Trotz Kritik sind zwei Drittel der Wohnungen im Hagenbüel verkauft
Das ewige Projekt
Gegen die Pläne für die Grossüberbauung in Illnau Hagenbüel hagelte es jahrelang Kritik. Das Projekt ist trotzdem in der Rohbauphase. Und der Verkauf schreitet voran.
Dass ein privates Bauprojekt fast ein Jahrzehnt dauert, ist eigentlich ungewöhnlich. Die Grossüberbauung Hagenbüel in Illnau – oder früher auch bekannt als Hagen Süd-West – ist da wohl eine Ausnahme. Die vier Gebäudekomplexe hatten wegen ihrer Grösse schon 2016 für Schlagzeilen gesorgt.
Doch nach jahrelangen Planungen, Weiterentwicklungen und Anpassungen steht das Projekt nun in der Rohbauphase. Insgesamt 142 Wohnungen, zwischen 2,5 und 5,5 Zimmern, werden gerade erstellt. Zwei Drittel der Wohnungen, die zum Verkauf stehen, sind bereits weg.
Von den vier Gebäudekomplexen, auf denen sich die Wohnungen verteilen, sind zwei für das Stockwerkeigentum reserviert. Die günstigste Wohnung, eine 2,5-Zimmer-Wohnung, kostet 700’000 Franken. Die teuerste ist eine 5,5-Zimmer-Wohnung, die knappe 1,6 Millionen Franken kostet.

Die anderen zwei Gebäudekomplexe werden zu einem Zuhause für Mieterinnen und Mieter. Wie viel die neuen Bewohnerinnen und Bewohner zahlen werden, ist noch nicht bekannt.
Die lange Geschichte des Hagenbüel
Heute weicht das Projekt von den damaligen Plänen ab, denn das Hagenbüel hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon seit acht Jahren plant die Landeigentümerin Fit Planungs AG aus Zollikon das Bauprojekt im Hagenquartier.
2016 wurde die Grösse der ganzen Siedlung von einer Interessensgemeinschaft (IG) kritisiert. Ursprünglich waren 190 Wohnungen in fünfstöckigen Gebäuden geplant.
Die IG hatte sich gegen die fünf Etagen gewehrt und die Petition «Manhagen, nein danke» mit 1200 Unterschriften eingereicht. Das Projekt sei viel zu hoch und werfe einen massiven Schatten auf die umliegenden Gebäude, die höchstens drei Stockwerke hoch wären.
Ausserdem wies es eine zu hohe Baumasse auf, die der Bau- und Zonenordnung (BZO) nicht entsprach. Also wurde das Projekt verkleinert. Ein Entscheid, der der damalige Stadtrat, wie auch diverse Parteien, ebenfalls befürwortete.
Nach intensiven Diskussionen wurde die Anzahl also reduziert – auf 142 Wohnungen. «Aufgrund des grossen Widerstands haben die Politiker ein Entgegenkommen erwartet. Deshalb bauen wir heute deutlich weniger Wohnungen als geplant», sagt John Lucas Minc, Geschäftsführer der Fit Planungs AG.
Der Bau verzögerte sich deswegen so lange. Eigentlich sollte der Bezug bereits 2022 erfolgen, verschob sich jetzt aber auf Frühling 2026.
Zwischen Bauverzögerung und Wohnungsnot
Für Minc ist es selbstverständlich, dass die Interessen der Bevölkerung gewahrt werden müssen. Doch im langjährigen Prozess sieht er ein grosses Problem: die Wohnungsknappheit im Kanton.
«Wie soll diese gelöst werden, wenn jedes grosse Bauprojekt aufgrund von langen Bewilligungsverfahren und Einsprachen zehn Jahre dauert?»

Dass die Bewilligung eines Gestaltungsplans schon mal in die Länge gezogen wird, sei jedem bewusst. Wenn man aber stets mit Dekaden rechnen müsste, um einen Bau zu realisieren, würden auch Investoren das Interesse verlieren.
Zudem hat die Verzögerung eine weitere Konsequenz, die sowohl das Unternehmen als auch die künftigen Bewohnenden betreffen: «Der Bau wird aufgrund der Inflation teurer, was sich zum Teil in höheren Wohnungspreisen niederschlägt», sagt Minc.
Doch auch wenn er und das Projektteam Hindernisse überwinden mussten, bleibt die Freude am Projekt: «Wir haben hier viel Herzblut hineingesteckt.»
Käufer seien aus der Region
Neben der Kritik, dass das enorme Projekt nicht zum Dorfcharakter von Illnau passen würde, hatte die IG damals auch seine Bedenken auf dem Illnauer Wohnungsmarkt angesprochen: Es müssten passende Neuwohnungen entstehen, damit Seniorinnen und Senioren aus ihren Häusern ausziehen und somit Platz für junge Familien machen können. Brauchte es das Hagenbüel vielleicht trotzdem?
Zu den Gründen der Käuferinnen und Käufer, eine Wohnung in der Überbauung zu erwerben, gehören laut Markus Krauer, Geschäftsführer von Krauer Immobilien AG und zuständig für den Verkauf der Liegenschaften, die hohe Qualität, die nicht jedes Bauvorhaben mitbringe, sowie die zentrale Lage mit Wiesen und Wäldern rundherum.
«Die meisten Käufer sind aus der Region selbst, und manche geben ihre eigenen Häuser in andere Hände», sagt der Makler.
