Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Ringwil wehrt sich gegen Pläne für Abfalldeponie

Der Kanton will einen Deponiestandort bei der Hinwiler Aussenwacht in den Richtplan aufnehmen. Der Dorfverein stemmt sich mit einer Petition gegen das Vorhaben.

Der Kanton will die Bodenweid als möglichen Deponiestandort in den Richtplan aufnehmen.

Foto: Lennart Langer

Ringwil wehrt sich gegen Pläne für Abfalldeponie

Petition lanciert

Die Deponiepläne des Kantons stossen in einer weiteren Gemeinde auf Widerstand. In der Hinwiler Aussenwacht fürchtet man sich vor den schweren Lastwagen. Eine Unterschriftensammlung läuft.

Seit die kantonale Baudirektion im April die «Gesamtschau Deponien» präsentiert hat, ist klar: Das Oberland soll zur Region mit der höchsten Deponiedichte des Kantons werden. Besonders betroffen sind die Gemeinden Egg und Gossau. In Gossau dauert der Kampf einer Interessengemeinschaft gegen den Bau der Deponie im Tägernauer Holz sogar schon seit Jahren an.

Neu auf der Deponiekarte des Kantons aufgetaucht ist hingegen Hinwil. Der Standort auf dem Areal Bodenweid im Grenzgebiet zu Wetzikon und Bäretswil gleich hinter dem Vollzugszentrum Bachtel wird zur Aufnahme in den Richtplan empfohlen. Die knapp zehn Hektar grosse Landfläche gehört dem Kanton. Vorgesehen ist eine Deponie des Typs B. Standorte dieses Typs eignen sich für schwach belasteten Aushub sowie Abfälle und Isolationen von Baustellen.

Kartenausschnitt der Deponie Bodenweid.
Die Deponie Bodenweid wäre im Grenzgebiet zwischen Bäretswil, Hinwil und Wetzikon vorgesehen.

Während sich in Egg und Maur seit der Präsentation der «Gesamtschau Deponien» bereits in den vergangenen Monaten Widerstand formierte, blieb es in Hinwil lange ruhig. Bis jetzt. Mit einer Petition sammelt der Dorfverein Ringwil seit Mitte September Unterschriften, um die mögliche Deponie Bodenweid zu verhindern. Die Aussenwacht wäre vom neuen Standort unmittelbar betroffen.

Mehrverkehr durch Lastwagen

«Wir hoffen, dass wir gehört werden und der Kanton einen anderen Standort findet», sagt Dorfvereinspräsidentin Erika Mark. Zwar liegt der für die Deponie vorgesehene Standort ausserorts, doch die Bewohnerinnen und Bewohner von Ringwil befürchten mehr Lastwagenverkehr und dadurch eine Verschlechterung der Lebensqualität im Dorf.

Gestützt wird diese Befürchtung durch den Beschrieb im Dossier der Baudirektion. Die Deponiezufahrt soll über die Ringwiler- und die Bäretswilerstrasse erfolgen. Durch die Erschliessung seien mehrere Ortschaften vom Deponieverkehr betroffen, und es sei eine «projektbedingte Verkehrszunahme» zu erwarten, heisst es weiter. Allenfalls seien zwar Ausweichstellen nötig, doch die Zufahrtsstrassen würden den Anforderungen genügen.

Eine Ansicht, die Erika Mark nicht teilt. Die schmalen und unübersichtlichen Strassen in der Aussenwacht seien nicht für die schweren Lastwagen geeignet. «Wenn sich die mit Schutt beladenen Lastwagen kreuzen, müssten sie aufs Trottoir ausweichen», sagt sie. Das stelle auch eine Gefahr für die Kinder dar, die sich auf dem Weg zur Schule befänden.

Zu den weiteren in der Petition vorgebrachten Argumenten gehören höhere Lärmemissionen sowie Staub. Und nicht zuletzt ist von einer möglichen Wertverminderung der Liegenschaften die Rede.

Petition an Regierungsrat

Das Ziel der Petition ist darum klar: Bei Ringwil soll es keine Deponie geben. Aktuell läuft die Unterschriftensammlung nicht nur in Ringwil, sondern auch im Quartier Alpenblick, das zwischen dem Hinwiler Ortszentrum und Ringwil liegt.

Noch bis Mitte Oktober werden Unterschriften gesammelt. Das Anliegen des Dorfvereins findet gemäss Erika Mark bisher Anklang. Wie viele Personen schon unterzeichnet haben, kann sie aber nicht sagen. Es gebe auch keine Zielgrösse. «Das Ziel ist aber, dass wir die Petition noch im Oktober abschicken.»

Adressat wird Baudirektor Martin Neukom (Grüne) sein. Der Regierungsrat hatte im April die «Gesamtschau Deponien» der Öffentlichkeit präsentiert. Festzuhalten gilt es jedoch, dass der Standort Bodenweid bisher zur Aufnahme in den Richtplan empfohlen ist. Detaillierte Pläne liegen noch nicht vor.

Zurückhaltung bei der Gemeinde

Entsprechend zurückhaltend zeigt sich auf Anfrage die Gemeinde Hinwil. Entgegen der Darstellung im Petitionstext hat die Gemeinde auch noch keine konkreten Schritte in Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Deponie unternommen. «Der Gemeinderat will zuerst den revidierten Richtplan einsehen, um Stellung zu nehmen», erklärt Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP). Wann diese Auflage stattfinden wird, ist noch offen.

Grundsätzlich unterstützt die Gemeinde aber das Vorgehen des Dorfvereins. «Es ist das Recht der Bevölkerung, sich mit legitimen demokratischen Mitteln direkt zu wehren», sagt Bühler. Man habe den Vertretern aus Ringwil bei einem Austausch im Sommer nahegelegt, mittels einer Petition direkt beim Kanton vorstellig zu werden.

Eine Wiese und ein Haus im Hintergrund.
In unmittelbarer Nähe des vorgesehenen Deponiestandorts befinden sich nur wenige Wohnhäuser.

Trotz der Zurückhaltung macht Andreas Bühler klar, dass die Gemeinde die Sorgen der Bevölkerung teilt. Auch die Gemeinde sieht die Deponie am Standort Bodenweid kritisch wegen des erwarteten Mehrverkehrs. «Man nimmt den Weg des geringsten Widerstands – und dieser führt durch Hinwil und Ringwil.»

Besonders unverständlich ist für den Gemeindepräsidenten, dass sich der mögliche Deponiestandort nur unweit des Schürli-Areals in Bäretswil befindet. Ein im letzten Jahr vorgestellter privater Gestaltungsplan sieht dort ab 2026 eine neue Kieswaschanlage vor. Die Zulieferung soll über das Trassee der Dampfbahn Hinwil–Bauma erfolgen. Der Abtransport mit Lastwagen würde dann über dieselben Strassen rollen wie der Transport zur Deponie Bodenweid, so die Befürchtung.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns