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Gesellschaft

Hittnau macht Theater – wenn die Cevi-Schüür zur Kulisse wird

Mal scheinen sie sich zu versöhnen, dann fliegen wieder die Fetzen: Das neue Stück der Hittnauer Theatergruppe Spot on! lässt keinen kalt.

Bei «Der Gott des Gemetzels» fliegen die Fetzen.

Foto: Karin Sigg

Hittnau macht Theater – wenn die Cevi-Schüür zur Kulisse wird

Spot on!

Die Mitglieder des 2010 in Hittnau gegründeten Theatervereins Spot on! fiebern der Premiere ihres neusten Stücks entgegen. Wir durften einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Zwei Paare sitzen um einen Tisch. Sie nippen an leeren Kaffeetassen und versuchen verkrampft, den Augenkontakt zu vermeiden. Immer wieder stellt jemand eine Aussage in den Raum. Doch das Gespräch will nicht so richtig in Gang kommen.

«Zieht das Schweigen noch etwas in die Länge», fährt Regisseur Paul Koch dazwischen, «die Stimmung soll richtig unangenehm sein – ihr sucht händeringend nach einem Gesprächsthema.»

Die Szene spielt sich auf dem Dachboden der Cevi-Schüür in Pfäffikon ab. Die Mitglieder der Hittnauer Theatergruppe Spot on! stecken mitten in den Proben für ihr neustes Stück.

In «Der Gott des Gemetzels» treffen sich zwei Ehepaare, um einen Streit zwischen ihren Söhnen zu klären. Die zunächst zivilisierte Diskussion eskaliert schnell in einen chaotischen Streit, der die verborgenen Konflikte der Paare offenbart.

Beeindruckende Hauptakteure

Die dunklen Dachbalken symbolisieren die Leinwand. Die Kulisse ist improvisiert aus Harassen, Stühlen, Holzbrettern. Bei der Aufführung werden dann echte Möbel stehen, die ein Sponsor zur Verfügung stellt.

Dennoch: Eine «pompöse» Theatervorführung stellt man sich anders vor. Schnell wird aber klar, dass die Kulisse nebensächlich wird. Denn das wahrhaft Pompöse ist das Schauspiel der Protagonisten. Ein Wechselbad der Gefühle, das sie unterschwellig ins Publikum transportieren.

Die Stimmung verändert sich von der unangenehmen Grundstimmung bis hin zu explosiven Streitgesprächen. Nora Büchi geht in ihrer Rolle als Mutter so auf, dass ihre Wut förmlich greifbar scheint. «Man spürt dein Adrenalin pumpen», bestätigt Paul Koch.

Unterstützung von Regisseur und Souffleuse

Der Regisseur bringt sich immer wieder mit Ratschlägen ein, übernimmt auch mal den Part eines Schauspielers, um zu zeigen, wie er etwas meint. «Ich bin der Spiegel, der den Schauspielern vermittelt, wie ihre Gefühle wirken», beschreibt er seine Aufgabe.

Paul Koch ist in mehreren Theatervereinen als Regisseur tätig, nachdem er jahrelang selbst auf der Bühne gestanden hatte. In die Aufgabe des Regisseurs sei er eher zufällig «reingerutscht». «Manchmal vermisse ich es schon, selbst auf der Bühne zu stehen – doch man kann eben nicht alles gleichzeitig machen.»

Inzwischen ist die Souffleuse, die das Skript vor sich hat und bei Bedarf den Text vorliest, eingetroffen: Martina Meier, seit 2019 Präsidentin des Theatervereins. «Ursprünglich war unser Verein vorwiegend den Hittnauer Jugendlichen vorbehalten», erklärt sie. Inzwischen seien auch Mitglieder aus anderen Gemeinden willkommen.

Auch die Altersgrenze wurde geöffnet. «Wir selbst sind ja auch nicht mehr ganz jugendlich», räumt Vorstandsmitglied Eveline Libiszewski augenzwinkernd ein. «Nachwuchs zu finden ist, wie in fast jedem Verein, nicht ganz leicht.»

Libiszewski hat deshalb gleich eine Schulfreundin überredet, den Verein auszuprobieren. Nora Büchi spielt eine der Mütter in «Der Gott des Gemetzels»: «Es gefällt mir, in Rollen zu schlüpfen und mal jemand ganz Anderes sein zu können.»

Auch Roman Meier hat einen persönlichen Draht zu einem Vereinsmitglied: seine Schwester ist Präsidentin Martina Meier. Roman spielte bereits als Kind gerne im Schultheater mit. Für ihn ist das Theaterspiel ein Ausgleich zu seinen sportlichen Aktivitäten. «Es lehrt uns Disziplin und Eigenwahrnehmung», erzählt er, «durch die steten Rückmeldungen kann man seine Persönlichkeit ziemlich formen.»

Doch auch Quereinsteiger finden ihren Platz im Verein. Moreno Renggli hat sich auf einen Aufruf des Vereins gemeldet, als nach neuen männlichen Mitgliedern gesucht wurde. «Film und Theater haben mich schon immer fasziniert, deshalb brauchte es nicht viel Überzeugungsarbeit, um mich als Mitglied zu gewinnen.»

Man sieht Schauspieler und Regisseur am Proben eines Stücks.
Das aktuelle Ensemble (v,l.): Paul Koch, Roman Meier, Nora Büchi, Moreno Renggli und Eveline Libiszewski.

Der Verein zählt aktuell rund 55 Aktiv- sowie einige Passivmitglieder. Wer nicht auf der Bühne stehen möchte, kann sich anderweitig einbringen, etwa beim Bühnenbau, bei der Kostümgestaltung, der Technik oder beim Service an den Aufführungen.

Individuelle Auswahl der Theaterstücke

Was für ein Stück vorgeführt wird, hängt von den spielfreudigen Mitgliedern ab. Soll ein neues Stück einstudiert werden, können sich Mitglieder melden. Der Regisseur sucht dann Stücke aus, die in etwa der Personenanzahl entsprechen. «In einem Jahr wollte partout kein Mann mitspielen», erklärt Koch. Entsprechend hätte er dann Stücke ausschliesslich für Frauen gesucht.

«In der heutigen Zeit sind vor allem Beziehungsgeschichten mit Tiefgang und subtilem Humor gefragt», erklärt Paul Koch. «Schenkelklopfer von früher wie etwa ‹de Heiri hät es Chalb verchauft› sind beim jüngeren Publikum passé.»

In der Folge unterbreitet der Regisseur dem Vorstand entsprechende Vorschläge. Haben sich alle auf ein Stück geeinigt, geht es an die Besetzung der Rollen.

«Wir versuchen, möglichst vielen Interessenten eine Spielmöglichkeit zu geben, auch neuen Mitgliedern», so Paul Koch. Absagen zu erteilen, falle ihm jeweils schwer.

Im August starten jeweils die Proben. Zweimal wöchentlich, «zusätzlich haben wir zwei Probe-Wochenenden», erklärt Libiszewski. Beim aktuellen Stück ist auch sie mit von der Partie.

Sie beschreibt die kurze, aber intensive Probezeit als verschiedene Phasen: «Zuerst kann man es noch nicht so gut. Dann kann man es einigermassen, möchte aber noch mehr herausholen. Es folgt eine gewisse Leere und schliesslich kann man es so gut, dass man alles verwechselt.»

Ab Oktober werden die Proben vom Dachboden auf die Bühne verlegt. Mit den richtigen Requisiten und Kostümen. Alle vier Schauspieler bestätigen unisono, dass dies ein wichtiger Aspekt sei: «Sobald ich mein Kostüm anziehe, schlüpfe ich definitiv in meine Rolle», sagt Libiszewski.

«Der Gott des Gemetzels», Spot on! Hittnau macht Theater

Im Kirchgemeindehaus Hittnau finden vom 18. Oktober bis 2. November acht Aufführungen von «Der Gott des Gemetzels» statt. Regie führt Paul Koch. Der Eintritt ist frei (Kollekte). Tickets müssen jedoch vorgängig reserviert werden. Dem Publikum stehen verschiedene kulinarische Varianten zur Verfügung, vom Apéro bis zum kleinen Abendessen.

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