Reparieren statt wegwerfen in Wetzikon
Pensionäre leiten das Repair Café
Sie sind pensionierte Elektroingenieure oder Schlosser: Das Helferteam vom Repair Café Wetzikon bringt so manches Gerät wieder zum Laufen, das sonst im Abfall landen würde.
Es hat etwas von einer Operation am offenen Herzen. Ernst Kern leuchtet mit seinem Lämpchen direkt in den dunklen Schacht der aufgeschraubten Kaffeemaschine. Der 65-Jährige gehört zu den Freiwilligen vom Repair Café Wetzikon. Das findet regelmässig im Gebäude des «Treffpunkt West 36» an der Weststrasse 36 statt.
Die Idee dahinter: Reparieren, statt wegwerfen. Ein Team von Freiwilligen versucht kostenlos unter anderem defekte Elektrogeräte wie Föhne, Staubsauger und vor allem Kaffeemaschinen wieder in Gang zu bringen. Aber auch Kleinmöbel, Spielsachen, Schirme und vieles mehr wird hier ohne Voranmeldung repariert.
An diesem Nachmittag füllt sich das Repair Café schnell, das jeweils von 16 bis 19 Uhr Kundschaft betreut. Eine Dame bringt zwei Leselampen. «Ich glaube, die Glühlämpchen sind kaputt oder ein Kabel», meint sie. Da sie viel lese, brauche sie die Lampen schnell wieder. «Ich kenne jemand vom Helferteam, deshalb bin ich hierhergekommen.»
Stephan Pfister nimmt sich der Sache an. Der 67-Jährige ist gelernter Dekorateur, hat auch in einer Schreinerei und die letzten Jahre als Sozialarbeiter gearbeitet. Nach kurzer Zeit leuchten die Lampen wieder.
«Oft können wir den Schaden direkt hier beheben. In den anderen Fällen bleiben die Geräte hier, bis wir Ersatzteile bestellt und eingebaut haben. Manchmal ist eine Reparatur gar nicht mehr möglich und wir legen den Kunden nahe, das Gerät ordnungsgemäss zu entsorgen», sagt Pfister.
Die Kunden bezahlen für die Reparatur nichts, sondern legen stattdessen etwas in das Sparschwein, das beim Eingangsbereich aufgestellt ist. Für die Ersatzteile zahlen die Kunden nur den Einkaufspreis ohne Aufschlag. «Es ist auch gedacht, dass die Kundschaft nach Möglichkeit beim Reparieren mithilft oder zuschaut», betont Pfister.
Zwei Werkstätten im Untergeschoss
In Wetzikon existiert das Repair Café seit Oktober 2023. Über 300 Geräte haben sie seither hier bearbeitet. Im Untergeschoss sind zwei Werkstätten eingebaut.
Die Repair Cafés sind ein Projekt des Schweizerischen Konsumentenschutzes, der damit etwas gegen den stetig anwachsenden Abfallberg und für die Nachhaltigkeit macht.
Inzwischen ist auch Ernst Kern mit der Problemsuche bei der Kapsel-Kaffeemaschine weitergekommen. Die Kundin hat eine kleine, lose Feder entdeckt – doch darin liegt die Ursache nicht, dass die Kapsel keinen Halt findet und einfach in den Auffangbehälter fällt. «Die Kapseln haben eine neue Grösse und passen nicht mehr. Ich habe dazu gerade einen Eintrag im Internet gefunden», erzählt Kern.
«Ich repariere auch zu Hause viel selber», berichtet Andreas Giupponi (66), der gelernte Feinmechaniker, der sich gerade mit einem Dörrgerät für Früchte beschäftigt. «Oft brauchen wir Spezialwerkzeug. Mit einem normalen Schraubenzieher kommt man nicht weiter, das wollen die Hersteller so.»
Wieder betritt ein Kunde das Repair Café. Mit einem Drucker unter dem Arm. Sein Anliegen: Das Gerät zeige an, dass er den Farbtoner wechseln soll – er wisse aber nicht wie. Max Degen (64), der früher als Linienpilot tätig war, kümmert sich darum. «Ich schraube auch zu Hause gerne herum. Und ich bin im Haus und Garten öfters am Werken». Er hat auch schon selber Kleinflugzeug gebaut.
«Ich bin zur Stelle, wenn ich mit schwerem Gerät hämmern kann oder Schweissarbeiten gefragt sind», sagt Walter Siegrist, der einst eine Schlosserlehre gemacht hat und später als Polizist gearbeitet hat. «Manchmal muss ich improvisieren und ein Teilchen verstärken und zusätzlich anschweissen», sagt der 81-Jährige.
Leuchtende Kinderaugen als Lohn
Er habe auch schon ein Go-Kart für Kinder repariert. Die Lenkung war zu richten – und das kurz vor Weihnachten. «Als der Junge das fertige Kart gesehen hat, leuchteten seine Augen. Das war eine tolle Anerkennung für mich», schwärmt Walter Siegrist.
Und was hat der frühere Elektroingenieur Werner Hafner in letzter Zeit repariert? Lampen, Rasierapparate oder Rollkoffer. «Der bisher speziellste Auftrag war eine Heckenschere, die ich auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt habe. Sie lief schlussendlich auch wieder», sagt der 71-Jährige mit einem Lächeln. «Natürlich werden alle elektrischen Geräte nach der Reparatur fachmännisch geprüft», betont Stephan Pfister.
Repair Café Wetzikon
Nächste Termine:
jeweils von 16 bis 19 Uhr
22. August, 5. September, 19. September, 3. Oktober, 17. Oktober, 31. Oktober, 14. November, 28. November, 12. Dezember
Adresse: Weststrasse 36, Wetzikon
