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«Der Bächlihof ist nicht ein Ausweichhof für den Juckerhof»

Der Juckerhof in Seegräben erhebt dieses Jahr Eintritt für seine beliebte Kürbisausstellung. Führt das dazu, dass mehr Besucher den weniger bekannten Bächlihof in Jona als Alternative wählen?

Früh am Morgen ist es noch ruhig auf dem Bächlihof, doch kontinuierlich kommen immer mehr Gäste nach Rapperswil-Jona.

Foto: Sabina Bobst

«Der Bächlihof ist nicht ein Ausweichhof für den Juckerhof»

Keine Eintrittspreise, keine Beschwerden

Der erfolgreiche wie umstrittene Juckerhof in Seegräben verlangt dieses Jahr für seine Kürbisausstellung Eintritt. Macht das seinen kleinen, weniger bekannten Bruder, den Bächlihof in Jona, attraktiver?

Sabrina Bundi

«It’s an autumn thing», schreibt eine Frau unter ihrem Instagram-Post. Auf dem Bild sitzt sie lachend auf einem Heuquaderballen, umringt von allerlei Kürbissen. Im Hintergrund: das Logo der Jucker Farm in Seegräben im Zürcher Oberland.

Eine Bildlegende, die wohl viele andere auch so schreiben würden. Denn für Tausende Menschen ist der Besuch der Kürbisausstellung auf dem Juckerhof ebenfalls ein «autumn thing», ein Herbstding, und gehört fix in die Agenda.

Die Kürbisausstellung ist mittlerweile so berühmt, dass das kleine Dorf Seegräben unter Overtourism leidet. Die Brüder Martin und Beat Jucker schätzen, dass 6000 bis 15’000 Besucherinnen und Besucher an starken Tagen auf den Hof kommen. Während manche von ihnen in ihren Autos fluchend und hupend im Stau stehen, ärgern sich die Einwohnerinnen und Einwohner von Seegräben, dass sie nicht mehr durchs eigene Dorf kommen.

Viele Menschen.
Die Jucker Farm in Seegräben zieht im Herbst Tausende von Menschen an. Aber auch an einem Frühlingstag wie auf diesem Bild ist der Hof ein beliebtes Ausflugsziel.

Viel gemächlicher geht es auf dem Bächlihof in Jona zu und her, sozusagen dem kleinen Bruder des Juckerhofs. Denn auch der Bächlihof gehört den beiden Jucker-Brüdern. Zusammen mit zwei weiteren Höfen in Rafz und Kloten bilden sie eine Betriebsgemeinschaft. Wie in Seegräben gibt es auch in Jona im Herbst eine Kürbisausstellung. Wobei diese kostenlos ist und niemand schimpft.

Andere Bedingungen, weniger Probleme

Denn die Besucherinnen und Besucher finden fast immer einen Parkplatz. Seegräben hat 1400 Einwohner und 100 Parkplätze, Rapperswil-Jona hat 27’000 Bewohnende und in unmittelbarer Nähe vom Bächlihof rund 600 Parkplätze.

Ausserdem liegt der Bächlihof im Naherholungsgebiet neben Sportanlagen, dem Hafen und dem Strandbad Stampf. Die nächsten Wohnhäuser sind so weit weg, dass keine Besucher den Einwohnern durch die Gärten trampeln oder in offene Fenster hupen, um den Bächlihof zu erreichen, wie dies in Seegräben passierte.

Kürbisausstellung.
Das Raumschiff «Enterprise», gebaut aus Kürbissen. Die diesjährige Kürbisausstellung auf dem Bächlihof trägt den Titel «Grosses Kino».

Verkehrschaos oder Stau gebe es hier selten bis nie, «ausser wenn viele Events gleichzeitig stattfinden, beispielsweise ein Eishockeymatch, der Zirkus und die Kürbisausstellung», sagt Roland Meier, Ressortleiter Sicherheit der Gemeinde Rapperswil-Jona.

Die Stärken des Bächlihofs

Böse Zungen würden sagen, der Bächlihof sei der kleinere, weniger schöne Juckerhof. Die Aussicht ist weniger spektakulär, die Umgebung weniger idyllisch. Der Bächlihof, das Nierenstück neben dem Filet Juckerhof?

«Wir finden es hier sogar schöner als in Seegräben», sagt das ältere Paar Toni und Ulla, das durch die aktuelle Kürbisausstellung schlendert. «Auf dem Juckerhof herrscht für uns zu viel Chaos, und man muss weit laufen, das können wir nicht mehr so gut.»

Auch Stefanie und ihre Tochter Sienna haben sich an diesem Oktober-Wochenende für den Bächlihof statt den Juckerhof entschieden, auf dem sie bereits zweimal waren. Sienna posiert vor einem Riesenkürbis, in dem sie locker Platz hätte.

Mädchen steht vor riesigen Kürbis.
Kürbisse überall: Sienna strahlt im Kürbiskleid auf dem Kürbishof vor dem Riesenkürbis.

Ihre Mutter sagt: «Der Bächlihof steht dem Juckerhof in nichts nach – ausser vielleicht in der Lage.» Während der Juckerhof auf einem Hügel steht mit Blick auf den Pfäffikersee und in die Alpen, liegt der Bächlihof am Stadtrand. Zwar ist der Zürichsee in Gehdistanz, aber nicht direkt sichtbar.

«Vielleicht hat der Juckerhof eine bessere Aussicht, aber unseren Kindern ist das egal, sie wollen einfach spielen», sagt Daniel, der den Bächlihof für einen Familienausflug ausgewählt hat. Kinder lassen sich hier gut einige Stunden bespassen. «Es gibt sehr schöne Spielplätze, einen Geisslipark, tolles Essen und eine gemütliche Atmosphäre», erklärt er.

Ein Mann hält sein Kind in den Armen und lächelt in die Kamera.
Daniel aus Zürich mit seiner Tochter Romy kommt vor allem wegen der Spielmöglichkeiten für die Kinder auf den Bächlihof.

Auch Ann-Katrin und Joel waren mit Tochter Lia schon auf beiden Höfen, gehören aber, weil sie in der Nähe wohnen, zu den Bächlihof-Stammgästen. Sie schätzen am Bächlihof vor allem, dass er weitläufiger ist und mehr Platz zum Spielen hat. Als regelmässige Besuchende würden sie merken, dass es mehr Leute als früher habe.

Eine Frau hält ihr Kind im Arm, und neben ihr steht ein Mann. Beide lächeln in die Kamera.
Joel, Ann-Katrin und die kleine Lia sind Stammgäste auf dem Bächlihof.

Ann-Katrin vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass der Juckerhof die Besucherzahl reguliert und Eintrittspreise verlangt. «Eintritt bezahlen, das wollen wir nicht», sagt auch das Ehepaar Toni und Ulla.

Eintrittspreise zeigen in Seegräben Wirkung

Ist der Bächlihof also definitiv zum Ausweichhof der beliebten Jucker Farm geworden? Seit Jahren versuchen Martin und Beat Jucker zusammen mit der Gemeinde Seegräben, die Auto fahrende Menschenmenge mehr oder weniger erfolglos zu bändigen.

In diesem Jahr sollen Tickets und Eintrittspreise zwischen 10 und 15 Franken die Anzahl Besucherinnen und Besucher auf ein für die Gemeinde erträgliches Mass limitieren. Ausserdem wurde die Ausstellungsdauer in Seegräben von acht auf vier Wochen gekürzt.

Die Massnahmen scheinen zu funktionieren. «Die ersten Wochen zeigen, dass es weniger Gäste auf dem Juckerhof hat als in den Vorjahren», sagt Martin Jucker. Auch die subjektive Wahrnehmung des Verkehrsdiensts zeige, dass sich die Verkehrslage gebessert habe. Und: «Wir haben rund 50 Prozent weniger Anreisereklamationen als früher», fügt er hinzu.

Mann lächelt in die Kamera.
Bauer Martin Jucker auf dem Bächlihof, einem von vier Jucker-Betrieben.

«Der Bächlihof ist nicht ein Ausweichhof für den Juckerhof», sagt Martin Jucker auf einem Spaziergang über den Bächlihof. «Die Besucherzahlen beim Bächlihof sind in den letzten fünf Jahren kontinuierlich angestiegen und nicht erst seit diesem Jahr.»

Aber wie bisher auf dem Juckerhof werden auch auf dem Bächlihof die genauen Gästezahlen nicht erfasst. «Vor fünf Jahren hatten wir auf dem Bächlihof ungefähr ein Drittel der Anzahl Gäste vom Juckerhof, heute sind wir vielleicht auf 80 Prozent», schätzt er.

Menschen stehen vor grossen Kisten mit vielen Kürbissen.
Der Bächlihof ist an einem Samstagnachmittag gut besucht: Familien, ältere Ehepaare und ausländische Touristen bewundern die Kürbisse in allen möglichen Formen und Farben.

Im Gegensatz zum Juckerhof dauert die Kürbisausstellung auf dem Bächlihof immer noch acht oder je nach Frostlage sogar bis zu zwölf Wochen. Der Bächlihof sei einfach weniger bekannt. Was auch daran liege, dass darüber nicht so viel berichtet werde: «Er ist für die Medien nicht so spannend wie der Juckerhof, weil es hier keinen Ärger gibt.»

Ein wichtiger Unterschied zwischen den Höfen sei zudem, dass der Bächlihof über einen grossen Platz verfüge und weniger verwinkelt sei. «Hier können wir Events mit bis zu 2000 Leuten durchführen.»

Attraktionen wie beispielsweise die Schweizer Meisterschaft im Gemüse- und Kürbiswiegen, die am Samstag stattfand (der Siegerkürbis brachte 727,5 Kilo auf die Waage), haben die Brüder deshalb schon vor Jahren von Seegräben nach Jona verlagert.

Ein riesiger Kürbis wird transportiert.
Dieser Koloss muss für die Schweizer Meisterschaft im Kürbiswiegen an seinen Platz gebracht werden.

Kürbis-Overtourism auch in Jona?

Dass es in Zukunft auch in Jona zu einem Kürbis-Overtourism kommen könnte, wagt der Bauer nicht zu prognostizieren. Die Lage in Jona mit den vielen Parkplätzen und der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr könne zwar mehr Menschen schlucken, aber der Hof komme irgendwann an seine Grenzen.

«Ob wir auch hier einmal Eintritt verlangen werden müssen, wissen wir nicht», sagt Martin Jucker. Im Moment sei noch nichts geplant. «Die Frage ist, wann es für die Gäste nicht mehr angenehm ist.» Vielleicht dann, wenn aus dem «autumn thing» auch in Jona ein «Parkplatz thing» wird.

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