Das Café Luus Muus in Egg schliesst – und denkt doch nicht ans Aufhören
Ein schweres Ende
Nach sieben Jahren verlässt das Café Luus Muus seinen Standort beim Chilbiplatz in Egg. Auch nach zwei Rettungsversuchen konnte die breite Unterstützung der Bevölkerung nichts daran ändern.
Nadia Mills sitzt mit einem Cappuccino in ihrem Café Luus Muus in Egg. Immer wieder unterbricht sie das Gespräch. Sie ist den Tränen nahe. Das Familiencafé, welches sie vor sieben Jahren ins Leben rief, muss diesen Sonntag seine Türen schliessen. «Wir organisieren bereits die Schliessung und hoffen gleichzeitig auf ein Wunder», erzählt die 40-Jährige.
Im Zentrum der Gemeinde hat sie ihr Herzensprojekt umgesetzt: ein Café und eine Spielgruppe. Das Café ist auf Familien mit Kindern ausgelegt. Mit «Luus Muus» verbindet die Unternehmerin persönliche Erinnerungen. «Ich habe hier meine Kinder grossgezogen.»
Das Café und die Spielgruppe
Unter dem Namen Luus Muus betreibt Nadia Mills ein Café wie auch eine Spielgruppe. Während das Café auf den Besuch von Familien ausgerichtet ist, fokussiert sich die Spielgruppe auf die Betreuung von maximal 12 Kindern pro Tag im Alter von zwei bis vier Jahren. Zwei Lehrerinnen sprechen mit den Kindern Englisch und Deutsch.
Mills ist Mutter von zwei Töchtern, einer Stieftochter und einem Sohn. Letzterer ist an diesem Dienstagnachmittag auch im Café. Der dreijährige Shane sucht mit Nutella-verschmierten Mundwinkeln die Aufmerksamkeit seiner Mutter.
Familienzeit im Café
Am anderen Ende des Cafés können sich Kinder in einer Spielecke austoben, während Mama und Papa an einem Tisch Kaffee und Dessert verspeisen.
Aus der Umgebung sucht auch Armanda Gojani einmal in der Woche das Café auf. Ihr etwas schüchterner dreijähriger Sohn fühlt sich hier besonders wohl.
Einen Tisch weiter sitzt Familienvater Antonio Colonna. Während er an seinem Laptop arbeitet, spielen seine Tochter und seine Frau draussen miteinander. Sie fahren regelmässig von Stäfa nach Egg, um ihre Zeit im Café Luus Muus zu verbringen.
Die happigen Sommermonate
Das Café hat sich in der Region etabliert, das Angebot ist vielen bekannt. An den Wochenenden bietet das Café Brunchs an, die bereits Wochen im Voraus ausgebucht sind.
Das zeigt sich auch im Umsatz; bei gut zehn von zwölf Monaten stimmen die Zahlen. «Das Hauptproblem sind jedoch die zwei Monate während der Sommerferien», erzählt Mills.
In dieser Zeit seien viele Familien in den Ferien oder in den Badis, dem Café fehlen dann die Besucher. Das Defizit muss der Betrieb mit den restlichen Monaten ausgleichen, doch die Rechnung geht nicht auf.
Der Grossteil des Gelds verschwindet zudem in der Miete, für Mills ist sie schlichtweg nicht mehr tragbar. Mit dem Vermieter führte sie deshalb Gespräche, doch auf eine Mietreduktion liess er sich nicht ein.
Die Unternehmerin zeigt Verständnis: «Der Vermieter ist kein böser Mensch, er handelt rechtens, und wir fechten diesen Entscheid auch nicht an.» In der Corona-Pandemie hat der Vermieter die Betreiberin des Cafés zudem unterstützt, was sie ihm hoch anrechnet.
Der zweite Hilferuf
Mills wurde schliesslich bei der Gemeinde vorstellig. Sie erhoffte sich, dass der Gemeinderat das Café mit einer Leistungsvereinbarung oder ähnlichen Mitteln unterstützt. Dieser zeigte ihr jedoch die kalte Schulter.
«Der Gemeinderat wird dem Café nicht helfen können, da es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handelt», erklärt der Gemeindeschreiber Tobias Zerobin. Auch diese Entscheidung kann die Inhaberin nachvollziehen, trauert jedoch trotzdem.
Als die Nachricht Stephanie Gautier erreicht, kann sie die Entscheidung nicht einfach so hinnehmen. Gautier ist Mutter einer Tochter, die bei «Luus Muus» in die Spielgruppe geht, sowie Kundin im Café.
Tausende Unterschriften gesammelt
Der nächste Rettungsversuch startet sie gemeinsam mit anderen Müttern vor einer Woche mit der Lancierung einer Petition. «Wir wollten damit zeigen, wie viel Wert der Ort für Egg und die umliegenden Gemeinden hat», betont Gautier.
Die Petition nimmt schnell Fahrt auf. Nach nur vier Tagen kommen gut 3500 Unterschriften zusammen. Beinahe 800 Unterzeichnende stammen aus Egg. Zum Vergleich: Die Gemeinde beherbergt gut 9000 Einwohner. Mills ist von der Aktion gerührt: «Ich lag im Bett und fragte mich, wie ich das nur verdient habe.»
Am Montag erreicht die Petition schliesslich den Gemeinderat. Doch auch mit diesem Versuch beissen die Unterstützer des Cafés Luus Muus auf Granit. «Wir müssen alle Unternehmen gleich behandeln», sagt der Gemeindeschreiber.
Zudem bestand nie eine Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Café, weshalb eine Unterstützung nicht infrage käme. Dass sie sich nun in finanzieller Schieflage befänden, ändere nichts an der Situation.
Der Gemeinderat anerkennt jedoch den Wert des Cafés fürs Quartier, wie Tobias Zenobin beteuert. «Es ist schade, dass das Café schliessen muss. Dieses hat zur Belebung des Chilbiplatzes beigetragen.»
Schon bald fertig und doch kein Ende
Bis Sonntag um 17 Uhr betreibt die Inhaberin jedenfalls das Café und die Spielgruppe, bevor dann der letzte Kaffee über die Theke geht. «Ich habe dieses Geschäft mit meiner Familie eröffnet und schliesse es nun mit Arbeitskollegen und Freunden, die mir ans Herz gewachsen sind.» Mittlerweile arbeiten gut 15 Personen für Mills.
Doch aufgeben will die 40-Jährige noch lange nicht. Zurzeit ist sie auf der Suche nach einer neuen Lokalität, diese soll sich in der Umgebung befinden. Für die Spielgruppe hat die Unternehmerin eine temporäre Unterkunft gefunden.
Nun laufen erste Gespräche für einen definitiven Standort, spruchreif ist jedoch noch nichts. Das Inventar des Cafés lagert Mills in der Zwischenzeit ein, bis dann vielleicht wieder an einem Schaufenster der Schriftzug Café Luus Muus steht.