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Der Sage des Hagheerenlochs auf der Spur

Passend zu Halloween wagten wir uns zum Hagheerenloch in Bauma, wo ein verborgener Schatz und ein tödlicher Drache in der Dunkelheit lauern.

Das Hagheerenloch – eine Pforte zu alten Sagen und dunklen Geheimnissen, verborgen in der Natur von Bauma.

Fotos: Simon Grässle

Der Sage des Hagheerenlochs auf der Spur

Gruseln im Oberland

Halloween ist perfekt für schaurige Geschichten. Auch im Oberland gibt es Sagen, die einen das Gruseln lehren. Wir waren einer solchen in Bauma auf der Spur.

Halloween ist ein Tag, der nicht nur für schaurige Filme wie «Psycho» oder «Es» bekannt ist, sondern auch für gruselige Traditionen wie Kürbisschnitzen und Verkleiden als Gespenster. Doch anstatt sicher vom Sofa aus Gruselfilme zu schauen, hatten wir die glorreiche Idee, unser eigenes Horror-Abenteuer zu erleben.

In der ganzen Region, in Sternenberg, Bäretswil oder Fischenthal, gibt es Höhlen, um die sich Geschichten von steinernen Särgen, unheimlichen Wesen und grausamen Ritualen ranken. Wir wollten einer lokalen Sage auf die Spur gehen und tiefer in die Welt des Unheimlichen eintauchen. Die Wahl fiel auf die Legende vom Hagheerenloch, hoch oben am Teufenbach über Bauma.

Die Sage vom Hagheerenloch

In der Nähe von Bauma gibt es eine Höhle namens Hagheerenloch. Laut Überlieferung war das Hagheerenloch einst ein geheimer Treffpunkt, ein Netz unterirdischer Gänge, das zwei Burgen verband – die Burg Sternenberg und die Burg Werder bei Hittnau. Hinter einem zerfallenen Teil der Höhle soll ein grosser Schatz verborgen sein, der von einer eisernen Tür mit drei schweren Riegeln geschützt wird. Eine schwarze Schlange und ein Drache bewachen den Schatz. Man sagt, nur wer sich dem Teufel verschreibt, könnte den Schatz heben.

Ein armes Mädchen, das heimlich einem reichen Burschen versprochen war, wollte den Schatz finden, um nicht länger von ihrem zukünftigen Schwiegervater verachtet zu werden. Durch Gebete zwang sie die Schlange und den Drachen, sich zurückzuziehen, und sie konnte etwas von dem Schatz nehmen. Doch in ihrer Freude vergass sie kurz das Beten, woraufhin der Drache sie verschlang. Ihre Seele blieb jedoch unversehrt und erschien ihrem Geliebten in Gestalt einer weissen Taube, bevor sie in den Himmel flog.

Wir könnten jetzt schreiben, dass die Erzählung um die unerschütterliche Liebe eines Mädchens zu einem reichen Jungen uns zum Hagheerenloch geführt hat. Doch das Bild eines verborgenen Schatzes im Kopf war wohl ebenso verlockend, um in eine dunkle, kalte Höhle zu schleichen. Nicht, dass wir zu einem reichen Partner nein sagen würden.

Schon bevor wir uns auf den Weg machten, war uns klar: Diese Höhle ist mehr als nur ein Wanderziel – sie ist eine Pforte zu längst vergessenen Zeiten und Legenden. Die Sage vom Hagheerenloch hatte uns in ihren Bann gezogen. Mit einem Anflug von Spannung und einem Hauch Unbehagen schnürten wir unsere Schuhe, bereit, der Legende nachzuspüren.

Der Aufstieg zur Höhle

Der Weg zur Höhle war anspruchsvoller, als wir zuerst dachten. Ein Bauer hatte uns noch gewarnt, dass der Weg anstrengend ist. Was als 30-minütiger Spaziergang geplant war, entpuppte sich schnell als schweisstreibender Aufstieg.

Wir kämpften uns tapfer den steilen Pfad hinauf, begleitet vom Rauschen des Tobelbachs und dem Rascheln der Blätter im Wind. Der Himmel war grau. Kaum waren wir losgegangen, setzte leichter Regen ein – ganz passend, da wir weder die richtigen Schuhe noch Regenjacken dabei hatten.

Die Bäume schützten uns nur wenig vor dem Nieselregen, der leise auf die Blätter prasselte. Mit jedem Schritt spürten wir, wie der Schlamm immer mehr an unseren Schuhen klebte.

Besuch in der sagenumwobenen Höhle Hagheerenloch.
Der Eingang ins Hagheerenloch bei Bauma – eine unscheinbare Öffnung, hinter der sich düstere Geheimnisse und uralte Legenden verbergen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir ein Schild, das die Geschichte des Hagheerenlochs erklärte. Wo genau die Höhle war, blieb zunächst unklar. Ein kurzer Blick nach links verriet uns, dass es nur noch wenige Schritte sein müssen.

Ein Schritt in die Vergangenheit

Als wir den Eingang der Höhle erreichten, stiessen wir fast mit unseren Köpfen an die Decke – so niedrig war sie. Wasser tropfte von den Wänden, während wir durch schlammige Pfützen wateten und in die Dunkelheit eintauchten. Es war still, fast schon zu still.

Eine Kälte umhüllte uns, und der modrige Geruch machte die Luft schwer. Im Schein unserer Taschenlampen konnten wir das Ausmass der Höhle kaum abschätzen. Vieles blieb in der Dunkelheit verborgen.

Besuch in der sagenumwobenen Höhle Hagheerenloch.
Mit Taschenlampen und voller Neugier: Die Erkundung der Höhle offenbart eine finstere Atmosphäre, die die alten Sagen lebendig werden lässt.

Wir stellten uns vor, wie das Mädchen einst durch diesen Eingang geschritten war. Voller Hoffnung, die Wächter des Schatzes – eine Schlange und ein Drache – mit Gebeten bezwang und schliesslich der Gier erlag. Als wir in der Dunkelheit der Höhle standen, spürten wir die Schwere ihrer Geschichte.

Der Boden war matschig und lehmig, sodass uns immer wieder die Füsse aus den Schuhen rutschten. Wollte uns da etwas daran hindern, tiefer vorzudringen? Nach ein paar Schritten stellte sich heraus, dass der hintere Teil der Höhle unter Wasser stand. Endstation.

Besuch in der sagenumwobenen Höhle Hagheerenloch.
Das Hagheerenloch hüllt alles in mysteriöse Dunkelheit.

Vielleicht hätten wir Gummistiefel einpacken sollen, um den Schatz im hinteren Teil der Höhle zu suchen. Wer weiss, vielleicht schlummert er genau dort, und unser Mangel an Mut und Schuhwerk hielt uns davon ab, weiterzugehen.

Ein Lichtblick zum Schluss

Wir warfen noch einen letzten Blick zurück ins Dunkel, bevor wir uns wieder zum Ausgang bewegten. Ein Glitzern deutete es schon an: Die Sonne schien durch das Blätterdach des Walds und sorgte für eine angenehme Wärme. Je näher wir dem Ausgang kamen, desto stärker war das Plätschern des Bachs wieder hörbar. Ein beruhigendes Geräusch, das die erstickende Stille der Höhle verdrängte.

Eine Frage liess uns nicht los: Was, wenn in den Tiefen des Hagheerenlochs tatsächlich etwas darauf wartet, entdeckt zu werden? Das Ende der Höhle blieb uns verborgen. Die Dunkelheit schien Geheimnisse zu hüten, die wir nicht ergründen konnten.

Doch während wir darüber nachdachten, erinnerten wir uns daran, dass die Legende des Hagheerenlochs nicht einzigartig ist. Und mit dem passenden Wetter erlebt man so seine ganz persönliche Halloween-Gruselgeschichte.

Weitere Sagen und Geschichten

Im Tösstal gibt es noch viele weitere Sagen von ähnlichen Höhlen, in denen Schätze vermutet werden und seltsame Kreaturen gesichtet wurden. Diese und andere Geschichten sind im Buch «Sagen aus dem Zürcher Oberland» des Baumer Schriftstellers K. W. Glaettli nachzulesen.

Ein Teil dieser Sagen findet sich auch im interaktiven Podcast Sagenjäger, in dem Simon Berginz und Andreas Wullschleger auf die Jagd nach den spannendsten, gruseligsten und verrücktesten Sagen der Schweiz gehen.

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