Spezieller Mörtel soll Römerkastell in Pfäffikon Halt geben
Antik und beschädigt
Auch Ruinen müssen ab und zu geflickt werden: Fernando Hilber und sein Team arbeiten derzeit daran, das Römerkastell Irgenhausen vor weiteren Schäden zu bewahren. Ein Besuch auf der Baustelle.
Es ist das wohl älteste Bauwerk im Oberland: das Römerkastell Irgenhausen am südlichen Dorfrand von Pfäffikon. Fast jeder, der in der Region aufgewachsen ist, hat die mittlerweile über 1500-jährige Ruine wohl auf einer Schulreise besucht.
Doch der Zahn der Zeit nagt nach wie vor am Mauerwerk. Darum muss die Gemeinde Pfäffikon immer wieder grosse Summen für Sanierungen aufwenden.
So ist seit Anfang August wieder Hämmern auf dem Hügel zu hören. Derzeit arbeitet das Team der T. Neuweiler GmbH aus Winterthur an der Instandsetzung der wetterseitigen Nordwestfassade.
Wetter als Übeltäter
Dabei sind für einmal nicht die Erholungsuchenden, die das Kastell stark frequentieren, an der Notwendigkeit der Reparaturen schuld. «Bei alten Mauern ist das Wetter für 95 Prozent der Schäden verantwortlich», sagt Fernando Hilber, der die Bauarbeiten leitet.
Das Problem: Das Wasser dringt zu tief ins Mauerwerk ein. Einerseits entstehen so Frostschäden. Andererseits können auch Pflanzen immer tiefer hineinwachsen. Deren Wurzeln zerstören die Stabilität der Mauer, der Mörtel wird aufgesprengt, und die einzelnen Steine werden gelockert.
In den 1940er Jahren wurde das Kastell umfassend restauriert und rekonstruiert. Um dem Zerfall entgegenzuwirken, wurden damals die römischen Ruinen und die neu erstellten Mauern mit einem Zementmörtel verputzt. Eine Massnahme, die sich im Nachhinein als fatal herausgestellt hat.
«Man hat einen sehr dichten Mörtel benutzt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern – doch Wasser findet immer einen Weg», sagt Fernando Hilber. So drang die Feuchtigkeit weiter in das Gemäuer ein, konnte aber erst recht nicht mehr entweichen, was zu zusätzlichen Abplatzungen führte.
Hilber zeigt auf einige Löcher in der Wand, wo Steine fehlen. «Wir haben nun in einem ersten Schritt den alten Mörtel und alle lockeren Steine entfernt.» Dies mit grösster Behutsamkeit und möglichst ohne grosse Erschütterungen, um das römische Mauerwerk zu erhalten. Nach der Reinigung werden die freien Stellen wieder mit Steinen und einer neuen, wasserdurchlässigeren Mörtelmischung gefüllt.

Bereits bei der letzten grossen Sanierung 2016 war Hilber mit dabei. «Bei der Nachstellung des römischen Mörtels haben wir damals aber noch nicht die optimale Zusammensetzung des Mörtels getroffen. Er hielt nicht so gut wie erwartet.» So werden im aktuellen Sanierungsschritt auch Teile der Sanierung von 2016 wieder entfernt.
In den letzten fünf Jahren habe es aber grosse Fortschritte in der Forschung über die Verwendung von Kalk als historischem Baustoff gegeben. «Wir haben aus den Fehlern gelernt und sind zuversichtlich, dass wir nun eine bessere Mischung gefunden haben.» Diese wird direkt vor Ort angerührt und dann verarbeitet.
Porös und flexibel
Den Handwerkern, die das Kastell vor rund 80 Jahren rekonstruiert und mit dem «falschen» Mörtel bearbeitet haben, macht er indes keinen Vorwurf. «Auch sie wollten das originale Mauerwerk so gut wie möglich schützen – wie wir vor acht Jahren.»
Nun wird ein Mörtel auf Kalkbasis angewendet, der nur noch aus knapp drei Prozent Zement besteht. «Diese Mischung soll die Ruine vor eintretendem Wasser schützen, aber zugleich so beschaffen sein, dass die auftretende Feuchte im Mauerwerk möglichst schnell entweichen kann. Darin liegt die Schwierigkeit einer Mörtelzusammensetzung bei der Sanierung von Ruinen.»
Durch Bewegungen im Mauerwerk, die durch Temperaturunterschiede und Längenausdehnung verursacht werden, entstehen zwangsläufig Risse. Durch diese tritt Wasser in die Mauern. «Umso wichtiger ist es, dass der Fugenmörtel nicht nur eine höhere Elastizität aufweist, sondern auch feuchteregulierend auf das Mauerwerk wirkt.»
Beim aktuellen Projekt wird zwar auch das römische Mauerwerk saniert, der grösste Teil der Arbeit bezieht sich jedoch auf die Rekonstruktionen. «Nur noch rund 20 Prozent des heutigen Bauwerks stammen tatsächlich von den Römern», schätzt Hilber.
Die Abtrennung der originalen Mauern zum rekonstruierten Teil wurde zwar schon früher mit einer roten Linie markiert, doch diese ist an den meisten Stellen nicht mehr sichtbar. Darum werden nun Tonscherben in die Mauern eingelassen, um die Grenze deutlicher hervorzuheben. «Tonscherben wurden auch schon von den Römern als Baumaterial verwendet», führt Hilber aus.
Die bereits restaurierten Mauern leuchten momentan noch heller als der Rest der Anlage. «Doch mit der Zeit werden auch sie immer dunkler.» An bestimmten Stellen werden die Steine zudem etwas tiefer in den Mörtel eingepackt als bisher. «Wir haben bei unserer Arbeit Rückstände gefunden, die darauf deuten, dass dies zur Zeit der Römer eigentlich so gemacht wurde.»
Ehrfurcht vor der Arbeit
Ende September sollte die aktuelle Sanierungsetappe abgeschlossen sein. Im nächsten Jahr sind aber bereits weitere Bauarbeiten geplant, um alle Zementrückstände zu ersetzen. Dann sollte die Anlage für die kommenden Jahre gewappnet sein.
Für das ganze Team ist die Arbeit mit antiken Mauern zwar Alltag, die römische Bausubstanz ist aber im Portfolio der T. Neuweiler GmbH eine der ältesten. «Da spürt man schon eine spezielle Ehrfurcht», sagt Fernando Hilber.

Das Kastell Irgenhausen
Die Gemeinde Pfäffikon ist seit 1957 Eigentümerin der römischen Kastellruine Irgenhausen. In den Jahren 1992 bis 1994 und 2008 bis 2016 liess die Gemeinde am Kastell bereits umfangreiche Unterhaltsarbeiten ausführen.
Für die aktuellen Arbeiten hat der Gemeinderat einen Kredit in Höhe von knapp 124'000 Franken bewilligt. Für die Arbeiten im nächsten Jahr wird mit Kosten in ähnlicher Höhe gerechnet.
Die Kastellruine ist im kantonalen sowie im nationalen Schutzinventar aufgelistet. Die Gemeinde Pfäffikon ist verpflichtet, sie zu erhalten. Um vom Kanton Subventionen zu erhalten, ist ein Gesuch nötig. «Dieses werden wir nach Fertigstellung der Arbeiten mit dem Abschlussbericht zusammen einreichen», sagt Francesco Attademo, stellvertretender Leiter Liegenschaften bei der Gemeinde Pfäffikon.
Nach der zweiten Sanierungsetappe im nächsten Sommer sollten die Erhaltungsmassnahmen für das Kastell so weit abgeschlossen sein, dass die Unterhaltsarbeiten auf jährlich 10'000 Franken schrumpfen. «Es werden auch in Zukunft kleinere Reparaturarbeiten anfallen, das kann man nicht komplett verhindern», sagt Attademo. (lcm)