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1250 Jahre Egger Geschichte in einem Jahr niedergeschrieben

Ein neuer Blick auf Eggs lange Existenz: Ein Oetwiler präsentiert zum Jubiläum eine bildstarke Ortsgeschichte.

Das Restaurant Hochwacht gehört für Werner Bosshard, Autor des neuen Buches «Von Eccha zu Egg», zu den schönsten Flecken der Pfannenstiel-Gemeinde.

Foto: Christian Brändli

1250 Jahre Egger Geschichte in einem Jahr niedergeschrieben

Neues Buch von Werner Bosshard

Ämet, Engel oder Hostig sind alles Siedlungen in der Gemeinde Egg. Woher haben diese ihre Namen? Ein neues Geschichtswerk gibt Antworten.

«Das Hotel, das auf einem der schönsten Aussichtspunkte steht, ist im Chaletstil erbaut. Es ist eine Zierde für die Gemeinde Egg», verkündete die NZZ am 2. Juli 1908 auf der Frontseite. Die Rede ist vom damals neuen Kurhaus «Hochwacht» auf dem Pfannenstiel. Das Haus ist zwar mittlerweile in die Jahre gekommen, für Werner Bosshard aber noch immer einer der schönsten Flecken auf Egger Boden.

Der 69-jährige frühere Bankfachmann muss es wissen, auch wenn er in der Nachbargemeinde Oetwil wohnt. Denn in den letzten Monaten hat er ganz Egg – und wirklich jeden Winkel – abgewandert oder ist mit dem Velo dorthin geradelt.

Jubiläum steht bevor

Die intensive Spurensuche hat er mit einem grossen Ziel vorgenommen: «Ich wollte ein neues Standardwerk über Egg schreiben. Ein Buch, das Identifikation schaffen soll und die Gemeinde wie in einem Reiseführer darstellen soll», erzählt Bosshard. 1900 und 1975 waren bereits Ortsgeschichte erschienen. Doch beide Bücher sind schon längst vergriffen.

Eigentlich Auslöser fürs neue Buch ist der Umstand, dass Egg respektive «Eccha» am 27. Januar 775 erstmals in einer Urkunde namentlich genannt wurde. Das Dokument des Klosters St. Gallen ist auch Anlass, dass Egg im kommenden Jahr das 1250-Jahr-Jubiläum feiern kann.

Seine Motivation als Autor sieht Bosshard darin, dass er hier kreativ tätig sein kann und gleichzeitig ein physisches Werk erschaffen kann. Und ja, «ich möchte mit dem Buch auch selbst Spuren hinterlassen». Er hoffe, damit den Eggern Freude bereiten zu können.  

Realisiert hat Bosshard, der 28 Jahre dem Oetwiler Gemeinderat angehörte, das Buch in etwas mehr als einem Jahr. «Rund 2000 Arbeitsstunden stecken drin, davon vielleicht zehn Prozent von Dritten», meint der Hobbyhistoriker. Dass es in relativ kurzer Frist entstanden ist, hängt auch damit zusammen, dass er vor erst vier Jahren die Ortsgeschichte von Oetwil veröffentlicht hat.

Die beiden Nachbargemeinden haben eine lange gemeinsame Geschichte. Erst 1730 löste sich die Oetwiler Filialkirche von Egg. Bosshard konnte so von seinen Nachforschungen für das Oetwiler Buch profitieren. Zudem lehnt sich das neue, 400 Seiten starke Werk, das den Titel «Von Eccha zu Egg – Geschichte der Besiedlung der Gemeinde Egg» trägt, konzeptionell an jene Ortsgeschichte an.       

Schlaglichter auf einzelne Themen

Im ersten Teil wird die rund 2000-jährige Geschichte der Besiedlung der Region und insbesondere des heutigen Egger Gemeindegebiets beschrieben. Dabei wirft er Schlaglichter auf ausgewählte Themen aus den verschiedenen Zeitepochen. «Ich habe mir dabei ganz nach Marketing-Grundsätzen überlegt, was die Leute am meisten interessiert.» So legt er immer wieder den Fokus auf das Leben der einfachen Leute, wie sie es schafften, überhaupt zu überleben.

Ansichtskarte von Egg von etwa 1907 zeigt neben einer Vogelschaukarte zwei Egger Dorfansichten. Zudem sind mit der Seidenweberei, der Kirche und der Methodisten-Kapelle drei Einzelobjekte abgebildet.
Schlaglichter von 1907: Diese Ansichtskarte zeigt die nach damaliger Auffassung wichtigsten Orte von Egg.

Das war oft gar nicht einfach, vor allem, wenn wieder ein Pestzug durch die Region schwappte. Allein 1629 wurden durch die Pestilenz 301 Personen auf Egger Boden dahingerafft. Das dürfte rund ein Viertel der damaligen Bevölkerung gewesen sein.

Später versuchte die Gemeinde, mit speziellen Steuern für Neuzuzüger diese von Egg fernzuhalten. Man fürchtete um das eigene Auskommen in der ärmlichen Bauerngemeinde. Ganz anders ging Egg dann in den 1950er Jahren vor. Mit einer gross angelegten Einbürgerungsaktion versuchte die nicht auf Rosen gebettete Pfannenstiel-Gemeinde, neue, gut verdienende Einwohner zu gewinnen.

Der «verrufene» Heinrich Walder

Nicht alle Egger waren wohlgelitten. 1815 erging ein «Warnungsverruf» «über den liederlichen Lebenswandel des Heinrich Walder, Müller Walders Sohn, Blattmacher und Geschirrfasser von Esslingen, der Pfarrei Egg, Bezirk Uster, welcher seine Gemeinde schon mit drey unehelichen Kindern belästiget hat». Die «Weibspersonen» sollten sich «vor unerlaubtem Umgang mit dem verrufenen Heinrich Walder hüten, zumalen ihnen allein die daherigen lästigen Folgen, und keineswegs mehr seiner Gemeinde, zufallen würden».

Auch solche Dorfgeschichten dürfen natürlich im gut lesbaren und leicht verständlichen Werk nicht fehlen. Doch viel mehr Raum nimmt die Entwicklung Eggs gerade in den letzten 60 Jahren ein. Die grosse Bautätigkeit, neue Strassen samt Forchautostrasse, die Verlegung der Endstation der Forchbahn ins Esslinger Dreieck oder neue Schulhäuser werden anschaulich dokumentiert. Der Wandel des ehemaligen Bauerndorfs zu einem Vorort von Zürich wird auch in vielen anschaulichen Bildern dargelegt.

Erstmals Übersicht zu allen Siedlungen

Mit zahlreichen Fotos versehen ist auch der zweite Teil des Buchs. Hier finden die vielen Ausflüge Bosshards in die rund 100 Ortsteile, Weiler und Einzelhöfe auf dem Gebiet der Gemeinde Egg ihren Niederschlag. Wo möglich wird zu jedem Siedlungsnamen eine Erklärung geliefert. Diese Übersicht ist die grosse Neuerung gegenüber den Vorgängerbüchern und bringen einen echten Mehrwert.

Besonders knifflig gestaltete sich die Namenserklärung bei Ämet oder früher Hinter-Emmat. Bisherige Deutungen gingen dahin, dass sich der Name von Heu beziehungsweise Emd herleitet, das dort früher gewonnen wurde. Bosshard glaubt, dass das Gebiet dort einst den Esslinger Dorfgenossen als gemeinsam genutztes Gebiet, als eine Allmend diente. Aus diesem Begriff könnte sich dann Ämet entwickelt haben. 

«Ich kenne Egg nun besser als die meisten Ortsansässigen. Den Einbürgerungstest dürfte ich jedenfalls problemlos bestehen», meint der Oetwiler mit einem Schmunzeln.

Verkauf des Buchs ab November

Die neue Ortsgeschichte «Von Eccha zu Egg» wird am 7. November an einer Buchvernissage für geladene Gäste vorgestellt. Der Verein Kulturerbe Egg wird es danach an besonderen Verkaufsständen in der Gemeinde zum Kauf anbieten. Die genauen Daten und Orte werden auf der Website des Vereins publiziert.

Kosten wird das 400-seitige Buch mit rund 450 Bildern 40 Franken. Die Auflage beträgt 1000 Exemplare. Wie der Autor Werner Bosshard festhält, seien die Kosten von rund 50’000 Franken dank Sponsoren schon fast gedeckt. Er hat das Buch in ehrenamtlicher Arbeit erstellt.

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