigt steil auf 44 Personen an; davon sind 15 Arbeiter weiterhin im Gassacher beschäftigt.

Die Werkzeugfabrik geniesst als Arbeitgeber einen guten Ruf, den Patron kümmert das Wohl des Personals. Familienangehörige und viele in der Gegend wohnhafte Leute finden hier Arbeit, ebenso Menschen mit einer Beeinträchtigung.
Mit der Vergrösserung des Unternehmens nimmt die Arbeit für Walter Bosshard stetig zu, zumal er sich noch im Gemeinderat engagiert. Daher stösst 1950 Hugo Buchmann als Werkmeister zum Team, was eine Entlastung bedeutet. Die Produktion vom Gassacher wird in den Schochen gezügelt.
Wohnraum fürs Personal schaffen
Im gleichen Jahr werden nördlich auf dem Fabrikareal zwei Doppeleinfamilienhäuser erstellt. Ein weitsichtiger Arbeitgeber sorge dafür, dass er dem guten und treuen Mitarbeiterbestand Wohnmöglichkeiten biete, heisst es in der Firmenchronik.
Und wie er das tut. Ende der 1950er Jahre bietet er den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu einem Eigenheim. Am Looacker plant er zehn Einfamilienhäuser; die Belegschaft kann zu einzigartigen Konditionen eigenes Kapital anlegen.

Weiter entsteht zehn Jahre später als Grundlage für eine der ersten Pensionskassen überhaupt das Sabinehus, ein dreistöckiger Block mit elf Wohnungen, die zu erschwinglichen Preisen zu haben sind.
Im Gassacher werden erneut Arbeitsplätze eingerichtet. Zehn Frauen, unter der Leitung von Frieda Bosshard-Etter, sind mit Montagearbeiten beschäftigt.
Die Zunahme an Kundenaufträgen und neue Produktionsabläufe sorgen in den 1950er Jahren für weitere Umbau- und Erweiterungsarbeiten. 1955 bildet der zweifarbige Querbau als Bürogebäude (heute Redaktion des «Tössthalers») den Abschluss des langen Werkstattgebäudes.

Im selben Jahr wird Walter Zollinger eingestellt. Er entlastet die langjährige Büroangestellte Gloria Segalla, denn im Betrieb sind inzwischen 52 Mitarbeitende beschäftigt. Mit der Verlängerung des Nordflügels kann die in weiblicher Hand befindende Streckwerkmontage vom Gassacher ins Hauptwerk gezügelt werden.
Im Verlaufe der Zeit wird die Härterei modernisiert, und 1965 kommt der Kauf der Felsenegg dazu. Die alte «Nudli» wird umgekrempelt und zu einer weiteren Produktionsstätte eingerichtet. So modernisiert, wird sie später weiterverkauft.
Die Werkstatt im Gassacher hat ausgedient. Es wird eine kleine Wohnung eingebaut, der übrige Teil ist zu einem praktischen Ort für handwerkliche Arbeiten und für die Überwinterung von zahlreichen Pflanzen.
Die Konkurrenz zu gross
Walter Bosshard übergab die Wabo Walter Bosshard AG um 1980 an die Söhne. 1999 übernahm Heinz Bosshard den Betrieb und zahlte seine Brüder aus. Durch die zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland wurde der Absatz geschmälert.
Die Mitarbeiterzahlen sanken drastisch, die technischen Geräte verlangten zudem nach anderen Facharbeitern. Es war eine schwierige Zeit, denn in den besten Jahren beschäftigte die Firma bis 150 Leute und konnte stets Lehrlinge als Werkzeugmacher ausbilden.
Die Liegenschaft Wabo wurde 2012 von Graziano Lopizzo erworben, der jedoch nicht mehr im Sinn von Heinz Bosshard wirtschaftete.

