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Darum kostet der Strom in Wetzikon am meisten

Die Wetziker Strompreise sind die höchsten im Kanton - auch im nächsten Jahr. Stadtrat Heinrich Vettiger erklärt, weshalb die Stadt so viel für Strom zahlt.

Gemeinden, die sich auf eigene Stromlösungen verlassen, zahlen im Normalfall mehr als diejenigen, welche an die EKZ angeschlossen sind.

Foto: EKZ

Darum kostet der Strom in Wetzikon am meisten

Stadtrat erklärt

Trotz einer Senkung von durchschnittlich 8 Prozent ist Wetzikon mit einem Strompreis von 36,04 Rappen pro Kilowattstunde kantonaler Spitzenreiter. Stadtrat Vettiger erklärt, weshalb.

Seit vergangenem Donnerstag sind die Strompreise bekannt. Was auffällt: Wetzikon wird im nächsten Jahr, trotz einer Senkung von durchschnittlich 8 Prozent, erneut kantonaler Spitzenreiter sein.

Mit 36,04 Rappen pro Kilowattstunde liegt die Stadt beispielsweise fast 9 Rappen über den Gemeinden, die sich von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) versorgen lassen.

Vergleichbare Energiekosten

Der zuständige Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) erklärt, weshalb Wetzikon auch 2025 den höchsten Strompreis im Kanton verlangt. Er ist als Stadtrat für das Ressort Tiefbau, Umwelt und Energie verantwortlich – und damit massgeblich in Entscheidungen der Stadtwerke Wetzikon involviert.

«Wetzikon hat vergleichbare Energiekosten wie die Nachbargemeinden», sagt Vettiger. Es sind im Wesentlichen die Netzkosten, welche im Vergleich mit den Nachbargemeinden den Preisunterschied ausmachen.

Die Energiekosten für das Jahr 2025 sinken in Wetzikon eigentlich um rund 16 Prozent. Rechnet man die Netzkosten und Abgaben dazu, kommt man auf eine durchschnittliche Senkung von 8 Prozent im Vergleich zum aktuellen Jahr.

Ausbau für die Zukunft

«Die Netzkosten sind in Wetzikon höher, weil wir in den letzten Jahren viel in den Ausbau und die Erneuerung des Stromnetzes investiert haben, um für die Zukunft gewappnet zu sein», erläutert Vettiger.

Damit könne man die durch Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und E-Ladestationen bedingte Belastung des Netzes abdecken. «Die Belastung wird weiterhin zunehmen». Vettiger ist überzeugt: «Diese Investitionen werden sich für die Zukunft lohnen.»

Die jährlichen Preise würden jeweils bis Ende August der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) eingereicht, welche diese prüfe. «Wetzikon orientiert sich an den regulatorischen Vorgaben, welche den Gewinn pro Zähler deckeln, und wir liegen innerhalb dieses Bands», erklärt Vettiger.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Gemeinden sind frei in der Entscheidung, woher sie ihren Strom beziehen. Anstatt sich den EKZ anzuschliessen, können sie auch eigene Lösungen zur Stromversorgung unterhalten: So machen es beispielsweise Uster, Fällanden, Fehraltorf, Pfäffikon oder eben Wetzikon.

Sie haben eine eigene Stromversorgungslösung, in der Regel ein Gemeinde- oder Elektrizitätswerk. Wetzikon wird von den Stadtwerken Wetzikon mit Strom versorgt, die als Verwaltungseinheit in der Stadt eingebunden sind.

Auf dem Stadtgebiet wird aktuell ein kleiner Teil des Stroms erzeugt. Dabei handelt es sich um Solarstrom und jenen vom Aabach. Der übrige Teil, der für die Versorgung des Gemeindegebiets nötig ist, wird auf dem Grosshandelsmarkt für drei Jahre gestaffelt im Voraus eingekauft.

Die Energiepreise variieren täglich, ähnlich dem Aktienhandel, weshalb Wetzikon beim Einkauf eine von der Werkkommission abgesegnete Einkaufsstrategie verfolgt. Die Beschaffung erfolgt seit Mitte 2024 nach einer definierten Strategie. «Beschafft wird jeweils beim günstigsten Anbieter», sagt Vettiger.

Diese Investitionen werden sich für die Zukunft lohnen.

Heinrich Vettiger

Stadtrat (SVP)

Die jährlichen Strompreise ergeben sich aus der Summe der eingekauften Energie, den Netzkosten, den Abgaben an den Bund, der jährlichen Abgabe an die Stadt Wetzikon und einer kleinen Marge, welche von der ElCom limitiert ist und überwacht wird. In Wetzikon liegen diese für das Jahr 2025 bei 36,04 Rappen pro Kilowattstunde.

Eigene Stromversorgung ist im Normalfall teurer

Viele der Zürcher Gemeinden schliessen sich den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) an und zahlen damit einen einheitlichen Preis: Für das Jahr 2025 beträgt dieser 27,26 Rappen pro Kilowattstunde.

Dieser Preis ist im Vergleich der Gemeinden mitunter der günstigste und zum Vorjahr um 12,9 Prozent gesunken (bei einer 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler sowie einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden pro Jahr).

Die Gemeinden Wald und Bubikon sind übrigens die einzigen Oberländer Gemeinden, die mit ihrer eigenen Stromversorgung im oben stehenden Haushaltsvergleich unter den Preisen der EKZ liegen: Die Walderinnen und Walder zahlen im Jahr 2025 26,28 Rappen pro Kilowattstunde, die Bubikerinnen und Bubiker 26,36 Rappen – wobei Bubikon eine Mischlösung unterhält und einen Teil des Stroms aus Eigenversorgung, einen weiteren Teil aus den EKZ bezieht.

Reaktion auf Petition folgt

Noch bevor das kantonale Ranking der Strompreise bekannt war, machte die SP Unmut über den Wetziker Preis im Parlament laut – und damit ist die Partei nicht allein. Bereits am Freitag nach Bekanntgabe reichte die SP eine Petition ein: «Wetzikon ist einmal mehr Spitzenreiter im Kanton Zürich – so kann das nicht weitergehen», schreibt die Partei in ihrer Mitteilung.

Die Wetziker Politik habe in der Vergangenheit versagt, gute Verträge mit Anbietern auszuhandeln – und die Bevölkerung müsse nun dafür bezahlen.

Das widerspreche dem Auftrag, «Politik für die Menschen» zu machen, was die SP erwarten würde. Das wolle die Partei nicht weiter tolerieren, weshalb die Petition nun zur Unterschrift für die Bevölkerung lanciert worden sei. Gefordert wird eine Zulage für Haushalte mit geringem Budget.

Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) sagt dazu, dass das Ranking der Stadt als teuerste Stromgemeinde nichts an der Haltung des Stadtrats ändere.

Dennoch will man die Petition der SP zur Kenntnis nehmen und darauf antworten. «Der Stadtrat wird sich im Rahmen der Beantwortung mit den Fragen der Petition detailliert befassen», so Bassu.

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