Freiwillige schuften für die Landschaft von Bauma
Heckentag mit prominenter Unterstützung
Anlässlich des nationalen Heckentags engagierten sich in Bauma rund zwanzig Freiwillige für die Aufwertung der Landschaft. Sogar eine Kantonsrätin kraxelte im Berghang herum.
Es ist ein idyllisches Bild, das sich am Samstagvormittag im Gfell bei Bauma, unterhalb des Hörnli, bietet: Die Sonne bricht durch das Nebelmeer und lässt den Waldrand in goldenen Farben erstrahlen.
Auf der hügeligen Kuhweide, direkt am Waldrand, herrscht indes emsiges Treiben. Etwa zwanzig Leute sind mit Feuereifer dran zu hacken, schneiden, graben und sägen: Der Heckenpflanztag ist in vollem Gange.
Jürg Küenzi ist Förster und Jäger in Bauma. Zum dritten Mal hat er den jährlichen Anlass gemeinsam mit der Jagdgesellschaft Bauma auf die Beine gestellt. «Heute läuft ordentlich etwas», freut er sich.
Der Heckentag ist eine national koordinierte Aktion mit dem Ziel, die Landschaft ökologisch aufzuwerten.
In Bauma wird jährlich ein Pflanztag von der Jagdgesellschaft Bauma II organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzverein Bäretswil Bauma (NBB) und der Heckenpflanzgruppe von Birdlife.
Auch Privatpersonen sind zur Mithilfe eingeladen. Mit an Bord sind Bauern oder Landbesitzer, die ihr Land für das Projekt zur Verfügung stellen.(ks)
Wer an Jäger denkt, hat nicht sofort Heckenpflege im Sinn. «Als Jäger sind wir für einen ökologischen Leistungsnachweis verpflichtet», klärt Küenzi auf. Es sei wichtig, Freiwillige für dieses Projekt zu gewinnen.
«So bekommen auch Aussenstehende eine Ahnung davon, wie hart diese Arbeit ist.» Die vielen verschwitzten Gesichter unterstreichen seine Aussage. «Du, die Höger werded immer steiler», bestätigt prompt ein ächzender Helfer.



Dass das Gebiet so unzugänglich ist, sieht Küenzi als Pluspunkt für eine langfristig angebaute Hecke. «Da das Land höchstens als Weide nutzbar ist, verbaut sich der Landbesitzer damit keine Optionen.» Das heisst, er wird diesen Flecken Land wohl auch in ein paar Jahren weder zur Bewirtschaftung noch als Bauland nutzen wollen.
Denn das Gesetz sei recht strikt – werde eine Hecke angebaut, könne man diese nicht nach kurzer Zeit schon wieder entfernen. «Das ist wohl einer der Gründe, weshalb nicht alle Bauern ihr Land für eine Hecke zur Verfügung stellen wollen.
Erst lichten, dann pflanzen
Für Laien ist nicht sofort klar, weshalb die bereits bestehenden Brombeerbüsche ausgelichtet und durch andere, bereitgestellte Sträucher ersetzt werden sollen. «Hier hat die Natur überhandgenommen, und wenn wir nicht eingreifen, haben wir bald eine monotone, statt eine biodiverse Landschaft», erklärt der Förster.

Neu angepflanzt werden vor allem Schwarzdorn, Weissdorn, Kreuzdorn und Rosen. Auf die Blüten, Früchte und Dornen seien verschiedene Tierarten angewiesen. Vogelarten wie der Neuntöter würden Dornen als Messer nutzen: «Er spiesst Beutetiere daran auf, um sie zu zerteilen», sagt Küenzi.
Die Heckenlandschaft wird bewusst in verschiedenen Stufen angeordnet: In der Mitte sind die Sträucher höher und nach aussen immer niedriger. «So erhalten die Vögel leichten Zugang zum insektenreichen Boden und gelangen trotzdem schnell auf höhere Ebenen, um vor Fressfeinden geschützt zu sein.»
Zusammenbringen und Unterstützen
Mit der Heckenpflegeaktion verfolgen die Veranstalter laut Walter Wagner noch ein weiteres Ziel: «Die Vernetzung aller beteiligten Vereine sowie der Jäger und Landwirte.» Wagner ist Naturschutzbeauftragter von Bauma und Jagdkollege von Küenzi.
Auf diese Weise würde nicht nur das gegenseitige Verständnis gefördert, sondern aktive Unterstützung geboten. «Viele fordern, dass mehr für die Biodiversität getan werden soll – während wir es einfach tun.»


So wird die Hecke, an der die Freiwilligen an diesem Tag arbeiten, auch über die nächsten fünf Jahre von der Jagdgesellschaft gepflegt. Der Landbesitzer, der nicht nur auf dem eigenen Hof, sondern auch noch auswärts arbeitet, hätte laut Wagner selber gar nicht die nötigen Ressourcen. «Die Beiträge, die er für die Heckenpflege erhalten würde, sind nicht hoch genug, um seinen Aufwand zu decken.»
Birdlife: Wilma Willi
Dass man auch als Kantonsrätin (Grüne) im Dreck wühlen kann, beweist Wilma Willi. Die Regionalgruppenleiterin von Birdlife Bezirk Dielsdorf ist seit 2019 Mitglied in der Birdlife Heckengruppe. Drei- bis fünfmal pro Jahr engagiert sie sich bei Naturschutzeinsätzen und ist auch an diesem Samstag mit drei weiteren Mitgliedern vor Ort.
Sie lobt die Professionalität, die sie in Bauma antrifft: «Hier sind Profis am Werk – jeder weiss, was zu tun ist, ohne dass wir von der Heckengruppe uns gross einbringen müssen.» Dass die Arbeiten schon vor der Mittagspause so weit fortgeschritten sind, bezeichnet sie als aussergewöhnlich.
Als Motivation, selbst Hand anzulegen, nennt sie neben dem Naturschutz das Privileg, im Kanton herumzukommen. «Ich gelange an wunderschöne Orte und treffe spannende Menschen.» Dass sich Freiwillige engagieren, ist für sie der Schlüssel zum Erfolg.
«Manchmal braucht es nicht für alles ein Gesetz», sagt sie mit einem Augenzwinkern und fügt anerkennend an: «Wenn man einen ganzen Tag in diesem hügeligen Gelände arbeitet, bekommt man höchsten Respekt vor der Arbeit der Bergbauern.»

Jagdgesellschaft: Michi Schellenberg
Nach zweieinhalbjähriger Lehrzeit im Baumer Revier ist Michi Schellenberg seit September offiziell als Jäger im Einsatz. Während seiner Ausbildung war Jürg Küenzi seine Ansprechperson. «Deshalb konnte ich schon viel Erfahrung bei Forst- und Umgebungsarbeiten sammeln», erzählt er.
Am Heckentag ist er zum zweiten Mal dabei. «Es macht Spass, man sieht eins zu eins, was man geschafft hat, und es ist befriedigend, dass es einen Nutzen für die Natur hat.» Er findet es wichtig, zu zeigen, dass diese Arbeit auch zum Jägerberuf gehört: «Jagen ist nur ein kleiner Teil unseres Jobs.»

Gabriela Rüthemann, Privatperson
Für die Baumerin Gabriela Rüthemann ist die anstrengende Arbeit an der frischen Luft ein idealer Ausgleich zum Bürojob. «Ohne Bewegung werde ich stinkig», sagt sie lachend. Früher trieb sie Sport, heute setzt sie auf die Tätigkeit in der Natur: «Das macht Spass und ist erst noch viel sinnvoller.»
Am Heckentag ist sie zum ersten Mal dabei. Ihr Schwager Walter Wagner brachte sie auf die Idee, mitzumachen. Durch die regelmässige Mithilfe im Waldgarten beim Camping Saland hat sie bereits über Erfahrung in der Arbeit in der Natur. «Ich freue mich schon aufs Einpflanzen, das mache ich am liebsten.»

