Rad-WM sorgt für grossen Besucherandrang in Gossau
Grossanlass im Oberland
Während dreier Tage stand Gossau als Startort der Rad-Weltmeisterschaften im Fokus. Der Grossevent lockte viele Interessierte an, sorgte aber auch für Kritik.
Im beschaulichen Gossau ist in diesen Tagen viel los. Hunderte Menschen verteilen sich auch am Montagnachmittag hinter den Absperrungen bei der Laufenbachstrasse. Sie warten auf Parasportler und U23-Radprofis, die von der Oberländer Gemeinde aus ins Rennen der Rad-Weltmeisterschaften starten. Gleich drei Tage hintereinander verwandelte sich das Gossauer Zentrum so zum Publikumsmagneten.
Wenige Meter hinter der Startlinie sind die Vorbereitungen an diesem Vormittag bereits in vollem Gange. Eine Gruppe von Männern steht dort um zwei Motorräder und werkt daran herum. Sie sind Teil des Motorrad- und Kamerateams, das für mehrere Stunden die Bilder für die Liveübertragung im Fernsehen einfängt. «Gut 350 Millionen Menschen werden heute diese Aufnahmen sehen», bemerkt einer aus der Crew.
Mit zwei Motorrädern folgen sie leicht versetzt den Elitesportlern, damit der Kameramann spektakuläre Bilder aufnehmen kann. Dieser sitzt oder steht während des gesamten Rennens hinter dem Motorradfahrer. Dabei müssen sie sich gut absprechen, damit sie den Töff stets unter Kontrolle halten können.
Um die Ausrüstung vor der Witterung zu schützen, haben die Crews die Kameras kurzerhand in Frischhaltefolie eingewickelt. Auf den vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Regenschutz verzichten sie. «Mit dem Wind macht sich die Frischhaltefolie einfach besser», erklärt der Kameramann Martin Bäbler.
Nun bleibt die Kamera nicht nur trocken. Der Bildschirm ist durch den selbst gebastelten Witterungsschutz auch sichtbar, und die Konstruktion kommt erst noch aerodynamisch daher.
Des einen Freud
Neben der Strecke versammeln sich unterdessen – kurz vor 12 Uhr – immer mehr Menschen. In der Masse sind viele junge Gesichter auszumachen, so auch drei Jugendliche aus Gossau. Ganz zur Freude der 12- bis 14-Jährigen müssen sie nicht in die Schule. Denn die Gemeinde hat den Betrieb wegen der Rad-WM eingestellt. Obwohl sich die Jugendlichen nicht als die grössten Velofans bezeichnen, verfolgen sie gerne das Geschehen vom Strassenrand aus mit.
Neben der Rennstrecke stehen gleich mehrere Zelte und Essensstände, welche die Menschen zum Konsumieren anlocken. Schon am Wochenende herrschte hier viel Betrieb. Und auch an diesem Montag machen es sich vor dem Rennstart die ersten Gäste gemütlich.
Eine Gruppe aus vier Männern, die sich teils noch von der Schulzeit her kennen, hat sich einen Platz mit Sicht auf einen grossen LED-Bildschirm gesichert. Dort können sie die Sportler per Fernsehübertragung mitverfolgen. Die Gossauer finden jedoch mehr Gefallen am gemütlichen Zusammensein als an der Rad-WM.
Des anderen Leid
Doch nicht alle können der Veranstaltung in Gossau etwas abgewinnen. Zwei Senioren, die in einem Café sitzen, empfinden den Grossevent als unverhältnismässig aufgeblasen. «Es ist wirklich unsinnig. Jeder Rennfahrer wird noch von einem Töff und einem Auto begleitet, was umwelttechnisch absurd ist.» Die beiden Rentner wohnen erst seit Kurzem in Gossau und hätten auf die Grossveranstaltung in der Gemeinde gut verzichten können.
Mehrere Menschen beklagen sich zudem über die Einschränkungen des öffentlichen Verkehrs. Denn gleich mehrere Bushaltestellen in Gossau wurden von Samstag bis Montag nicht bedient – ganz zum Ärger von einigen Anwohnenden.
Nicht alle profitieren
Nichtsdestotrotz finden sich viele Gossauer rund um die Rennstrecke des Radspektakels ein. Und wo sich viele Menschen ansammeln, wird auch viel konsumiert.
Das bestätigen zwei Hittnauer, die an der Rad-WM einen Kaffeewagen betreiben. «Die Leute haben entweder vor oder nach dem Essen bei uns einen Kaffee genossen», sagt Thomas Bhend. Geschätzt haben sie am Sonntag gut 250 Kaffees verkauft.
Auf der anderen Seite der Rennstrecke betreibt Skelkim Budzaku das Ristorante Pizzeria Amare. Wie er sagt, konnte auch er von der Laufkundschaft profitieren. «Wir haben ungefähr einen Viertel mehr Gäste als sonst bedient.»
Ein anderes Bild zeichnet die angrenzende Bäckerei-Konditorei Peter. Sie muss auf Kunden verzichten, da ihre Kundschaft vorzugsweise mit dem Auto anreist. Doch während der Rad-WM können diese nicht in der Umgebung parkieren.
Trotzdem kann das Team dem Sportanlass etwas Gutes abgewinnen. «Jetzt läuft dafür mal was in Gossau. Es hat sogar mehr Leute als bei der Gossauer Chilbi», kommentiert eine Angestellte. «Wir freuen uns, dass hier mal was los ist.»