Seine Damhirsche sind die heimlichen Stars der Zeller Chilbi
Hirschhaltung im Tösstal
Die Damhirsche aus Zell haben das Zeug, den anderen Chilbi-Attraktionen die Show zu stehlen. Sie sind eines der Hobbys von Peter Kyburz. Er gehörte zu den Ersten in der Region, die die majestätischen Tiere züchtete.
Wenn Peter Kyburz mit den feldgrünen Gummistiefeln und dem Kübel voller altem Brot in Richtung Wildgehege schreitet, kommen ihm die Damhirsche bis auf einige Meter nahe. «Wenn Sie nicht hier wären, würden sie sich noch näher herantrauen – die Leitkuh frisst mir praktisch aus der Hand», erzählt Kyburz. In seiner Stimme liegt ein begeisterter Unterton.
Die Aufzucht und Haltung von Damwild ist eine der Leidenschaften des pensionierten ETH-Agronomen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Regula Kyburz-Graber – die als erste ordentliche Professorin für Gymnasialpädagogik Geschichte schrieb – bewohnt er ein Grundstück im Grünen, unweit vom Zeller Dorfplatz.
Damhirsche (dama dama) bilden eine eigene Gattung innerhalb der Familie der Echten Hirsche, zu der etwa auch Rothirsche gehören. Anders als diese kommen sie in der Schweiz aber nicht in der Wildnis vor. Ursprünglich stammen Damhirsche aus Vorderasien, bereits die Römer führten die Art aber in anderen Regionen ein. 2020 gab es hierzulande 315 Betriebe, die total rund 12'000 Hirsche hielten. Die überwiegende Mehrheit davon sind Damhirsche. (nos)
Weitere angrenzende, steile Flächen stellten ihm Landbesitzer zur Verfügung, nachdem er ihnen erzählt hatte, was er auf dem frei gewordenen Grundstück plant. Dank der zusätzlichen Flächen erstreckt sich das Gehege nunmehr über knapp zwei Hektaren.
Das etwas andere Weidetier
Die Idee, eine Damwildhaltung aufzubauen, entstand bei der Arbeit. Peter Kyburz war damals bei der Agridea in Lindau tätig – einer national tätigen Organisation für die Aus- und Weiterbildung von landwirtschaftlichen Beratungskräften.
Dort befasste man sich Mitte der 1980er Jahre vertieft mit der Haltung von Wild in der Schweizer Landwirtschaft. «Man hatte festgestellt, dass viel Wildfleisch aus dem Ausland importiert wird», erinnert sich Kyburz, «und fragte sich, ob die hiesige Landwirtschaft nicht mehr davon selbst produzieren könnte.»
Bald entschied er, sich auch privat mit dem Thema zu befassen. «Meine Eltern hatten einen kleinen Milchbetrieb, von daher hatte ich schon einen Bezug zur Tierhaltung», erzählt er. Nicht zuletzt ging es ihm um die Pflege des Lands hinter seinem Haus.
Schafe oder Geissen wollte er bewusst nicht halten. «Das hat mich nicht interessiert. Damhirsche sind speziell, und zu dieser Zeit gab es noch kaum Wildgehege in der Region, die diese Tiere hielten.» Man kannte sie bisher vor allem aus öffentlichen Gehegen wie dem Munotgraben in Schaffhausen oder dem Hirschpark in Rapperswil.
Bei Ersterem wurde Kyburz fündig auf der Suche nach den ersten Tieren für seine Herde. Zwei trächtige Damhirschkühe übernahm er aus Schaffhausen, dazu kam ein Hirschstier aus dem Aargau. Das war vor fast 40 Jahren.
Jeder Anfang ist auch ein Ende
Heute besteht die Herde jeweils aus rund 20 Tieren. Im Sommer, wenn der Nachwuchs da ist, sind es meist etwas mehr. «Die jüngsten acht sind diesen Sommer zur Welt gekommen», erzählt Kyburz.
Kommen junge Damhirsche zur Welt, bedeutet das auch: Für ebenso viele letztjährige Hirsche sind die Tage gezählt. Das ist nötig, denn im Gegensatz zur freien Wildbahn besteht im Gehege die Gefahr von Inzucht.
Zudem entwickeln die männlichen Tiere mit fortschreitendem Alter ein Konkurrenzverhalten, das in Gehegen zu Verletzungen führen kann. Die Damhirsche werden direkt auf der Weide abgeschossen, von einem Jäger aus der Region. «Wir arbeiten schon lange zusammen. Er ist sehr erfahren und kennt die Tiere gut.»
Das sei auch nötig, um den Abschuss möglichst reibungslos zu erledigen. Um die Sache nicht zu emotional zu machen, gibt Kyburz den Tieren keine Namen – eine Ausnahme bilden jeweils die Platzhirsche, die immer einen Namen mit «F» tragen – aktuell heisst er Fridolin.
Hobby statt Geschäftsmodell
Das Damhirsch-Fleisch verkauft Kyburz an private Kunden, die er über Mund-zu-Mund-Werbung gewinnt. Darunter finden sich auch Bekannte und Freunde. Kaufen kann man entweder ein ganzes oder ein halbes Tier, zerlegt in die verschiedenen Fleischstücke und dann einzeln verpackt.
Was die Anzahl Tiere im Gehege anbelangt, bewegt sich der gebürtige Aargauer im unteren Bereich – bewusst. Von einer gewerbsmässigen Hirschhaltung will er nichts wissen. «Für mich war immer klar, dass es ein Hobby bleiben soll.»
Entsprechend geht es Peter und Regula Kyburz bei den Führungen zum Gehege, die sie an der Zeller Chilbi anbieten, nicht darum, neue Abnehmer für Hirschfleisch zu gewinnen. Vielmehr will das Paar Interessierten einen Einblick in die Haltung dieser Wildtiere – und den Ausblick von der Anhöhe auf das Dorf – ermöglichen.
Die Führungen organisieren die beiden schon seit einigen Jahren. Sie kommen vor allem bei Familien mit Kindern sehr gut an.
Bis die Zeller Chilbi startet, hat Peter Kyburz noch alle Hände voll zu tun. Aber nicht wegen der Damhirsche. Kyburz, der auch Hobby-Tenorsänger ist, hat noch ein zweites Jöbli. Er gibt zum dritten Mal ein Konzert in der Kirche. Deshalb ist jetzt vor allem eines angesagt: Üben.
Hinweis: Die Führungen zu den «Zeller Hirschen» finden im Rahmen der Zeller Chilbi am Samstag von 13.30 bis 14 Uhr und am Sonntag von 11.30 bis 12.00 Uhr statt.