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«Fast wie Ferien im Napfgebiet» – auf der Strahlegg

Ein Besuch bei der neuen Pächterin Bettina Fleps in der Sennhütte. Ein Ort, wo Freundschaften entstehen können.

Bettina Fleps, die neue Pächterin der «Sennhütte», setzt auf währschaftes Essen. Das kommt bei den Gästen gut an.

Foto: Eleanor Rutman

«Fast wie Ferien im Napfgebiet» – auf der Strahlegg

Ab auf die Hütte

Gemütliche Mittagsstimmung auf der «Sennhütte» unweit des Schnebelhorns. Hier schmecken trotz Hitze Bratwurst und Spätzli. Kein Wunder, bei diesem Ausblick.

Wer mit dem Auto zur «Sennhütte» fährt, muss damit rechnen, dass die Strasse eng wird. Nach jeder Kurve denkt man, hier wäre der Weg zu Ende. Doch dieser schlängelt sich immer weiter. An den Häusern des Wagerenhofs vorbei, wo die Reporterin fast ein Huhn überfährt. Balzende Schmetterlinge an der Windschutzscheibe.

Kein Wunder, dass die neue Pächterin Bettina Fleps die meiste Zeit direkt da oben auf der Strahlegg bleibt – auf 1028 Metern über Meer. «Einmal die Woche mache ich Ferien in Hinwil», sagt sie scherzhaft. Dort hat sie eine Wohnung.

Seit Ende Juni schmeisst die Allgäuerin unterhalb des höchsten Bergs des Kantons den Laden. Unterstützt wird sie von Irim Gashi und seinem Bruder, dem Koch Fitim Gashi.

Die Strahlegg macht an diesem Tag ihrem Namen alle Ehre: Die Mittagssonne brennt. Die Terrasse ist zur Hälfte besetzt: Junge Wanderer sitzen an den einladenden Tischen. Andere sind mit dem Bike oder dem Auto hochgefahren. Das Ehepaar Bombasei aus Oberdürnten lässt es sich bei einem Glas Senza Parole Primitivo schmecken.

Dazu haben die beiden ein Schweinsfilet und ein Schweinshalssteak gegessen. Es sei ein spontaner Entscheid gewesen – nach dem Fitnesstraining am Morgen, sagt Edith Bombasei. «Erst wollte ich gar nicht so weit fahren, aber jetzt bin ich froh, ist es doch so schön gemütlich hier.»

Das Ehepaar Bombasei kennt die neue Pächterin Fleps noch vom «Bachtel-Kulm», wo sie bis November 2022 als Gastronomin tätig war. In der «Sennhütte» war das Ehepaar jedoch noch nie. «Ich bin früher oft hier oben durchgewandert», sagt Hugo Bombasei. Er kennt die Alpwirtschaft Tierhag, doch in der «Sennhütte» hat er heute zum ersten Mal haltgemacht.

Tourismus im Tösstal

Zwei jüngere Männer sind hochgewandert und haben sich eine Rösti mit Bratwurst gegönnt. Eine letzte verlorene Cherrytomate auf den Tellern zeugt von dem Genuss. «Ich habe meiner Mutter ein Foto von hier oben geschickt, und sie fragte mich, ob ich im Napfgebiet am Wandern sei», sagt Silvio Pfenninger und lacht.

Er wohnt in Luzern und wusste gar nicht, dass man im Zürcher Oberland eine so schöne Landschaft vorfindet. «Natürlich ist der höchste Berg hier für mich nicht so wahnsinnig hoch», sagt er und schmunzelt. Der Gipfel des Schnebelhorns kann in 30 Minuten von der «Sennhütte» aus zu Fuss erstürmt werden. Dieser kann es logischerweise mit seinen 1291 Metern über Meer nicht mit dem Luzerner Pilatus aufnehmen, der rund 1000 Meter höher liegt.

Anderthalb Stunden waren die jungen Männer dennoch unterwegs, bis sie in der Beiz angelangt sind. «Es geht schon steil bergauf», gibt Pfenninger zu. Doch jeder Schritt hier hoch habe sich gelohnt. «Das Essen hat geschmeckt, und ich habe für 20 Franken eine gute Portion erhalten.»

An einem anderen Tisch sitzt das Ehepaar Brand mit Hund Jimmy aus Fischenthal. «Früher sind wir hochgelaufen, doch jetzt kommen wir mit dem Auto her.» Seit dem Pächterwechsel im Juni sind sie schon das zweite Mal hier. Es gefällt ihnen. «Wir kommen wieder.»

Wo man ins Gespräch kommt

Die beiden Ehepaare Brand und Bombasei unterhalten sich nach dem Essen über die Tische hinweg miteinander. Hier scheinen Freundschaften zu entstehen: Frau Bombasei offeriert Frau Brand einen Grappa und besteht darauf, ihn auch wirklich zu bezahlen. Derweil sitzt Hund Jimmy im Schatten. Obwohl er noch kein Wasser angeboten bekommen hat, wirkt auch er ziemlich zufrieden.

Zwei andere Wanderer hingegen sind durstig und wollen nur was trinken. Sie reden davon, später eine Brätli-Stelle auf der Strecke zu finden. Die Pächterin Fleps scheint das nicht zu kümmern, sie behandelt alle Gäste gleich. «Ich freue mich – vor allem, wenn die Gäste wiederkommen.» Sie sei immer zu einem kleinen Schwatz mit ihren Besuchern aufgelegt.

Seit sie Ende Juni eröffnet hätten, laufe es sehr gut, sagt sie. «Besser als gedacht.» Sie hat mehr Tische auf der Terrasse aufgestellt als ihre Vorgänger. In einem Monat hätten sie und ihr Team viel erreicht – und dies, ohne viel Werbung zu machen.

«Wir wollten erst einmal ankommen, bevor wir uns dann auch richtig um die Übernachtungsmöglichkeiten kümmern.» Bis jetzt gebe es aber schon einzelne Gäste, die für eine oder zwei Nächte in der «Sennhütte» buchten.

Sommerserie «Ab auf die Hütte»

Im Sommer zieht es viele Menschen in die Höhe. Eine beliebte Destination sind die zahlreichen Hütten und Alpen im Oberland und im Tösstal. Was sind das für Menschen? Und wer sorgt dafür, dass der Betrieb immer reibungslos läuft? In einer mehrteiligen Serie zeigen wir Ihnen verschiedene Hütten in der Region – und die Menschen, die sie ausmachen.

Teil 1 – Poo-Alp ob Wald
Teil 2 – Hochwacht in Egg
Teil 3 – Farneralp ob Wald
Teil 4 – Hulftegg bei Steg
Teil 5 – Sennhütte auf der Strahlegg

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