Leben zwischen Himmel und Hölle im Oberland
Kuriose Ortsnamen
Nicht neu, aber trotzdem immer wieder interessant: Ortsbezeichnungen im Oberland. Heute mit Freude, Angst und Zuversicht.
Die grosse Baustelle an der Usterstrasse in Wetzikon sorgt bei einigen seit Monaten für Unmut. Nicht nur die Umleitung ist vielen ein Dorn im Auge, auch der Ausfall einer ganzen Buslinie sorgt für Ärger bei den Anwohnern. Mitten in der Baustelle herrscht aber Freude, und zwar seit Jahrzehnten.
Denn hier beginnt die Juheestrasse. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung deutet dies als Ort, der «manchen zu Freudenrufen anspornt». Vom Hügel gleich neben der Strasse, der ebenfalls mit «Juhee» gekennzeichnet ist, hat man tatsächlich einen wunderbaren Blick sowohl auf die Glarner Alpen als auch auf den Pfäffikersee, was den Betrachter an klaren Tagen zu einem spontanen Emotionsausbruch verleiten dürfte.
Die Juheestrasse führt zudem auf direktem Weg ins Ziel. Der Name des Quartiers Im Zil entwickelte sich wohl aus der Flurbezeichnung Zilacher und bezieht sich wahrscheinlich auf ein «an der Grenze gelegenes Feld». Dabei handelte es sich vermutlich um die Grenze der Herrschaft Greifensee, der Robenhausen angehörte.
Himmlische Himbeeri
Noch einmal etwas weiter östlich liegt das Gebiet Himmerich. Wer hier aber ein «Himmelreich» erwartet, wird enttäuscht. In seinem Buch «Geschichte der Gemeinde Wetzikon» beschrieb Felix Meier 1881 das Gebiet als «Gegend, wo viele Himbeeren wuchsen», auch «Himmeri» genannt.
Das einzige Himmelreich in der Region befindet sich im Weisslinger Ortsteil Theilingen. Dieser schweizweit verbreitete Flurname benennt häufig erhöht gelegene Örtlichkeiten, manchmal auch ertragreiche Rebgebiete.
Wer das Himmelreich mit dem Paradies gleichsetzt, liegt allerdings falsch. Letzteres liegt nämlich rund 15 Kilometer weit weg in Fällanden. Mit dem Namen Paradies wurden oft übertragen besonders schöne, sonnige Geländestücke oder sehr ruhige und schwer erreichbare Fluren bezeichnet.
Zwar ist das Fällander Paradies seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr verzeichnet. Doch die Verbindung zum Garten Eden als «Aufenthalt der Seligen» passt insofern, als dass am ursprünglichen Ort mittlerweile der Friedhof liegt. Auf der anderen Strassenseite liegt zudem ein weiteres «Ziel».
Viele Wege führen also zum Ziel oder in den paradiesischen Himmel – allerdings schwingt das Pendel auch in die andere Richtung. So befindet sich in Maur die Höll – oder besser gesagt die Hell.
Tatsächlich geht dieser Flurname auf Teufels Heimat zurück. Er bezeichnet abgelegene, steile, steinige und sumpfige und dadurch ertraglose Orte sowie Schluchten und Abgründe. Das Toponym ist in der gesamten Deutschschweiz verbreitet und kann laut dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung auch häufig flaches oder sanft vertieftes Kulturland bezeichnen. So spuckt das Portal rund 200 Treffer aus, wenn man nach «Höll» sucht.
Bildstock oder Richterspruch?
Ganz spezifisch ins Grauen geht es allerdings in Bubikon, wo ein dreiteiliger Flurname Hühnerhaut auslöst: Angst und Not. Im Dreigemeindeeck von Grüningen, Hombrechtikon und Bubikon liegt das Fleckchen, das zwar nicht durch ein Strassenschild markiert, aber auch auf aktuellen Karten immer noch so bezeichnet wird.
Es gibt zwei Deutungen für die Namensherkunft. Gemäss der einen geht der Name zurück auf die Bezeichnung eines vorreformatorischen Bildstocks, der als Andachtsort wohl die Angst und Not Christi auf dem Ölberg darstellte. Bildstöcke finden sich vor allem in der Nähe alter Pilgerwege.
Die andere Deutung: Angst und Not liegt am Weg von Dürnten zur Richttanne – die Verurteilten konnten sich vor der Todesstrafe retten, wenn sie das dortige Haus vor Ross und Reiter erreicht hatten, welche der Richter ihnen nachjagen liess. Die Gejagten pflegten zu rufen: «O, hilf mir Herr in meiner Angst und Not!» Die Tatsache, dass an der Richttanne nur ein Hofgericht tagte und dort keine Todesurteile gesprochen oder gar vollstreckt wurden, spricht allerdings gegen diese Theorie.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und sie ist in Dübendorf zu verorten. Die ehemalige Gastwirtschaft Hoffnig befindet sich südlich des Bereichs des heutigen Bahnhofs Stettbach und hat ihren Namen einerseits der Bushaltstelle Hoffnung und andererseits der Hoffnigstrasse, an der auch The Hall liegt, gegeben. Welch passende Bezeichnung für ein so aufstrebendes Quartier.
Serie «Kuriose Orts- und Strassennamen»
Eine Zürcher- oder eine Usterstrasse weist den Weg zur genannten Stadt, von der Tödi- oder der Mythenstrasse aus ist der jeweilige Berg zu sehen. Doch nicht immer verhält es sich mit der Benennung so einfach. Ein Blick auf Oberländer Orts- und Strassennamen – immer mit dem nötigen Augenzwinkern.
– Ein 1250-Jahr-Jubiläum, das gar keines ist
– Big Apple in Rüti und Perle des Mittelmeers in Wald
– Von Füchsen, Wölfen und Bären – oder auch nicht
– Nichts an seinem Platz? Strassen in Uster sorgen für Verwirrung