Für die Fahrt nach Zürich braucht es nun eine Bewilligung
Kontrollen wegen Rad-WM
Wegen der Strassenrennen ist ein Grossteil Zürichs und angrenzender Gemeinden bis zum Sonntag tagsüber abgeschnitten. An der einzigen Zugangsstrasse kontrolliert die Polizei – mit Kulanz.
Seit dem frühen Mittwochmorgen gibt es am rechten Seeufer für den motorisierten Verkehr nur noch ein Einfallstor in die Stadt Zürich hinein: die Kreuzung Zumikon/Itschnach. Es ist jener Ort, wo die Forchautostrasse A52 aufhört und die Forchstrasse Richtung Stadelhofen beginnt.
Über ein Dutzend Kantonspolizistinnen und -polizisten stehen hier seit 6.30 Uhr im Einsatz. Ihr Blick richtet sich auf die Windschutzscheiben der Fahrzeuge, die nach Zürich wollen. Wer online eine Zufahrtsbewilligung beantragt und den A4-Zettel unter die Scheibe gelegt hat, wird durchgewinkt.

Viele aber sind ahnungslos, wie vor Ort zu beobachten ist. Eine Bewilligung, um ins Stadtzentrum zu fahren, haben sie nicht. Sie müssen sich deshalb auf der rechten Fahrspur einreihen. Auto für Auto wird angehalten. Die Scheiben gehen runter. «Wo müssen Sie hin?», will die Polizei von den Lenkerinnen und Lenkern wissen.
Immer wieder erklären
Der Verkehr stockt und staut sich phasenweise über rund einen Kilometer. Doch gehässig wirkt die Stimmung nicht. Dafür sorgen auch die Polizistinnen und Polizisten selber. «Wir sind in erster Linie hier, um den Leuten zu helfen und ihnen zu erklären, ob und wie sie am besten an ihr Ziel kommen», sagt Kapo-Mediensprecher Roger Bonetti. Auch bei vielen, die keine Bewilligung hätten, zeige man sich kulant.

Der Kontrollposten in Zumikon bleibt nun bis zum Ende der Rad-WM am nächsten Sonntag bestehen. So lange dauern die Strassenrennen, die zu einem Grossteil auf dem sogenannten City Circuit stattfinden. Dieser Rundkurs führt durch die Innenstadt, den Zürichberg, Witikon, Zumikon, Küsnacht und den See entlang zum Sechseläutenplatz.
Alles, was innerhalb dieses Rundkurses liegt, erreichen Töff- und Autofahrende nur via den Kontrollposten an der Forchautostrasse. Zumindest tagsüber. Abends (circa ab 17 Uhr) und nachts sind die Sperrungen aufgehoben.

«Ein Riesenaufstand wegen dieser Rad-WM», sagt ein Schreiner in seinem Lieferwagen sitzend bei der Kontrolle an diesem Mittwochmorgen. Doch auch er zeigt sich erstaunlich gelassen. «Die Polizei macht es gut», fügt er lächelnd an. «Nun muss ich halt herumkurven.»
In vielen Fällen bedeutet Herumkurven einen gewaltigen Umweg. Zum Beispiel für eine Autofahrerin, die zum Unispital muss. Es liegt auf der anderen Seite des City Circuit. Ihr empfiehlt ein Polizist, via Uster, Oberlandautobahn und Zürich-Nord anzureisen. «Ja, ich weiss, es ist ein Umweg», sagt der Polizist, «tut mir leid.»
20’000 Bewilligungen
Informationen zu den Sperrungen erhält man unter anderem auf der Website der Rad-WM (zurich2024.com/verkehr). «Wir empfehlen, diese Dienstleistung zu nutzen», sagt Kapo-Mediensprecher Roger Bonetti. «Und natürlich lohnt es sich, sich selber zu fragen, ob man in diesen Tagen zwingend mit dem Auto nach Zürich muss.» Auch mit der online beantragbaren Zufahrtsbewilligung hätten die Behörden bezwecken wollen, dass sich die Leute proaktiv mit den Verkehrseinschränkungen auseinandersetzten, erklärt Bonetti.
Allein auf der Website des Kantons haben sich rund 20’000 Personen eine Bewilligung ausstellen lassen (Stand Mittwochmorgen). Auch bei Gemeinden, mehreren Firmen und Spitälern sind die Bewilligungen erhältlich.
