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Wirte in Uster wussten von nichts – Informationsdebakel noch grösser

Die Restaurants in Uster reagierten sofort, als sie von der Verunreinigung erfuhren. Doch nicht alle wurden direkt informiert. Nun üben sie Kritik.

Leng Ting ist Wirtin im Restaurant Hirschen in Nänikon. Eine offizielle Information zum verunreinigten Trinkwasser hat sie von der Stadt nicht erhalten.

Foto: Lennart Langer

Wirte in Uster wussten von nichts – Informationsdebakel noch grösser

Verunreinigtes Trinkwasser

Die Restaurants in Uster reagierten sofort, als sie von der Verunreinigung des Trinkwassers erfuhren. Doch nicht alle wurden direkt benachrichtigt. Nun üben sie Kritik.

«Zum Glück trinken meine Gäste vor allem Bier und Wein», sagt Leng Ting. Sie ist Wirtin im Restaurant Hirschen in Nänikon. Die Ustermer Aussenwacht war eines der Gebiete, die von Donnerstag bis Montag mit verunreinigtem Trinkwasser zu kämpfen hatten. Von der Verunreinigung habe sie erst am späten Donnerstagabend von einem Nachbarn erfahren, sagt Ting – und sofort reagiert. «Wir haben das Wasser abgekocht, um den Salat und das Gemüse zu waschen.»

Zuvor war der Betrieb im «Hirschen» ganz normal weitergelaufen. Dies, obwohl die Stadt Uster bereits seit dem Vormittag von der Verunreinigung gewusst hatte. Einen Anruf oder ein Schreiben hat Ting nicht erhalten. «Das hätte ich mir schon gewünscht.»

Sonst hat sich im Betrieb nicht allzu viel geändert. Auch von den Gästen habe sie keine Reaktionen erhalten, sagt die Wirtin. Trotzdem stand auf den Toiletten vorübergehend wieder Desinfektionsmittel bereit. «Es hat sich ein bisschen angefühlt wie während Corona.»

Kritik an Kommunikation

Nötig wurden die Massnahmen in Tings Restaurant, weil in Teilen von Uster während knapp fünf Tagen das Wasser aus der Leitung nicht trinkbar war. Betroffen waren neben Nänikon auch Werrikon sowie die Quartiere Niederuster, Riedikon und Teile von Kirchuster. Zum Gemüsewaschen oder Zähneputzen musste das Wasser abgekocht werden. Wasserflaschen waren in der Folge in verschiedenen Läden vorübergehend Mangelware.

Seit Montagvormittag fliesst wieder sauberes Wasser aus den Hähnen. Doch die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Kritik müssen vor allem die Stadt und die für die Wasserversorgung zuständige Energie Uster AG einstecken. Der Vorwurf: Man habe zu langsam reagiert und zu wenig umfassend informiert.

Gemeinderat will Aufarbeitung

Nun schaltet sich auch die Politik in die Diskussion über die Kommunikation zum verunreinigten Trinkwasser ein. In einer Mitteilung fordert die Interfraktionelle Konferenz im Namen aller Fraktionen und Parteien eine Aufarbeitung der Vorgänge.

«Alle Ratsmitglieder waren von der unklaren Kommunikation und der dadurch verursachten Verunsicherung betroffen», heisst es. Die Kommunikation sei zu spät erfolgt, ungenügend gewesen und habe für Verwirrung in der ganzen Ustermer Bevölkerung gesorgt. Man solle nun aus den gemachten Fehlern lernen.

Die Fraktionen werden deshalb über die zuständige Sachkommission beim Stadtrat gemeinsam einen Fragenkatalog einreichen. Im Anschluss an die Aufarbeitung soll die Bevölkerung entsprechend informiert werden. (lel)

Eine Kritik, die nicht nur aus der Bevölkerung und der Politik, sondern jetzt auch teilweise von Gastronomiebetrieben in den betroffenen Gebieten laut wird. Die zuständige Energie Uster AG beteuerte zwar, man habe alle sogenannten kritischen Betriebe frühzeitig informiert. Dazu hätten neben Altersheimen und dem Spital auch Gastronomiebetriebe und Lebensmittelhändler gehört. Doch offenbar kam die Information nicht überall an.

Ebenfalls nicht kontaktiert wurde das zweite Restaurant im Ortskern von Nänikon. Auch das Wirtepaar des «Löwen» hat weder einen Anruf, eine E-Mail noch ein Merkblatt erhalten. Direkte Konsequenzen hatte das Versäumnis der Wasserversorgerin jedoch nicht. «Glücklicherweise waren wir in den Ferien», erklärt Wirt Stephan Stalder.

Er ist enttäuscht über die aus seiner Sicht ungenügende Information. «Es braucht nun eine gründliche Aufarbeitung», findet er.

Kein Kaffee im «House of Mezze»

Lob erhält die städtische Kommunikation hingegen von Ali Abdel-Hassan, dem Inhaber des «House of Mezze» auf dem Ustermer Zeughausareal. Er hat im Gegensatz zu den Betrieben in Nänikon einen direkten Anruf und anschliessend eine E-Mail mit einem Merkblatt der Energie Uster AG erhalten. «Die Kommunikation war sehr gut», sagt er.

Porträtfoto eines Mannes im Hemd.
Ali Abdel-Hassan vom «House of Mezze» zeigt sich zufrieden mit der Kommunikation der Stadt.

Er vergleicht die Situation rückblickend ebenfalls mit der Corona-Pandemie. «Es ging darum, möglichst schnell und flexibel zu reagieren, um die Gäste nicht zu gefährden.» Im libanesischen Restaurant wurden das Gemüse und die Salate darum vorübergehend mit Mineralwasser gewaschen.

Obwohl er innerhalb weniger Tage gleich zwei Grossbestellungen für Wasserflaschen tätigen musste, erwartet Abdel-Hassan aber keine einschneidenden finanziellen Einbussen.

Die Gäste bekamen von den angepassten Abläufen im Hintergrund indes kaum etwas mit. «Nur vereinzelt haben sie uns auf die Massnahmen angesprochen.» Auf Nachfrage hätten die Mitarbeitenden die getroffenen Vorkehrungen im Restaurant transparent erklärt.

Spätestens beim Kaffee mussten die Restaurantbesucher allerdings trotzdem Abstriche machen. Die Maschine blieb nämlich während der gesamten Zeit bis zum Montag abgestellt.

Nicht alle Betriebe kontaktiert

Ähnlich wie beim «House of Mezze» lief die Kommunikation auch mit dem Werkheim Uster ab, wie die Institution für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bereits am Freitag bestätigte.

Gegen 16 Uhr am Donnerstagnachmittag seien die Handlungsanweisungen eingegangen, erklärte Anita Kupper, Leiterin Fachstelle Kommunikation des Werkheims. Unter anderem lag das vom Werkheim betriebene Restaurant 8610 am See im betroffenen Gebiet.

Eine kurze, nicht repräsentative Umfrage bei weiteren Gastronomiebetrieben im Ustermer Stadtzentrum zeigt jedoch, dass auch hier die Kommunikation nicht überall geklappt hat. Während einige Restaurants bestätigen, dass sie am Donnerstagnachmittag Anweisungen erhalten hätten, erreichte beispielsweise Athanasios Dailianis, den Pächter des Stadtpark-Grills, die Nachricht über das verschmutzte Wasser zufällig per Whatsapp.

«Die Kommunikation war schlecht», sagt Dailianis, der den Grill von der Stadt pachtet. Er hätte sich mehr Transparenz und eine klare Ansprechperson gewünscht. Im ersten Moment sei er davon ausgegangen, dass alles nicht so schlimm sein könne, wenn die Stadt nicht direkt informiere und das Wasser nicht gleich ganz abstelle.

Porträtfoto eines Mannes im T-Shirt.
Athanasios Dailianis hätte sich mehr Transparenz gewünscht, nimmt die Verantwortlichen aber auch in Schutz.

Er habe seine Mitarbeitenden trotz der fehlenden offiziellen Information noch am Donnerstagabend angewiesen, Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen und das Gemüse mit Wasser aus Flaschen zu waschen.

Dailianis nimmt trotz aller Kritik die Verantwortlichen auch in Schutz. «Ich möchte nicht in deren Haut stecken», sagt er. Im Nachhinein sei es immer einfach, zu urteilen. Es sollten sich alle Kritiker nochmals fragen, wie sie selbst in dieser Situation reagiert hätten.

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