Der Landvogteimarkt in Grüningen lockt alle Jahre wieder
Ein Fest für die Region und darüber hinaus
Mit über 150 Ständen und dem traditionellen Handwerksmarkt lockte der Grüninger Landvogteimarkt am vergangenen Wochenende wieder ins historische Stedtli.
Es duftete nach gebrannten Mandeln und Zuckerwatte, die Kinder jauchzten von den Fahrgeschäften, Gespräche und Gelächter hallten aus allen Ecken des historischen Stedtli: Es muss wieder Grüninger Landvogteimarkt gewesen sein.
Seit Hunderten Jahren feiert die Gemeinde ihre Märkte, und mit ihr Begeisterte aus der Region und darüber hinaus. Der Landvogteimarkt ist mit seinem traditionellen Handwerksmarkt und über 150 Ständen besonders beliebt – und so kehren jedes Jahr neue Gesichter und alte Bekannte im Stedtli ein.
Einer von ihnen war auch dieses Jahr Heinz Baumann aus Oetwil am See. Der 63-Jährige ist seit Jahrzehnten treuer Marktbesucher: «Ich schlendere gerne über die Gasse, trinke hie und da ein Gläsli mit Altbekannten. Der Grüninger Markt ist ein halbjährliches Highlight», sagt er.
Alteingesessene Händler
Unter den Marktfahrern dürfen die Besucher immer wieder ihre Lieblingsstände wiederfinden. So unter anderen Lukas Zangger, der zum 78. Mal in Folge an den Grüninger Märkten seine Honigspezialitäten ausstellt und verkauft.
«Ich bin in Grüningen in die Schule, man kennt sich, so manchen Kunden habe ich seit Jahrzehnten und treffe diese hier am Markt wieder. Grüningen ist grossartig. Und der Stand am halbjährlichen Grüninger Markt ist weniger Job und mehr Hobby, weil ich das so gerne mache», sagt Zangger.
Auch Ursula Leibundgut ist eine treue Marktbesucherin – die ehemalige Gemeinderätin war selbst 12 Jahre lang Marktchefin und hat in diesem Jahr den «Leue Priis» erhalten, der eine Ehrung für Verdienste in verschiedenen Bereichen ist.
«1974 haben wir den ersten Grüninger Markt gehabt, da habe ich sogar serviert», sagt sie. Heute ist die 83-Jährige als Gast am Markt und hat ein kleines Himbeerkörbchen und Bambussocken erstanden.
Ein Friedensprojekt
Auch Leonardo Benazzi ist jedes Jahr mit seiner Schmiede am Landvogteimarkt, dieses Jahr mit einem speziellen Projekt: Für eine Skulptur schmieden er und sein Werkstattchef Gian-Luca Borsani gemeinsam mit den Besuchern Friedenstauben.
Der deutsche Schmied Tom Carstens hat das Friedensprojekt ins Leben gerufen, und Benazzi war gleich Feuer und Flamme.
«Als Schmiede arbeiten wir ja eher für den Krieg, stellten vor Hunderten Jahren Waffen her. Mit diesem Projekt wollen wir zeigen, dass wir nicht wie unser Image sind», so Benazzi. Das Material für die Friedenstauben zahlt er selbst. 2026 soll die fertige Skulptur, bestehend aus 800 Tauben, in Deutschland ausgestellt werden.
Neue Gesichter am Markt
Wer jedoch denkt, in der Marktgasse immer denselben Naschwaren, Köstlichkeiten, Gütern und Utensilien zu begegnen, dürfte überrascht sein. Denn obwohl der Grüninger Landvogteimarkt auf eine lange Tradition zurückblickt, ist er auch immer wieder für neue Markthändler eine Chance, ein Teil des regional bekannten Ereignisses zu sein.
So auch Daniel Schmolke aus Wildhaus im Toggenburg, der zum ersten Mal mit seinen Blumenzwiebeln dem Landvogteimarkt beiwohnt. Seit zwei Jahren ist er in der Schweiz – ursprünglich kommt er aus Deutschland – und will hier seine Blumenzwiebeln an den Mann und die Frau bringen.
«Der Grüninger Markt hat eine sehr gute Resonanz bei Marktkollegen, so bin ich darauf aufmerksam geworden – bis jetzt läuft es super», sagt er.
Es lebe die Geselligkeit
Während Gross und Klein zwischen den Markthändlern umherwuselten und sich an der Vielfalt erfreuten, Dekoartikel bewunderten, feine Köstlichkeiten naschten und auserlesene Schmuckstücke erstanden, ist der Grüninger Markt bei der hiesigen Bevölkerung vor allem auch für eines bekannt: das Zusammentreffen und die Geselligkeit.
So sassen die Grüppchen schon seit Samstagmittag beieinander, tauschten sich aus und freuten sich, wie jedes Jahr, am Grüninger Markt einen immer wiederkehrenden Treffpunkt vereinbart zu haben. Unter ihnen sieht man auch bekannte Grüninger Gesichter wie Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP), der jedes Jahr am Landvogteimarkt anzutreffen ist und mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch kommt.
Es dürften die Gruppen von gebürtigen Grüningern, regionalen Altbekannten, Erstbesuchern, kleinen Kindern und grossen Familien noch bis nach Marktschluss im Grüninger Stedtli zusammengesessen haben.
Nach dem Märt ist vor dem Märt
Wie spät es an diesem Samstag wurde, das weiss nur der Grüninger Turnverein – denn wie jedes Jahr hat dieser die Bar in der Stedtli-Scheune betrieben und dafür gesorgt, dass die Getränke flossen und die Musik noch bis spät in die Nacht durch die Grüninger Gassen hallte.
Hat der eine oder andere in der Scheune zu ausgiebig gefeiert, dürfte der verregnete Sonntag gerade recht gekommen sein. Und glücklicherweise bleibt ein halbes Jahr, um sich erholen, bis die Vorfreude wieder zupackt: Denn in rund einem halben Jahr, am Wochenende des 26./27. April 2025, lockt dann wieder der Frühlingsmarkt ins Grüninger Stedtli.