Diese Tipps haben Jugendliche aus dem Tösstal für die Berufswahl
Berufswahlparcours
Am Berufswahlparcours können Jugendliche in die unterschiedlichsten Berufsfelder eintauchen. An der Veranstaltung im Eichhaldesaal erzählten sie von ihren Erlebnissen.
«Leben heisst wählen»: Der Leiter der Sekundarschule Wila, Roman Gut, verkündete diese Lebensweisheit an der Abendveranstaltung des Berufswahlparcours. Sie war aber nicht als Aufforderung zum Urnengang gemeint.
Die Aussage sollte vielmehr die Vielfältigkeit der verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen, die sich Jugendlichen in ihrer Berufswahl bietet. Im Wilemer Eichhaldesaal herrschte am Donnerstagabend ein Tohuwabohu. Es wurden Kuchen gebracht, Grossmütter umarmt, kleine Brüder herumgetragen. Die freudige Erregung und die Neugier der Jugendlichen waren förmlich greifbar.
Traditionell konnten die Schüler der zweiten Sekundarstufe aus Wila, Wildberg und Turbenthal tagsüber in diversen Betrieben der Region zum ersten Mal in verschiedene Berufe reinschnuppern. Zur Abendveranstaltung waren dann Eltern, Angehörige und auch das lokale Gewerbe eingeladen.
Die beiden Leiter der Sekundarschulen Wila und Turbenthal-Wildberg, Roman Gut und Philipp Hänel, führten durch den Abend. «Dieser Anlass wird getragen durch die Tradition und das Vertrauen des umliegenden Gewerbes», zeigte sich Gut beeindruckt.

Seit 24 Jahren wird dieser Tag im Tösstal organisiert. Hänel war vor zwölf Jahren zum ersten Mal dabei: «Ein spezieller Dank geht an alle, die sich so stark für unsere Jugendlichen einsetzen und sie ‹draussen› in die Berufswelt eintauchen lassen.» Früher habe man Berufe lediglich aus dem Katalog gekannt.
Tag Revue passieren lassen
Eine kurze Fotoslideshow gab einen Einblick in den Schnuppertag. Die Schüler konnten in die unterschiedlichsten Berufsfelder eintauchen, von der Apotheke über die Grossküche, den Coiffeursalon bis in den Blumenladen oder ins Büro.
Zwei Buben und zwei Mädchen durften ihre Erfahrungen dann auf der Bühne mit den knapp 200 Anwesenden teilen. Im Anschluss an ihren Auftritt waren sich alle vier einig: «Es war cool, allen zu erzählen, was wir beim Schnuppern erlebt haben», sagte Malick. Oder wie Amélie es ausdrückte: «Auf diese Weise konnten wir unsere persönlichen Highlights des Tages gleich nochmals durchgehen.»
Danilo schnupperte in die Berufsbilder des Forstwarts und des Fleischfachmanns. Letzterer hatte es ihm mehr angetan: «Am meisten Spass hat mir das Zubereiten von Cervelats gemacht. Das ist eine Arbeit, die schnell geht, und dabei duftet es so fein. Natürlich muss man die Würste schon probieren, bevor man sie den Leuten verkauft.» Er werde sicher eine vertiefte Schnupperlehre als Fleischfachmann machen. Was er an diesem Tag gelernt hat? «Viel nachfragen und freundlich sein!»
Malick machte einen Ausflug in die Welt des Milchtechnologen und in die des Kaufmanns. Zwar wisse er jetzt besser, was ein Milchtechnologe mache: «Die Milch ist hier nicht das Endprodukt, sondern Joghurt und Käse.» Allerdings sei dieser Besuch nicht so gut organisiert gewesen und etwas chaotisch verlaufen. «Beim Kaufmann habe ich dann mehr in den Beruf reingesehen.» Vor allem die Buchhaltung habe ihn interessiert, «sie ist sehr wichtig fürs Leben». Seinen Mitschülern rät er, nicht einfach die nächstbeste (Schnupper-)Lehrstelle zu besuchen, «wählt unbedingt einen Beruf, der euch gefällt».
Für Amélie ging es zu einem Polymechaniker und ins Büro. «Wir durften zuschauen, wie Teile aus Metall hergestellt wurden. Diese werden benötigt, um einen Töff zusammenzubauen.» Zwar habe ihr das Spass gemacht, allerdings könne sie sich nicht vorstellen, diesen Beruf selbst zu erlernen: «Ich würde lieber handwerklich arbeiten als mit so vielen Maschinen.» In einer Immobilienfirma durfte sie dann selber Arbeiten auf dem Computer ausprobieren. «Das war cool – ich werde sicher eine KV-Schnupperlehre machen!» Was sie aus dem Berufswahlparcours mitnimmt: «Es ist wichtig, in möglichst viele Betriebe zu schnuppern, auch wenn man sich nicht so stark für einen Beruf interessiert.» So könne man wertvolle Erfahrungen sammeln.
Auch für Jàzmin ging es ins Büro, ausserdem nahm sie einen Einblick in die Welt der Fachfrau Betreuung. «Das KV fand ich mega – obwohl es manchmal ‹bizli› kompliziert war am PC.» Sie habe noch nicht alle Erklärungen für diese Arbeiten verstanden. Den Beruf der Fachfrau Betreuung findet sie kreativ und schön, «es braucht einfach sehr viel Geduld, wenn man mit kleinen Kindern arbeitet». Im Endeffekt habe sie das KV dann doch mehr angesprochen. Ihr Tipp für andere Jugendliche, die vor der ersten Schnuppererfahrung stehen: «Geht nicht dort schnuppern, wo eure Kollegen hingehen – entscheidet euch für etwas, das euch persönlich anspricht.»
Philipp Hänel, Leiter der Sekundarschule Turbenthal-Wildberg, moderierte die Erfahrungsberichte der Schüler mit Witz und Einfühlungsvermögen. Die vier Jugendlichen wirkten souverän bei ihren Auftritten, auf die sie sich im Vorfeld vorbereiten konnten.
Gemäss Malick hatten sie dennoch etwas improvisieren müssen. «Die Fragen waren teilweise anders, als wir sie vorher bekommen hatten», sagte Jàzmin. Dass sie auch diese Herausforderungen mit Bravour meisterten, zeigte der tosende Beifall nach jedem Auftritt.
Neben Erläuterungen zum Bewerbungsprozess der beiden Schulleiter stiess vor allem das Podiumsgespräch auf grossen Zuspruch. Manuel Fischer, ein Freund des Schulleiters Roman Gut, erzählte vom steinigen Weg auf seinem beruflichen Werdegang. Von der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfung, die er mit 40 Jahren schliesslich nachholte, bis zu seinem heutigen Beruf als Bauleiter.
«Sich selber treu bleiben und zu sich stehen», so lautete die Quintessenz, die er den Jugendlichen mit auf den Weg gab. Ausserdem riet auch er, einen Beruf zu wählen, der die Schüler zumindest für die Dauer der Ausbildung interessieren könnte. «Nach der Abschlussprüfung ist alles möglich – auch wenn ihr danach einen anderen Weg einschlagt.»