Angst und Schrecken zu Halloween – das sind unsere gruseligsten Erlebnisse
Schaurige Geschichten
Journalisten kennen keine Furcht. Oder stimmt das etwa gar nicht? Fünf Redaktorinnen und ein Redaktor erzählen, was sie das Fürchten lehrte.
Wenn die Tage kürzer werden, Nebel die Dämmerungen schmückt und Kürbisse ihre Fratzen zeigen, statt in der Suppe zu schwimmen, ist es Zeit für Gruselgeschichten. Zugegeben, Halloween ist doch sehr amerikanisiert. Aber wer braucht schon die USA, wenn wir uns hier genau so fürchten können? Wir erzählen, was uns die Haare zu Berge stehen liess.
Der Messermann und die Hexe
Diese Geschichte ist eigentlich gar nicht meine eigene. Vielmehr war ich unfreiwillig ein Teil davon. Aber beginnen wir am Anfang.
Mein Exfreund wohnte in einem alten Bauernhaus, das zuvor ein Kloster war. Wir haben oft in dem Haus geschlafen, ohne dass jemals irgendwas vorfiel.
Wir waren bereits drei Jahre zusammen, als wir wieder mal bei ihm übernachteten. Er hatte einige schlechte Nächte hinter sich gehabt, in denen er schweissgebadet aufwachte. Jedes Mal weckte ihn derselbe Traum: Eine böse Hexe kauerte in der Ecke der Zimmerdecke und wollte ihn angreifen.
Diesen Traum hatte er unregelmässig seit Jahren – deswegen schrieben wir ihm keine besondere Bedeutung zu. Auch sein Vater hatte bereits seit Jahren von ähnlichen Träumen berichtet: Eine schwarze Hexe, die von der Zimmerdecke hing und aufs Bett starrte.
In der besagten Nacht jedoch wachte ich um drei Uhr nachts auf. Ich war hellwach, als hätte ich gar nicht geschlafen. Wie erstarrt lag ich im Zimmer und starrte auf einen Schatten, der am Boden zu sehen war.
Es zeichnete sich ganz klar ein Mann mit einem Messer ab. Regungslos lag ich da und versuchte einzuordnen, wie die Möbel einen solchen Schatten werfen könnten; auf eine Lösung kam ich aber nicht.
Plötzlich flüsterte mir mein Exfreund zu, er sehe einen Mann mit einem Messer – ohne dass ich ihm meine Beobachtung mitgeteilt hatte.
Irgendwann raffte ich mich auf, rannte zum Lichtschalter und schaltete das Licht an. Selbstverständlich war kein Mann mit einem Messer in unserem Zimmer. Wir verbuchten die Sache als ein gemeinsames Hirngespinst und schliefen weiter.
Ein paar Nächte später aber hatte mein Exfreund wieder den Albtraum der bösen Hexe, die an der Zimmerdecke hing. Er stürzte schlafwandelnd aus dem Bett, schob den Schrank vor und setzte sich dahinter. Dann flüsterte er im Halbschlaf, die Hexe sei nun gegangen. Sie sei nämlich nicht unseretwegen, sondern wegen eines Mannes mit einem Messer da gewesen.
Nachdem ich ihn geweckt hatte, kontrollierten wir alle Fenster und Türen und gingen wieder zu Bett. Danach passierte etwas dergleichen nie mehr. Auch der Albtraum mit der Hexe suchte ihn nie wieder heim.
Marie Fredericq

Flucht aus dem Spinnenhaus
Eigentlich war die Stimmung super. Mein Partner und ich waren in Belgien in den Ferien, und es stand eine Übernachtung in einem über Airbnb gemieteten Haus an der Nordsee an. Wir waren nicht das erste Mal an der Küste und kannten den Ort gut, übernachten aber gern immer wieder in anderen Hotels – oder eben Airbnbs. Als wir das Haus bezogen, waren wir begeistert von der Moderne im Innern. Wahrscheinlich wurde es erst kürzlich umgebaut.
Wir machten uns ans Betten beziehen, wo der erste Schreck wartete. Als ich das Bett hoch hieb, um den Bezug darum zu ziehen, sah ich eine verkümmerte Spinne auf dem Lattenrost. Es handelte sich dabei nicht etwa um einen kleinen, sondern um den bekannten grossen, schwarzen und gut behaarten Übeltäter.
Da ich grosse Angst vor Spinnen habe, rief ich nach meinem Partner. Wir waren uns nicht sicher, ob sie noch lebte. Als er die Riesenspinne mit einem Glas nach draussen beförderte, erkannten wir aber sofort, dass sie sehr wohl noch lebendig war: Sie krabbelte munter davon.
Auf diesen Schreck musste ich erst mal auf die Toilette. Im Bad wartete aber schon die nächste grosse, schwarze Spinne an der Wand. Ich traute meinen Augen nicht und wollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich wieder abreisen. Doch ich versuchte mich zu beruhigen.
Darauf entfernten wir auch die Zweite. So richtig aktiv werden die Tiere ja bekanntlich erst bei Dämmerung und im Dunkeln. Das bestätigte sich noch in derselben Nacht.
Als wir uns im Bett noch einen Film anschauten, sah mein Partner im Augenwinkel auf dem Boden einen kleinen Schatten vorbeihuschen. Wir machten das Licht an und – oh Wunder – die nächste grosse, schwarze Spinne. Ab diesem Moment wusste ich, dass ich kein Auge zutun werde.
Wir standen auf, um sie einzufangen, und sahen im unteren Spalt eines eingebauten Schranks schon die nächsten behaarten Beine herausschauen. In unserem Zimmer wimmelte es von Spinnen. Deshalb packten wir die Matratze und «schliefen» im Flur. Am nächsten Morgen flüchteten wir müde aus dem Spinnenhaus.
Aline Ilk


