Investoren interessieren sich auch für kleine Windparks
Standorte in der Region
Im Oberland liegen kleine mögliche Windradstandorte. Stromproduzenten lassen sich von der Grösse nicht abschrecken, haben jedoch ein «Aber».
Im Juli hat der Kanton Zürich die Eignungsgebiete zur Windenergienutzung im Kanton Zürich veröffentlicht. Drei liegen im Oberland. Für das grösste gibt es bereits einen potenziellen Investor. Die SN Energie nimmt den Standort Batzberg zwischen Wald und Rüti unter die Lupe.
Aktionär dieses Unternehmens ist auch das EW Wald. Die kantonale Baudirektion geht davon aus, dass mit drei je 220 Meter hohen Windrädern dort oben im Jahr 26 Gigawattstunden gewonnen werden könnten. Zum Vergleich: Das EW Wald verkauft heute jährlich rund 43 Gigawattstunden.
Axpo schaut sich um
Doch wie sieht das Interesse für die beiden anderen, deutlich kleineren Standorte aus? Schönwis, oberhalb von Wetzikon und Hinwil gelegen, könnte Platz für zwei Anlagen bieten und einen geschätzten Jahresertrag von 16 Gigawattstunden erzielen.

Nochmals deutlich kleiner wäre ein Windpark auf dem Hombergchropf zwischen Bubikon und Wolfhausen: Doch hat es Platz für gerade mal ein Windrad. Voraussichtlich dürften damit 9 Gigawattstunden pro Jahr gewonnen werden. Das entspricht etwa einem Fünftel des Stromverbrauchs Bubikons mit rund 7500 Einwohnern.
«Wir könnten uns gut vorstellen, dort ein Windprojekt zu evaluieren», hält Jeanette Schranz vom Energieunternehmen Axpo fest. Auch kleinere Gebiete sind für die in Baden domizilierte Firma interessant. Es gibt jedoch ein Aber: «Die Grundeigentümer müssen Interesse haben, eine Machbarkeitsstudie zu starten.»
Untergrenze bei sechs Gigawattstunden
Für die Axpo ist die ganze Schweiz von Interesse. Die Idee ist, gleich mehrere Projekte in einem Kanton anzugehen. «So können wir Synergien zwischen verschiedenen Projekten nutzen», hält Schranz fest. In den beiden kleinen Gebieten im Oberland seien die Windbedingungen laut dem Windatlas gut.



«Mit den heutigen modernen Windturbinen können wir in den Windeignungsgebieten mit einer Stromproduktion von mindestens 6 Gigawattstunden pro Jahr rechnen», hält die Axpo-Sprecherin fest. Dieser Ertrag entspreche auch der Untergrenze für den Bau einer Windturbine. «In sehr guten Windeignungsgebieten können wir zwischen 12 und 14 Gigawattstunden pro Jahr erwarten.» Die genau zu erwartende Stromproduktion wird auf Basis von Windmessungen berechnet.
Zürich Wind hört auf Bevölkerung
Etwas zurückhaltender gibt sich Zürich Wind. Unter diesem Titel planen die drei Zürcher Energieunternehmen EKZ, EWZ und Stadtwerk Winterthur eine gemeinsame Kooperation zur Nutzung der Windenergie im Kanton. «Zürich Wind entwickelt Windprojekte nur mit Unterstützung der Bevölkerung. Der Rückhalt in der Standortgemeinde und den Nachbargemeinden muss gegeben sein», hält Vivianne Ammann von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich im Namen der Organisation fest.
Bedenken gibt es bei Zürich Wind auch wegen der Kleinheit der beiden Eignungsgebiete. So gilt gemäss Energieverordnung ein Windpark ab einer Jahresproduktion von 20 Gigawattstunden als von nationalem Interesse. «Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Interessensabwägung», betont Ammann. Hinzu komme, dass sich bei Windparks die Investitionskosten pro Anlage verringerten, weil die Zufahrt und die elektrische Erschliessung in der Regel nur einmal gemacht werden müsse.
Die Planungsschritte für einen neuen Windpark sind in der Regel, dass zuerst Windmessungen vorgenommen werden. Dann folgen eine Machbarkeitsstudie sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Abgeschlossen wird das Ganze mit dem Genehmigungsverfahren. Vivianne Ammann betont, dass die Planungskosten sehr projektspezifisch seien und letztlich von zahlreichen Faktoren abhingen.
Rund 12 Millionen Franken pro Windrad
Für den Bau einer Windenergieanlage rechnet Zürich Wind mit Investitionskosten von 11 bis 14 Millionen Franken. Mit 8 bis 12 Millionen Franken pro Anlage liegt die Axpo da etwas tiefer. Kommt hinzu, dass in dieser Summe bereits Abklärungen wie etwa für Windmessungen, eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung, technische Abklärungen wie Transportwege oder Netzableitung enthalten sind.
Und die Axpo-Sprecherin betont: «Ein Teil dieser Investitionen wird durch Aufträge dem Gewerbe der Region zugutekommen.»
Baustart frühestens in zwei Jahren
Bis die Bauarbeiten für einen neuen Windpark im Kanton Zürich von Investoren angepackt werden, braucht es eine rechtskräftige Festsetzung des entsprechenden Eignungsgebiets im Richtplan. «Zürich Wind rechnet damit, dass dies frühestens Ende 2026 der Fall sein wird», meint Ammann.

«Im Idealfall gehen wir ab heute von etwa sieben Jahren aus, bis im Kanton Zürich der erste Windpark steht», rechnet Axpo-Sprecherin Jeanette Schranz vor. Bis vor Kurzem hat der Planungs- und Bewilligungsprozess noch sehr lange gedauert.
Beim neusten Windpark der Schweiz in St. Croix benötigte der gesamte Prozess 23 Jahre – die Bauzeit betrug nur zwei Jahre. «So sind die klima- und energiepolitischen Ziele nicht zu erreichen», meint Schranz. Doch «wichtige aktuelle Verbesserungen in der Gesetzgebung sollten dazu führen, dass es in Zukunft nicht mehr so lange dauert».
