Was macht Uster gegen Lärm auf Kantonsstrassen?
Stadt schafft Stellenprozente
Lärmarmer Belag, Tempo-30-Zone: In einem Postulat forderten mehrere Parlamentarier, dass die Stadt den Lärmschutz auf den Ustermer Strassen, besonders auf Kantonsstrassen, an die Hand nimmt.
Nach der Abstimmung gegen den Bau der Moosackerstrasse und der Ablehnung des Gegenvorschlags des Stadtrats bleibt nach wie vor eine Frage offen: Was ist mit dem Lärmschutz der Ustermer Staatsstrassen, wie der Zürich- oder der Zentralstrasse?
Um das Thema der Lärmberuhigung erneut anzustossen, hatten Parlamentarier aus dem linken Lager ein Postulat mit ebendieser Frage eingereicht. Das Postulat fordert, dass der Stadtrat mit dem Kanton das Gespräch sucht und sich für die nötigen Massnahmen einsetzt, damit Lärmschutzmassnahmen auf den Staatsstrassen in Uster umgesetzt werden.
Am 25. März wurde das Postulat mit dem Titel «Endlich Lärmschutzmassnahmen umsetzen» vom Gemeinderat an den Stadtrat überwiesen. Nun liegt der Beschluss vor. Er zeigt: Die Lärmschutzmassnahmen auf den Ustermer Strassen sind der Stadt ein Anliegen.
Keine Planungshoheit, aber Mitspracherecht
Auf Staatsstrassen hat die Stadt Uster keine Planungshoheit – diese werden ausnahmslos vom Kanton betrieben und unterhalten.
Obschon Uster damit nur eine eingeschränkte Befugnis über die Strassen hat, ist das Thema durchaus auf dem Radar der Stadt: «Der Stadtrat nimmt die Lärmproblematik in Uster ernst und ist sich den Lärmschutzbedürfnissen der Bevölkerung bewusst», schreibt dieser im Bericht.
2017 wurde ein Lärmsanierungsprojekt für die kommunalen Strassen festgesetzt und Massnahmen bereits umgesetzt. Als eine der ersten Gemeinden im Kanton setzt die Stadt auf lärmarme Beläge im Siedlungsgebiet. Diese wurden teils bereits realisiert, wie auf der Sonnenberg- und der Blindenholzstrasse. Auch fordert der Stadtrat, wenn möglich, den Einsatz solcher Beläge auf Staatsstrassen, wie der Riediker- oder Sulzbacherstrasse.
Ebenfalls unterstützt die Stadt die Einführung von Tempo-30-Strecken. Bislang wurden 23 dieser Tempo-30-Zonen umgesetzt, zwei weitere sind in Planung. Ausserdem sieht der Entwurf des kommunalen Richtplans die Einführung von Tempo 30 in allen Wohnquartieren vor.
Betreffend Staatsstrassen müsse die Stadt aber einen anderen Weg gehen und ihre Anliegen so in die Planung des Kantons einbringen – eine Aufgabe, die der Stadtrat wahrnehme.
Eine gesamtheitliche Betrachtung
Seitens Kanton wurden die Lärmsanierungsprojekte entlang der Kantonsstrassen 2016 festgesetzt und abgeschlossen. Der Regierungsrat hält fest, dass Lärmschutz eine Daueraufgabe ist. Eine Lärmsanierungspflicht besteht, sofern die Grenzwerte überschritten sind.
Auch der Kanton sieht als primäre Massnahme den Einbau von lärmarmen Belägen vor. Wo das nicht möglich ist oder dennoch eine Grenzwertüberschreitung vorliegt, wird die Temporeduktion geprüft. Dies geschehe laut Stellungnahme stets unter dem Grundsatz der Interessensabwägung.
Temporeduktionen seien auch auf der Zürich- und Berchtold- sowie der Winterthurerstrasse vorgesehen.


Zudem stünden in den kommenden Jahren diverse Instandsetzungsprojekte in Uster an, weshalb eine gesamtheitliche Betrachtung des Stadtgebiets sinnvoll ist. Unabhängig von der Anfrage habe das Tiefbauamt deshalb eine Erarbeitung der Grundlagenberichte über das gesamte Gebiet in Auftrag gegeben.
Die Ergebnisse dafür lägen im Herbst vor. Genauere Informationen zu Temporeduktionen stehen nach Abschluss der Interessensabwägung fest, die auf Ende 2024 geplant sei. Die gesamtheitliche Betrachtung des Stadtgebiets wird vom Stadtrat begrüsst.
Stadt schafft Stellenprozente
Eine Analyse der Stadt habe gezeigt, dass die Zuordnung von Lärmthemen auf organisatorischer Ebene unzureichend geregelt seien. Deshalb hat der Stadtrat bereits im November 2023 entschieden, verwaltungsintern eine Strategiegruppe Lärmschutz zu schaffen.
Dafür ist im Budget 2025 ein neues Stellenpensum von 20 Prozent vorgesehen. Damit sollen themenübergreifende Probleme besser und effizienter angegangen und gelöst werden.
Natalie Lengacher (Grüne), ehemalige Gemeinderätin und Mitunterzeichnerin des Postulats, sieht die Bemühungen der Stadt. «Der Stadtrat nimmt meiner Meinung nach das Ruhebedürfnis der Bevölkerung ernst. Einfach lärmarme Beläge auf vielbefahrenen Quartierstrassen einzubauen, reicht aber nicht aus.»
Die Einführung von 30er-Zonen wäre günstiger und einfacher umzusetzen. Sie hoffe sehr, dass das Anliegen in aller Dringlichkeit beim Kanton platziert wird und die Ustermer Bevölkerung endlich in allen Quartieren vor Lärm geschützt werden kann.
