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Hinwiler Bezirksparteien steuern bei Autobahnbau in zwei Richtungen

Die Bürgerlichen wollen beim Autobahnausbau vorwärts machen, Links/Grün steht auf der Bremse. Das zeigt sich auch in der Region.

In welche Richtung soll es beim Autobahnausbau gehen? Für die Lückenschliessung im Oberland – im Bild das Autobahnende in Oberuster – ist der Ausgang der Abstimmung vom 24. November wichtig.

Foto: Simon Grässle

Hinwiler Bezirksparteien steuern bei Autobahnbau in zwei Richtungen

Bürgerliche für Autobahnanschluss Wetzikon

Bringen mehr Strassen Entlastung? Die Grundsatzfrage spaltet die regionalen Parteien auch bei der Lückenschliessung der Oberlandautobahn.

Die Autobahnen in der Schweiz sind richtungsgetrennt ausgelegt. Genau so verhält es sich, wenn die Parteien zu ihrer Haltung zu Autobahnprojekten befragt werden: Die Bürgerlichen setzen auf mehr Spuren, während links-grüne Kreise in die andere Richtung halten und am liebsten einen Abbau hätten.

Am 24. November stimmen wir über den Ausbau von sechs Autobahnabschnitten in fünf Kantonen ab. Diese Zeitung hat die Hinwiler Bezirksparteien zu ihrer Haltung befragt und deren Einschätzung abgeholt, was der Ausgang dieser Abstimmung für die Lückenschliessung der Oberlandautobahn bedeutet.

SP gegen mehr Strassen

Bis auf die Grünen haben alle angefragten Parteien fristgerecht Antworten geliefert. Deren Haltung dürfte aber deckungsgleich mit jener der SP sein. Und diese lehnt die Vorlage rundum ab. Es waren auch links-grüne Kreise unter Führung des Verkehrs-Clubs der Schweiz, die im letzten Herbst das Referendum gegen einen Beschluss des Parlaments ergriffen. Dies, nachdem National- und Ständerat mit deutlicher Mehrheit für den Ausbauschritt gestimmt hatten.

«Mehr Strassen erzeugen mehr Verkehr und kosten mehrere Milliarden. Statt diese Milliarden in den Strassenbau zu investieren, sollten wir nachhaltige Alternativen fördern, um eine klimaneutrale Mobilität bis 2050 zu erreichen», betont Erich Birrer, SP-Bezirkspräsident. Auch die regionale GLP lehnt die Vorlage ab.

Gespaltene EVP

In der Zwickmühle ist die EVP. Einerseits votiert deren nationale Partei für ein Nein und erhofft sich einen zweiten Anlauf für die Ausbauprojekte. Diese müssten noch schonender für Kulturland und Biodiversität ausgestaltet werden.

Andererseits dürften laut René Rothe und Carola Arn, die sich das EVP-Präsidium im Bezirk teilen, einzelne Ortsparteien der Vorlage zustimmen, «um die Oberlandautobahn nicht erneut zu verzögern».

Bürgerliche setzen auf Gesamtkonzept

Bei der EDU gibt es keinen Zweifel, wohin die Reise gehen muss. «Die Vorlage vom 24. November ist Teil eines Gesamtkonzepts im ‹Strategischen Entwicklungsprogramm›, zu dem auch die Zürcher Oberlandautobahn gehört. Was heute beschlossen wird, legt die Grundlage für künftige Projekte», hält EDU-Bezirkssektionspräsident Fabian Winiger fest. Deshalb gebe es von ihnen «ein klares Ja».

Gleich tönt es von Philipp Casutt, dem Präsidenten der FDP Bezirk Hinwil: «Dieses Programm ist entscheidend, um Engpässe im Schweizer Strassennetz zu beseitigen. Der vorgesehene Ausbau entspricht dem bestehenden Bedarf bezüglich Mobilität und trägt zur Verkehrssicherheit und zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz bei.»

René Schweizer, Präsident der SVP Bezirk Hinwil, weist noch auf einen anderen Aspekt hin: «Jährlich stehen wir in der Schweiz über 48'000 Stunden im Stau. Dies verursacht hohe Kosten und ist für unsere Umwelt sehr schädlich.»

Hauptstrasse durch das Aatal mit vielen Autos
Stossverkehr und häufiger Stau: Tagtäglich zwängen sich Zehntausende Autos durch das Aatal zwischen Uster und Wetzikon.

Deshalb sprechen sich die drei grossen bürgerlichen Parteien SVP, FDP und die Mitte für die Vorlage aus.

Votum für Oberlandautobahn-Projekt entscheidend

Ähnlich beurteilen die Befürworter wie die Gegner der Ausbauvorlage deren Auswirkungen auf die geplante Lückenschliessung im Oberland: «Die Lückenschliessung der Oberlandautobahn hängt vom Ja zur Vorlage ab. Diese bestätigt das Gesamtkonzept der Nationalstrassen», unterstreicht der EDU-Vertreter.

«Die Annahme erhöht die Chancen zukünftiger Verkehrsprojekte und damit eben auch der Lückenschliessung der Oberlandautobahn», ergänzt Philipp Casutt von der FDP.

Eine Ablehnung dieses Ausbauschritts verzögere das Oberlandautobahn-Projekt um Jahre, da die Finanzierung und die Planung von Schlüsselprojekten gefährdet wären. Das könnte diesen Bau in der Region nach Einschätzung von Philipp Casutt sogar verhindern.

Blick durch eine Bohrstange.
Nadelöhr Aatal: Blick durch eine Bohrstange, die bei einer Bohrung für die Oberlandautobahn in Oberuster Ende 2023 verwendet wurde.

Andrea Gisler, Co-Präsidentin der GLP Bezirk Hinwil, sieht in der Abstimmung vom 24. November einen Grundsatzentscheid: «Die Ablehnung der Vorlage wäre ein klares Votum des Stimmvolks, dass sich die Verkehrsprobleme nicht mit mehr Strassen lösen lassen.»

Die EVP beurteilt das Votum etwas differenzierter. «Es wird schwieriger für die Oberlandautobahn, wenn das Nein als ein Nein zu jeglichen Ausbauten gewertet wird», gestehen Carola Arn und René Rothe ein. Doch die EVP wolle notwendige Ausbauten nicht verhindern. Ihrer Partei gehe es darum, dass «konsequent die bestmögliche Variante zum Schutz von Kulturland und Biodiversität gesucht wird».

Das sagen die Leser

Dieses Votum ist eindeutig: Mehr als drei Viertel der Teilnehmer unserer nicht repräsentativen Umfrage sagen Ja zum Autobahnausbau. Nur ein knappes Viertel ist noch unentschlossen oder will ein Nein in die Urne legen. Insgesamt nahmen 162 Personen an unserer Abstimmung teil.

Das Oberland scheint klar für den Ausbau zu votieren.
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Mit Tunnel und Anbindung Wetzikons

Zurzeit sind noch drei Grundvarianten im Rennen, wie die Lückenschliessung realisiert werden kann:

  1. Zunächst ist dies ein direkter, langer, tiefer Tunnel von Uster Ost zum Betzholz – ohne Anschluss Wetzikon (in der Grafik unten violett gepunktete Linien).
  2. Eine Verbindung von Uster Ost bis zum Anschluss Wetzikon möglichst im Tunnel, von dort aus weiter im tiefen Tunnel zum Betzholz (unten gelb und grün gepunktete Linien).
  3. Diese Variante entspricht dem Richtplan und sieht nach der Querung des Aatals vom Anschluss Wetzikon aus einen unterbrochenen, oberflächennahen Tunnel nach Ottikon vor, wo der Anschluss zur Forchautostrasse hergestellt wird (unten zuerst gelbe Linien, dann rot gestrichelte Linie).
Karte mit ganz vielen möglichen Linienführungen für die Oberlandautobahn.
Der Variantenfächer für die Lückenschliessung der Oberlandautobahn ist aktuell noch weit offen.

Die Variante «Tunnel tief lang» ist vom Bundesamt für Strassen (Astra) erst vor Kurzem neu ins Spiel gebracht worden. Bei der Aufarbeitung der verkehrlichen Grundlagen hat sich laut Astra gezeigt, dass ein Anschluss Wetzikon eine Sogwirkung hätte und viel Verkehr aus der Region anziehen würde. Mit dem Verzicht auf diesen Anschluss könne im übrigen Strassennetz eine nachhaltigere Entlastung erzielt werden.

Doch welche Variante favorisieren die Parteien, wenn die Autobahnlücke in der Region tatsächlich geschlossen werden kann? Für Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin (Rüti) ist es die Zweite, die tiefe Tunnels und einen Anschluss in Wetzikon vorsieht. «Diese Variante scheint uns am verträglichsten.»

Im rot eingezeichneten Gebiet Floos zwischen Aathal (oben links) und Wetzikon (rechts) könnte der Autobahnanschluss Wetzikon zu liegen kommen.
Im rot eingezeichneten Gebiet Floos zwischen Aathal (oben links) und Wetzikon (rechts) könnte der Autobahnanschluss Wetzikon in den Varianten 2 und 3 zu liegen kommen.

Auch René Schweizer von der SVP setzt auf diese. So erhalte Wetzikon eine optimale Anbindung. Gleichzeitig kämen die zwar teuren, aber zukunftsorientierten Tunnels zum Zug. Diese böten den kürzesten Weg, kein Land werde verbaut, und der Lärm störe die Anwohner nicht.

Wie Schweizer sieht es FDP-Präsident Casutt: «Diese Lösung bietet die grösstmögliche Balance zwischen der Entlastung der Anwohner vom Durchgangsverkehr, der Umweltverträglichkeit sowie der Effizienz und den Kosten.» Da die Stadt Wetzikon und die Gemeinden Gossau und Hinwil diese Variante ebenfalls unterstützten, gebe es auch eine hohe regionale Akzeptanz dieser Variante.

Während EDU und EVP sich nicht festlegen wollen und die SP sich generell «Raum für bessere Lösungen» wünscht, kommt für die GLP einzig eine vollständig unterirdische Linienführung infrage. Für den tiefen, langen Tunnel spricht für Andrea Gisler noch ein weiteres Argument: «Soll die Stadt Wetzikon wirksam vom Durchgangsverkehr entlastet werden, ist auf einen Anschluss Wetzikon zu verzichten.»

Bevor das Bundesamt für Strassen den Variantenentscheid im Frühling 2026 fällen will, gilt es nun aber zunächst, den 24. November im Auge zu behalten. Denn dann entscheidet das Volk über die Zukunft des weiteren Autobahnausbaus.

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