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In Dübendorf werden Vierbeiner zu Kantonspolizisten ausgebildet

Wenn Technik und Mensch versagen, kommt die Rettung auf vier Pfoten: Diensthunde sind für so manchen Polizeieinsatz unverzichtbar. Ausgebildet werden sie in Dübendorf.

Die Brandlbracke Diara ist ein ausgebildeter Personenspürhund. Sie ist einer von 101 Zürcher Diensthunden, die täglich im Einsatz sind.

Foto: Marie Fredericq

In Dübendorf werden Vierbeiner zu Kantonspolizisten ausgebildet

Diensthundeschule der Kantonspolizei Zürich

Der Hund ist der beste Freund des Menschen – und auch der beste Freund des Polizisten. In Dübendorf werden die Diensthundehalter und ihre Vierbeiner zu einem Team ausgebildet, das ein Hundeleben lang zusammenbleibt.

Vermisste Personen, riesige Gebäude, unauffindbare Verstecke: Wenn Mensch und Technik an ihre Grenzen stossen, bleibt nur noch eine Lösung – der Hund.

Mit einer Nase, die bis zu 1000 -mal besser als die des Menschen riecht, können Hunde auch kleinste Partikel wahrnehmen. So findet die Polizei mithilfe der Vierbeiner vermisste Personen noch Tage nach ihrem Verschwinden, durchsucht riesige Gebäude innert weniger Minuten und entdeckt Betäubungsmittel auch im letzten Winkel.

Doch bis Bello einsatzbereit ist, dauert es ein Weilchen. Die aktuell 101 Diensthunde und 75 Diensthundeführer der Kantonspolizei Zürich haben alle eine entsprechende Ausbildung in Dübendorf durchlaufen: im grössten und ältesten Diensthundezentrum der Schweiz.

Besser als die Technik

Neun Spezialisierungen werden im 1971 gebauten Dübendorfer Diensthundezentrum an der Unteren Geerenstrasse angeboten. Der Schutzhund, der Interventionshund und sieben verschiedene Spürhunde (Betäubungsmittel, Notengeld, Datenträger, Sprengstoff, Brandmittel, Personensuche und kriminalistische Ermittlung) werden hier jedes Jahr für Einsätze – im ganzen Kanton und teils auch national – ausgebildet. 1400 bis 1500 Einsätze leisten die Zürcher Diensthunde jedes Jahr.

«Diensthunde sind für gewisse Einsätze unverzichtbar», erklärt Jörg Guggisberg, der Leiter des Diensthundezentrums. Sie sind beispielsweise bei Durchsuchungen wesentlich effizienter und schneller.

Ausserdem bieten sie in vielerlei Hinsicht Schutz für die Beamten. Sie können vorgeschickt werden und dienen als sogenannte «Respektträger», was speziell in der Prävention Wirkung zeigt. «Gerade bei Grossveranstaltungen, die ausarten könnten, hat sich der Einsatz von Schutzhunden bewährt.»

Vor allem aber haben die Hunde Fähigkeiten, die jene des Menschen und auch der Technik wesentlich übersteigen. «Ein gut ausgebildeter Diensthund ist Gold wert», sagt Guggisberg. So kann der Brandmittel-Spürhund den Brandbeschleuniger «erriechen», wenn die Geräte schon längst nichts mehr anzeigen. «Mit dem Hund haben wir eine Trefferquote von fast 100 Prozent.»

Anora, die Schweizer Neuheit

Und das beweist Guggisberg gleich an seinen eigenen zwei Vierbeinern, der Grossen Münsterländerin Anora und der Brandlbracke Diara. Erstere ist eine Schweizer Neuheit: «Anora ist national die erste Grosse Münsterländerin, die zum Diensthund ausgebildet wurde.»

Und das in gleich drei Einsatzgebieten: Die vierjährige Hündin ist Betäubungsmittel- und Notengeldspürhund und ausserdem kriminalistischer Ermittlungshund – eine Spezialisierung, die das Suchen von Leichen, Blut und Sperma umfasst.

Um einen Einsatz zu demonstrieren, hat Guggisberg Drogen in einem Auto und Geldnoten in einem Zimmer versteckt. Sobald die Hündin die entsprechende «Kleidung», also eine Weste oder ein bestimmtes Halsband trägt, weiss sie: Ein Einsatz steht bevor.

Behutsam führt er Anora an das Auto heran. Sie schnuppert gleich neugierig – und wird innert weniger Sekunden fündig. Auch das Bargeld erschnuppert die junge Hündin in wenigen Momenten. In einem weiteren Test soll Anora eine winzige Spur an Blut erwittern. Natürlich gar kein Problem für die quirlige Münsterländerin.

Guggisberg grinst stolz: «Jeder Erfolg, auch wenn nur beim Training, ist eine Freude – und eine Vorbereitung auf den Ernstfall.»

Die Rasse machts

Diara, die etwas schüchterne Brandlbracke mit den süssen Schlappohren, ist schon länger im Einsatz. Sie ist trainierte Personenspürhündin und soll heute eine «vermisste» Mitarbeiterin der Polizei suchen. Dafür wird auch Diara in die entsprechende Weste buxiert, die ihr den Einsatz signalisiert. «Gerade Personenspürhunde müssen sich teils stundenlang konzentrieren können und ausdauernd sein.»

Und dann geht es los: Die siebeneinhalbjährige Diara schnuppert am Ausweis der Person und hat gleich den richtigen Riecher. Schnell nimmt sie die Fährte auf und führt Guggisberg direkt in den angrenzenden Wald.

Schnurstraks läuft sie den Berg hinauf, biegt ab – und hat die vermisste Person gefunden. Belohnt wird sie mit Leckerli. «Diara ist verfressen. Da ist Belohnung über Futter am effektivsten», sagt Guggisberg schmunzelnd.

Welcher Hund für welches Einsatzgebiet geeignet ist, wird anhand verschiedener Aspekte wie Rasseeignung und persönlicher Präferenz entschieden. Der Klassiker: der Deutsche Schäferhund. «Diese Hunderasse ist ein guter Anfängerhund, denn er ist vielseitig einsetzbar, relativ einfach auszubilden und verzeiht Fehler.»

Aber auch der Belgische oder Holländische Schäferhund sowie der Rottweiler seien als Schutzhunde geeignet. «Wichtig ist, dass sich der Halter mit dem Hund identifizieren kann – ich zwinge niemandem einen bestimmten Hund auf.»

Mehrjähre Ausbildung für Mensch und Tier

Denn Hund und Halter müssen von Anfang an ein Team sein – und lernen, einander ein Hundeleben lang zu vertrauen. Damit das erfolgreich ist, legt Guggisberg grossen Wert auf verantwortungsbewusste Anwärter.

Wenn sich Polizistinnen und Polizisten für die Nebentätigkeit als Diensthundeführer interessieren, durchlaufen sie eine sechsmonatige Anwärterphase, in der sie in ihrer Freizeit Kurse nehmen und Theorie lernen. Erst danach entscheidet Guggisberg, wer sich für die mehrjährige Ausbildung zum Hundeführer eignet.

Gibt er grünes Licht, kommen die Welpen ins Spiel. Dabei werden ausschliesslich Hunde aus ausgezeichneten Zuchten ausgesucht. «Wir wollen gesunde und robuste Hunde», erklärt der 52-Jährige.

Im Alter von etwa zehn Wochen werden Hund und Halter dann zusammengeführt – und durchlaufen anschliessend eine anderthalb- bis dreijährige Ausbildung, je nach Spezialisierung, Erfahrung und Fortschritt. Während Rottweiler die perfekten Schutzhunde sind, eignen sich Jagdhundrassen vor allem als Spürhunde.

Diensthunde in Ausbildung – wie verhalte ich mich?

Mit nur zehn Wochen kommen die Welpen zu ihren zukünftigen Hundehaltern – und dann beginnt auch das Training, das fast ein Hundeleben lang andauert. Oft wird nicht nur im Diensthundezentrum in Dübendorf, sondern zur Akklimatisierung an diverse Situationen im Alltag trainiert: im Wald, auf der Strasse, in der Stadt.

Haben Polizisten eine Leuchtweste an, sind sie gerade im Training mit dem Hund. Dann haben sie oft keine Zeit, mit neugierigen Passanten zu reden. «Wenn wir gerade Pause haben, geben wir aber natürlich sehr gern Auskunft. Wir freuen uns, wenn jemand Interesse daran hat, was wir machen», sagt Guggisberg.

Auf keinen Fall sollte aber der Hund ungefragt angefasst, gestreichelt oder abgelenkt werden. «Das gilt aber für jeden Hund – egal, ob Diensthund oder nicht.»

Aggressiv sind die Hunde übrigens nicht – ganz im Gegenteil: «Unsere Diensthunde sind äusserst gut sozialisiert. Sie müssen auch in Extremsituationen konzentriert sein – aggressive Hunde wären da kontraproduktiv.» Ausserdem seien die meisten Einsätze friedlicher Natur.

Ein Team – ein Leben lang

Der Diensthund ist immer dabei im Alltag, auch im regulären Polizeijob, also beispielsweise bei der Kriminalpolizei, bei der Verkehrspolizei, bei der Flughafenpolizei. Denn die Hunde müssen oft spontan eingesetzt werden.

«Gerade bei Tätersuchen können wir nicht warten, bis der Hund zu Hause geholt wurde. Da muss das Team direkt startklar sein», erklärt Guggisberg.

In der Regel sind die Diensthunde dann so lange im Dienst, wie sie gesund sind. Die Gesundheit des Tiers wird laufend vom Hundehalter, aber auch vom Ausbilder überprüft.

Ist der Vierbeiner nicht mehr in der Lage, Einsätze durchzuführen, wird er pensioniert – doch mitkommen darf er weiterhin. «Nur weil der Hund nicht mehr fähig ist, Einsätze zu leisten, trenne ich das Team nicht. Der Hund ist ein Familienmitglied. Und er hat jahrelange, wertvolle Arbeit geleistet.»

Er hat seinen Platz gefunden

Guggisberg spricht mit Herzblut, wenn er von den Diensthunden erzählt. Er selbst ist seit 23 Jahren Diensthundeführer, seit 15 Jahren vollberuflich als Instruktor im Diensthundezentrum und seit zwei Jahren als Leiter. «Das ist für mich ein Traumjob.»

Die Arbeit mit den anwärtigen Diensthundeführern, die Trainings, die verschiedenen Hunderassen und Herausforderungen – Jörg Guggisberg hat hier in Dübendorf, umgeben von Vierbeinern, seinen Platz gefunden.

Ist die Arbeit erledigt, sind sie, wie jeder Hund, einfach ein Familienmitglied. «Und natürlich auch schmusige Haustiere – zumindest Anora. Diara ist eher zurückhaltend», sagt Guggisberg und schaut seine zwei Hundedamen lächelnd an.

Die Vertrauensbeziehung zwischen Hund und Halter ist das A und O eines guten Teams. Und das durfte Jörg Guggisberg schon früh am eigenen Leib erfahren.

Vertrau dem Vierbeiner!

Kurz nach seiner Ausbildung zum Diensthundeführer hatte Jörg Guggisberg einen spontanen Einsatz mit seinem Personenspürhund. Er hatte zwar Ferien, war aber zu Hause – und für ihn war klar, wenn es um ein Menschenleben geht, springt er ein. «Die Rede war von einem 94-jährigen Mann, der vermisst wurde.» Dieser sei täglich spazieren gewesen und eines Tags nicht mehr heimgekommen.

«Alle Versuche, den Mann zu finden, sind bis dahin gescheitert. Also versuchten wir es mit meinem Spürhund.» Zuerst lief dieser den gewohnten Spazierweg des Mannes ab, blieb stehen, drehte sich im Kreis. «Bis zu diesem Punkt lief der Mann normalerweise. Weiter sei er nie gegangen», sagt Guggisberg. Doch der Hund habe ihn schnurstracks übers Feld geleitet. «Ein Kollege hat dann zu mir gesagt, das könne nicht möglich sein – doch ich folgte meinem Hund.»

Kilometerweit steuerte der Personenspürhund übers Feld und einen steilen Hang hinauf – in absoluter Finsternis, sodass auch Guggisberg nur auf allen Vieren vorankam. «Entgegen aller Einwände folgte ich meinem Spürhund. Und dann hörten wir einen leisen Hilferuf.»

Der Mann war abseits seines regulären Weges weitergelaufen, den Hügel hoch, und dann gestürzt. «Und da wusste ich – ich muss meinem Hund einfach vertrauen. Er hat diesem Mann gerade das Leben gerettet.»

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