Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Gesellschaft

Nistkästen – wohlige Heime für Vögel oder Parasitenherde?

Nistkästen am oder ums Haus können viel Freude bereiten, denn sie erlauben die Beobachtung von Vögeln aus nächster Nähe.

Feldsperlinge, die im Gegensatz zu Haussperlingen eine braune Kappe besitzen, brüten nicht nur an Gebäuden, sondern auch in Baumhöhlen, Nistkästen und geschützten Nischen.

Foto: Barbara Leuthold Hasler

Nistkästen – wohlige Heime für Vögel oder Parasitenherde?

Brutstätte richtig reinigen

Nistkästen am oder ums Haus können viel Freude bereiten, denn sie erlauben die Beobachtung von Vögeln aus nächster Nähe. Was braucht es an Pflege? Müssen die Nistkästen jeden Herbst gereinigt werden?

Barbara Leuthold Hasler

Nistkästen aufzuhängen, ist eine der populärsten Naturschutzmassnahmen. Bereits im 16. Jahrhundert platzierten Menschen Starenkästen – damals allerdings noch mit der Absicht, die munteren Vögel später zu essen. Heute hängen viele Menschen Nistkästen auf, weil sie sich an den gefiederten Nachbarn freuen und sie gerne beobachten.

Man sieht einen Vogel mit Blätter im Mund.
Ein Feldsperling hat frische Blätter gesammelt, die er in sein Nest einbauen wird.

Vögel, insbesondere Höhlenbrüter wie Kohl- oder Blaumeisen, nehmen die Kästen gerne an. Aber sie sind bei Weitem nicht die einzigen, die an den künstlichen Höhlen Gefallen finden. Auch Hummeln, Hornissen oder Wespen bauen ihre Nester gerne in Nistkästen.

Mehrfachnutzung

Das Ende der Brutsaison bedeutet noch lange nicht das Ende der Nistkastennutzung. Manche Vögel übernachten gerne weiterhin darin, vor allem in kalten Winternächten. Schmetterlinge finden Schutz vor Regen und Sturm. Gelegentlich ziehen auch Siebenschläfer, Waldmäuse oder Fledermäuse ein. Besonders vielfältig ist die Gruppe der wirbellosen Tiere, die in Nistkästen hausen: 120 Arten wurden im Winter in Nistkästen aufgestöbert.

Man sieht ein Hornissennest an einem Baum.
Dieser Nistkasten beherbergt eine Kolonie Hornissen; allerdings scheint die Behausung langsam aus allen Nähten zu platzen.

Unter ihnen befinden sich Arten, die eher wenig Sympathien geniessen, so zum Beispiel Parasiten wie Vogelflöhe und -läuse oder Milben. Diese Parasiten sind der Hauptgrund dafür, weshalb es früher üblich war, Nistkästen jeden Herbst zu putzen. Man war der Meinung, dass die Vögel sonst im kommenden Frühling ihren Plagegeistern schutzlos ausgeliefert wären und die Gesundheit der Jungen leiden würde. Das tönt logisch. Aber was geschieht in natürlichen Bruthöhlen?

Parasitenbekämpfung mit biologischen Mitteln

Die Natur hält, wie immer, Lösungen bereit: Wenn Parasiten in einen Nistkasten einziehen, ziehen früher oder später auch die Feinde der Parasiten ein. Räuberische Insekten oder Spinnen halten die Plagegeister der Vögel in der Regel in Schach.

Darüber hinaus lassen sich die Vögel nicht einfach überfallen, ohne Gegenmassnahmen zu treffen. So bauen viele Vögel Pflanzen mit Insekten abwehrenden oder antimikrobiellen Eigenschaften in ihre Nester ein. Forscher konnten nachweisen, dass die Vogeleltern mit diesen Abwehrmassnahmen Erfolg haben. Ihre Jungen sind schwerer und besitzen ein stärkeres Immunsystem als Junge, die in einem Nest ohne Parasitenabwehr aufwachsen.

Was bedeutet das nun für die Nistkasten-Putzete? Kurz gesagt: Gelegentliches Putzen ist sinnvoll, aber nur zum richtigen Zeitpunkt, nicht zu genau und nicht zu oft.

Was kann ich tun?

Wie oft soll ich putzen? Nistkästen müssen nicht jedes Jahr gereinigt werden, sondern dann, wenn sie mit Nistmaterial voll sind oder eine deutlich sichtbare Belastung mit Parasiten besteht.

Wann soll ich putzen? Am besten wird der Nistkasten im Spätsommer oder Herbst gereinigt, also im September oder Oktober. Dann sind die letzten Jungvögel ausgeflogen, und es besteht kaum die Gefahr, dass man ein Tier während des Winterschlafs stört.

Wie soll ich putzen? Es reicht, das alte Nistmaterial zu entfernen und den Nistkasten mit einer Bürste grob auszufegen. Bei starkem Parasitenbefall kann der Nistkasten zusätzlich mit klarem Wasser ausgespült werden; der Kasten muss anschliessend vollständig trocknen können. Niemals chemische Reinigungsmittel oder gar Desinfektionsmittel verwenden.

Vor dem Ausputzen empfiehlt es sich, kurz an den Nistkasten zu klopfen und ihn dann vorsichtig zu öffnen. Allfällige Bewohner erhalten so die Chance zur Flucht, und der Schrecken auf Seiten des Putzpersonals hält sich in Grenzen.

Zur Artikelserie im 2024

Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau haben im Frühling 2022 eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung über den Nutzen und die Schönheit von Biodiversität im Siedlungsraum zu informieren. Monatlich erscheint im „Regio“ ein Artikel zum Thema.

Zur Autorin

Barbara Leuthold Hasler arbeitet als selbstständige Biologin und Bergführerin. Mit der Natur vor ihrer Haustür befasst sie sich seit Jahren – nicht nur beruflich, sondern auch als Hobby, zum Beispiel im eigenen Garten und in ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen in Naturschutzgebieten.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns