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Für jeden Geschmack gibt es ein Alkoholfreies aus der Region

Gerstensaft ohne Volumenprozente liegt im Trend. Biersommelier Danilo Plüss testet die Kreationen der Zürcher Brauereien.

Stufe 2 einer Bierdegustation: Nach dem optischen Eindruck prüft der Bülacher Sommelier Danilo Plüss die Duftnoten, die sich im Bierglas entfalten.

Foto: Sibylle Meier

Für jeden Geschmack gibt es ein Alkoholfreies aus der Region

Unbeschwerter Biergenuss

Gerstensaft ohne Volumenprozente liegt landesweit im Trend. Brauereien im Kanton stillen den neuen Durst darauf. Biersommelier Danilo Plüss testete ihre Produkte.

Peter Weiss

Seit dem Anstich am Samstag kursieren sie wieder: die Schlagzeilen über hochgradig alkoholisierte Gäste am Münchner Oktoberfest. Auch an den Zürcher Nachahmeranlässen des grössten Bierfests der Welt wird in den kommenden Tagen und Wochen Bierseligkeit in Massen zelebriert.

Doch abseits der alkoholgeschwängerten Herbstfestivitäten fliesst seit Jahren immer mehr des süffigen Safts aus Wasser, Malz, Hopfen und Gerste in der gesundheitsverträglicheren Variante in die Kehlen der Bierfans.

Gemessen am gesamten Schweizer Biermarkt, wuchs der Anteil der alkoholfreien Varianten im Jahresvergleich um 0,3 auf beachtliche 6,1 Prozent. 2010 hatte er gerade einmal 2,3 Prozent betragen. Der Verband erklärt den Anstieg mit veränderten Lebensgewohnheiten und einem breiteren Angebot – welches die Nachfrage nicht nur zu befriedigen, sondern weiter anzukurbeln scheint.

Auch die Brauereien im Kanton Zürich haben den Trend erkannt. So brachten kleinere Betriebe wie die Hardwald-Brauerei aus Wallisellen, die Brauerei Uster oder die Winterthurer Brauerei Stadtguet im Vorjahr erstmals ein alkoholfreies Bier heraus. Die Winterthurer Chopfab Boxer, die mittlerweile zu den grösseren Anbietern im Land zählen, lancierten im März 2024 mit ihrem «Freibier» bereits ihre zweite alkoholfreie Sorte.

Was zeichnet die Neulinge aus? Können sie trotz ihrem tiefen Alkoholgehalt auch geschmacklich überzeugen? Der Bülacher Biersommelier Danilo Plüss hat sie gemeinsam mit drei schon länger erhältlichen alkoholfreien Bieren aus dem Kanton getestet. Was der Fachmann von ihnen hält, lesen Sie hier.


Hardwald-Bier alkoholfrei, Wallisellen

Eine Flasche und ein Glas.
Seit Frühling 2023 auf dem Markt: das alkoholfreie Bier aus Wallisellen.

«Beim Blick ins Glas fallen die leicht trübe und zitronengelbe Farbe und der relativ feine Schaum auf. Beides ist recht typisch für ein alkoholfreies Bier. Die Nase nimmt einen süsslichen Geruch wahr. Grob vereinfacht, gibt es ja zwei Arten, alkoholfreies Bier zu brauen.

Entweder man lässt die Hefe fertig arbeiten. Das heisst: Man lässt die Vergärung des Suds bis zu einem Alkoholgehalt von 4,2 bis 4,8 Prozent zu und entzieht dem Bier danach durch ein technisches Verfahren den Alkohol. Oder man sorgt dafür, dass bei der Gärung bei 0,5 Prozent Alkohol abgebrochen wird. Dies entspricht der Obergrenze für alkoholfreies Bier.

Hier wurde mit Sicherheit das zweite Verfahren angewendet. (Anmerkung des Autors: Laut Angaben des Herstellers kommt hier eine speziell gezüchtete Hefe zum Einsatz, die von sich aus im Gärprozess nur wenig Alkohol entstehen lässt.) Dieses Bier schmeckt leicht bitter auf der Zunge und eher flach. Das heisst: Im Abgang bleibt die bittere Note nur leicht spürbar. Ausserdem hat es vergleichsweise wenig Kohlensäure. Man sollte es kalt und frisch trinken. Es passt sehr gut zu scharfen oder süsssauren Speisen.»


Usterbräu alkoholfrei, Uster

Eine Flasche und ein Glas.
Gewann heuer schon eine Medaille: das Alkoholfreie aus Uster.

«Bei diesem noch recht neuen alkoholfreien Bier gefällt mir die Mahagonifarbe schon mal sehr gut. Sie lässt auf einen hohen Malzgehalt schliessen. Der Geruch erinnert an ein Amber. Beim Trinken spüre ich aber viel Hopfen heraus, aber trotzdem nicht zu viele Bitterstoffe. So schmeckt es ganz leicht und angenehm, mit einer erfrischenden Säure. Im Abgang kommt ein bisschen Bitterkeit zum Vorschein – ganz, wie ein Bier schmecken sollte. Natürlich ist das aber sehr individuell und zu 100 Prozent Geschmackssache! Dieses Bier passt wunderbar zu einem mediterranen Apéro-Plättli mit Salami und Rohschinken, zum Beispiel.»


Stadtguet alkoholfrei, Winterthur

Eine Flasche und ein Glas.
Seit Herbst 2023 am Start: die alkoholfreie Sorte der Winterthurer Brauerei Stadtguet.

«Hier sehen wir ein trübes, zitronengelbes Bier mit einem ganz weissen Schaum. Mit der Nase nehme ich, wie aufgrund des Aussehens vermutet, viel Hopfen wahr – ein gutes Zeichen für ein geschmackvolles Bier. Im Mund kommt es aber weniger zitronenhaltig daher, insgesamt eher neutral.

Es hat auch fast keine Bitterstoffe. So ist es auf jeden Fall süffig und leicht trinkbar – am nächsten Morgen hat man bestimmt keine Magenbeschwerden, selbst wenn man viel davon getrunken hat. Zum Apéro, etwa im Garten oder auf einem Bänkli, passt es hervorragend.»

Eine Flasche und ein Glas.
Das Kooperationsprodukt: Die Winterthurer Brauerei Stadtguet braut für die Hombrechtiker Seebueb-Brauerei neuerdings das Vollgas-Bier.

Eine Anmerkung des Autors: Seit Frühjahr 2024 fliesst diese Mischung mit derselben Rezeptur aus dem Winterthurer Industriequartier Grüze an die Zürcher Goldküste – die Stadtguet-Crew produziert ihr Alkoholfreies auch für Seebueb. Die Brauerei aus Hombrechtikon vertreibt es unter dem Namen Vollgas.


St. Laurentius Clear your Mind, Bülach

Eine Flasche und ein Glas.
Für den Biersommelier ein typisches Apéro-Bier: das alkoholfreie IPA der Bülacher Brauerei St. Laurentius.

«Dieses Bier hat ein deutlich dunkleres Gelb, was wahrscheinlich durch einen hohen Hopfenanteil zustande kommt. Der Geruch erinnert leicht an Limettensäure, wie frisch gemähtes Gras im Morgentau. Im Antrunk nehme ich relativ viel Kohlensäure wahr und eine angenehme Hopfen-Bitternote. Sie wirkt nur kurz nach, was für alkoholfreie Biere aber auch normal ist: Alkohol ist eben ein wichtiger Geschmacksträger.

Nichtsdestotrotz ist das für mich ein sehr gutes Bier, das sich auch für ein Mixgetränk eignet. Und ein typisches Apéro-Bier: Etwa zu Oliven und anderen salzigen Speisen kann ich es mir sehr gut vorstellen, zu einem Tomaten-Mozzarella-Salat oder auch zu einem Forellenfilet mit Zitronenmayonnaise.»


Chopfab Bleifrei, Winterthur

Eine Flasche und ein Glas.
Das Alkoholfreie im Pale-Ale-Stil: Chopfab Bleifrei.

«Den Namen finde ich persönlich nicht besonders phantasievoll, dafür gefällt mir die Farbe umso mehr. Sie ist eher dunkel und trüb, wie bei einem Pale Ale, und stammt von einem speziellen Aromahopfen. Der Schaum ist eher grobporig, was bedeutet: Er fällt rasch in sich zusammen. In der Nase spüre ich den fruchtigen Hopfengeschmack stark heraus – stärker als beim Trinken. Eine ganz leichte Restsüsse und eine leicht malzige Note sind hier aber wahrnehmbar, auch das Bittere bleibt lange auf der Zunge.»


Chopfab Freibier, Winterthur

Eine Flasche und ein Glas.
Der Neuling im Feld: das seit rund einem halben Jahr erhältliche Freibier der Winterthurer Brauerei Chopfab Boxer.

«Im Vergleich mit dem Markengefährten ist das – erst im Frühjahr 2024 lancierte – Freibier klar auf der hellen, zitronengelben Seite des Farbspektrums daheim. Auch geruchsmässig kommt die Zitrone stark zum Vorschein. Im Mund spüre ich davon zwar weniger, aber insgesamt schmeckt dieses Bier sehr frisch. Im Antrunk nehme ich etwas Säure wahr, die aber rasch wieder verschwindet. Das macht es zu einem regelrechten Durstlöscher – gerade nach dem Sport dürfte es sehr angenehm die Kehle hinunterlaufen.»


Euel Bräu alkoholfrei, Winterthur

Eine Flasche und ein Bier.
Alkoholfrei und aus Biozutaten gebraut: das Euel Bräu aus Winterthur.

«Auch bei diesem Biobier – dem einzigen im Test – sehen wir die typische zitronengelbe Farbe. Und einen grobporigen Schaum. Der Geruch ist ganz spannend: Es schmeckt nach Spargel, der gerade frisch aus der Erde gezogen wurde. Das ist sehr vielversprechend. Im Mund spüre ich davon aber nichts, auch keine Bitterstoffe und nur wenig Kohlensäure, dafür viel Restsüsse. Für mich persönlich zu viel – aber auch das ist, wie gesagt, Geschmackssache! Es ist sicherlich gut bekömmlich. Und es passt gut zu einem Dessert, zum Beispiel zu Öpfelchüechli.»


Das Fazit

«Diese Degustation steht beispielhaft dafür, wie viel sich im Bereich der alkoholfreien Biere getan hat in den letzten Jahren. Die steigende Nachfrage hat offensichtlich auch die lokalen Brauereien inspiriert, in diesem Bereich zu experimentieren. Fünf der sieben hier vorgestellten Zürcher Biere sind erst 2023 oder 2024 auf den Markt gekommen. Damit ist im Kanton eine bemerkenswerte Vielfalt entstanden. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.»

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