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Zu wenig Puste für Windräder bei Turbenthal

Schwierige Erschliessung, wenig Wind und in einem Schutzgebiet: Der Kanton hat dem Vorschlag der Gemeinde Turbenthal für einen Windpark eine Absage erteilt.

Der Kanton verzichtet auf den Eintrag des Gebiets rund um den Schauenberg ob Turbenthal als Eignungsgebiet Windenergie.

Christian Brändli

Zu wenig Puste für Windräder bei Turbenthal

Kanton lehnt Vorschlag ab

Turbenthal will bei der Nutzung der Windenergie vorwärtsmachen. Doch kommunale Pläne sind am mangelnden Produktionspotenzial gescheitert.

In Turbenthal weht ein anderer Wind. Die Gemeinde gehört zu den wenigen in der Region, in welcher die Bevölkerung die Nutzung der Windenergie begrüsst. Eine Bevölkerungsbefragung im Frühjahr 2023 zum Thema Energie und Klima hatte ergeben, dass 60 Prozent der Antwortenden sich für Windräder aussprachen.

Der Gemeinderat sah sich durch diese Umfrage in seiner Haltung bestätigt, dass Windenergie dazu beiträgt, die Winterstromlücke zu reduzieren. Was bisher kaum bekannt ist: Die Turbenthaler Exekutive reichte bei der Zürcher Baudirektion einen eigenen Vorschlag für ein Windpotenzialgebiet ein – als einzige Gemeinde im ganzen Kanton.

«Der Gemeinderat wäre bereit gewesen, mit dem Kanton über eine Windenergieanlage auf Gemeindegebiet in Verhandlung zu treten, sofern eine demokratische Mitwirkung von Behörden und Bevölkerung gewährleistet gewesen wäre», hält Gemeindeschreiber Jürg Schenkel auf Nachfrage fest.

Chapf und Ensberg untersucht

Konkret schlug die Gemeinde die Hügelzüge zwischen Chapf, Morgen und Ensberg vor – also bergseitig der Weiler Berg, Bühl und Unterschreizen auf dem Weg zum Sitzberg. Die Fachleute des Kantons beugten sich über die Unterlagen und ermittelten das Produktionspotenzial für das Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt ist.

Sorgenfalten bereitete den Planern, dass die Gegend nur über eine vier Meter schmale und kurvenreiche Strasse erschlossen wird und das Gelände steil und stark eingeschnitten ist. Alles in allem wurde das Gelände als «komplex» eingeschätzt. Daher hat der Kanton den kleineren Anlagentyp für die Berechnung des Potenzials verwendet. Dieser sieht eine Gesamthöhe eines Windrads von 160 Metern vor.

Demgegenüber sind die grossen Anlagen 220 Meter hoch. In der weiteren Planung der 20 Eignungsgebiete, die kantonsweit nun festgesetzt werden sollen, wird vor allem mit den grossen Rädern gerechnet.

Zu wenig Wind

Im Turbenthaler Gebiet gingen die Planer von fünf dieser kleineren Anlagen aus. Doch ein Rad wäre dabei an einem Ort zu liegen gekommen, an dem die Windgeschwindigkeit unterdurchschnittlich war. Und ein anderes wäre nur 240 statt der vorgegebenen 300 Meter vom nächsten Gebäude entfernt gewesen.

Alles in allem wurde das jährliche Potenzial zwischen Chapf und Ensberg auf 16,1 Gigawattstunden geschätzt. Damit wurde aber die Schwelle von jährlich 20 Gigawattstunden – so viel verbraucht Turbenthal gerade etwa auch pro Jahr – nicht erreicht, die für ein nationales Nutzungsinteresse vorgegeben ist.

Ein nationales Interesse wäre gemäss der Baudirektion aber zwingend notwendig, damit innerhalb eines Gebiets, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler liegt, überhaupt eine Interessenabwägung möglich ist. «Nach dieser Überprüfung wurde das Gebiet nicht aufgenommen», heisst es dazu im Grundlagenbericht des Kantons Zürich kurz und bündig.

Auch Schauenberg ausser Traktanden gefallen

Auf Turbenthaler Boden liegt noch ein weiteres Windpotenzialgebiet, das der Kanton prüfte: rund um die Höchegg. Dieses gehört zu sieben Standorten, die alle unter dem Namen «Schauenberg» in der Liste der Potenzialgebiete geführt werden. Auch Elgg und Schlatt sind von diesem Standort betroffen.

Im Gebiet Schauenberg wurde mit sieben kleineren Anlagen gerechnet. Diese hätten 23 Gigawattstunden pro Jahr geliefert. Die Erschliessung dieser Standorte wurde von den Planern als «erschwert» taxiert. Hinzu kommt, dass auch dieses Gebiet im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler liegt. Im Rahmen der Schutz-Nutzen-Analyse liess der Kanton jüngst auch dieses Gebiet fallen.

«Der Gemeinderat kann den Entscheid des Kantons nachvollziehen, sich in einer ersten Phase auf diejenigen Standorte mit den grössten Realisierungschancen zu konzentrieren, was beim Standort Schauenberg offensichtlich nicht der Fall war», meint dazu der Turbenthaler Gemeindeschreiber.

Nach dem doppelten Nein aus Zürich ist unklar, ob und wie die Turbenthaler Exekutive in Sachen Windenergie weiterfahren wird. «Im Moment existieren keine konkreten Ideen für die Windenergienutzung auf dem Gemeindegebiet», sagt Jürg Schenkel. Die Frage, ob der Gemeinderat allenfalls andere Projekte in der Region unterstütze, stelle sich zurzeit nicht, da keine konkrete Anfrage vorliege.

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