Diese Winzerin aus Uster macht Wein statt Ferien
Büeze in den Ferien
Eveline Heusser hat sich der Arbeit auf ihrem Ustermer Rebberg verschrieben. 8000 Rebstöcke müssen fast täglich gehegt und gepflegt werden – ein Job, der gerade im Sommer kaum Ferien zulässt.
In vino veritas – die Wahrheit liegt im Wein. Eine Wahrheit, die Winzerin Eveline Heusser seit 22 Jahren leibt und lebt, denn sie betreibt in Uster zwei Hektaren Rebstöcke. Es ist eine Arbeit, die in Wahrheit viel Musse und Hingabe erfordert, und das vor allem auch in der Sommerzeit.
Denn während andere gerade das Frühstück beendet haben und langsam die Badi-Tasche packen, steht die 48-Jährige schon seit Stunden auf den Beinen. «Wenn es so heiss ist, arbeite ich ab sechs Uhr morgens bis zum Mittag und dann erst abends wieder», sagt sie. In der Zwischenzeit schmeisst sie den Haushalt.
Es ist eine anstrengende körperliche Arbeit, die dazu noch massgeblich vom Wetter mitbestimmt wird. Doch die Winzerei bereitet ihr viel Freude, ist Hobby, Beruf und Berufung zugleich – und für sie ein Grund, die Sommerferien hintanzustellen.
Früh übt sich
Mit 16 Jahren machte die Ustermerin die Ausbildung zur Winzerin. «Ich habe mich schon früh mit Wein beschäftigt – und das, obwohl ich ihn damals nicht mal mochte», erzählt Heusser.
Auf die Idee zur Winzerlehre kam sie über ihren Vater, der ebenfalls schon Rebstöcke kultivierte – ebenjene, die Eveline Heusser nun übernommen und erweitert hat.
Jetzt, viele Jahre später, unterstützt er mit 84 Jahren seine Tochter beim alltäglichen Treiben um die 8000 Rebstöcke nach wie vor.
Vier Traubensorten, zwei weisse und zwei rote, baut Eveline Heusser auf ihrem gepachteten Land an. «Es sind Sorten, die ich selber gerne mag – man muss ja schliesslich hinter dem Produkt stehen können, das man verkauft.» Die verschiedenen Sorten brauchen unterschiedliche Pflege. Umso mehr ist Fingerspitzengefühl gefragt.



Gemeinsam mit Rebfrauen und Rebzünftern steht sie bei sommerlichen Temperaturen bereits frühmorgens zwischen den Reben und umsorgt die Rebstöcke. «Jeder Stock wird individuell angeschaut, kranke Trauben werden abgezupft, und von Hand wird zwischen den Stöcken gemäht.» Eine Sisyphusarbeit.
Aus Traube wird Wein
Es gibt allerlei zu tun, bis im Herbst, meist zwischen Mitte September und Mitte Oktober, geerntet wird. Dann werden die Trauben in den Weinkellern zu Wein verarbeitet– das macht Heusser nicht selbst, arbeitet aber seit Jahren mit Partnern zusammen.
«Und so entstehen aus meinen Trauben wunderbare Schaumweine, Süssweine und klassische Rot- sowie Weissweine», sagt sie stolz. Diese verkauft sie dann in ihrem Lädeli in Nossikon, das von Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr und am Samstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet ist. Dort findet man nicht nur ihre Weine, sondern auch selbst gemachte Konfitüren, getrocknete Apfelringe und Fruchtschnäpse – bis hin zum Geschenkkorb.
Denn nicht nur die Reben, sondern generell die Landwirtschaft sind ihr eine Herzensangelegenheit. «Wir versorgen uns mit Früchten und Gemüse grösstenteils selbst», sagt die 48-Jährige.
Pfirsiche, Äpfel, Himbeeren, Gurken, Karotten, Tomaten und sogar Kiwis baut sie in ihrem Selbstversorger-Gärtli an. Dabei wird sie, gerade im Sommer, oft von Jugendlichen unterstützt.
Alles unter einem Hut
Seit Jahren engagiert sich Heusser nämlich für «Landdienstler». Also Jugendliche, die das landwirtschaftliche Leben kennenlernen wollen. Zwischen einer und teils bis über zehn Wochen kommen die jungen Helferinnen und Helfer auf ihren Hof, leben und arbeiten mit ihr.
«Ich mag das einfach – neue Leute, unterschiedliche Charaktere. Und ihnen etwas über die Landwirtschaft mit an die Hand zu geben.» Gerade auch deshalb ist es ihr im Sommer kaum möglich, eine Auszeit zu machen.
Familie, zwei Kinder, 8000 Rebstöcke, der Selbstversorgungsgarten und Jugendliche, denen sie etwas beibringt – da fragt man sich, wie sie das alles unter einen Hut bringt.

«Wer mit voller Überzeugung hinter einer Sache steht und mit Herzblut daran arbeitet, findet die Zeit», sagt sie. Ausserdem war arbeiten für sie schon immer «öpis Schöns» – sie sieht sich selbst mehr im Rebberg etwas «schaffen» als am Strand entspannen.
Ferien vor der Tür
Natürlich zieht es auch Eveline Heusser manchmal in die Ferien – doch die passen sich der Arbeit im Rebberg oft an. «Gerade im Sommer ist es schwierig, die Stöcke ausser Acht zu lassen, dann würde ich auch mit einem schlechten Gefühl verreisen.»
Dementsprechend geht es eher im Winter in die Skiferien, und im Sommer geniessen sie und ihre Familie die Zeit in der Region.
Kein Nachteil, wie sie findet: «Wenn über der Ustermer Burg die Sonne untergeht und ich auf meine Weinberge hinabschaue, dann geniesse ich die Ruhe – und habe das Ferienfeeling direkt vor der Tür.»
Sommerserie «Büeze in den Ferien»
Wer steht eigentlich den ganzen Tag am Glacestand, wenn Gross und Klein das Sommerwetter geniessen? Wer passt auf den geliebten Vierbeiner auf, wenn die Reise in ein fernes Land geht? Und wer kümmert sich darum, dass der Nachmittagsplausch auf dem Boot so läuft wie geplant?
In der fünfteiligen Serie stellen wir Ihnen Personen vor, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass andere die Ferien und die sonnige Sommerzeit geniessen können.
Teil 1 – Fellknäuel statt Ferien: Sie betreut vierbeinige Urlaubsgäste
Teil 2 – Bademeister in Bubikon hat seine Berufung gefunden
Teil 3 – Bootsvermieter in Pfäffikon hat auch nach 50 Jahren noch nicht genug
Teil 4 – Zwischen Frittieröl und Glace: Er liebt seinen Job im Badi-Kiosk Hinwil
Teil 5 – Diese Winzerin aus Uster macht Wein statt Ferien
