Ein Bauchentscheid, der durch den Magen geht
Chäslädeli Mönchaltorf
Nicole Blickenstorfer führt seit zwei Jahren das Chäslädeli in Mönchaltorf. Für die Quereinsteigerin die Erfüllung eines Traums.
Betritt man das Chäslädeli Blickenstorfer in Mönchaltorf, läuft einem ein Schauer über den Rücken. Der kleine Verkaufsraum ist hell und einladend, die Temperatur allerdings sehr kühl. So, wie es Käse eben gerne hat. Umso wärmer ist der Blick, den man von der Frau hinter dem Tresen zugeworfen bekommt.
Seit zwei Jahren führt Nicole Blickenstorfer das Chäslädeli. Ein kompletter Bauchentscheid: «Ich habe als Aushilfe bei meiner Vorgängerin gearbeitet», erzählt die 42-Jährige. «Als bei ihr die Pension anstand und sich die Frage einer Nachfolge eröffnete, sagte ich sofort zu.»
Probieren, probieren, probieren
Eigentlich ist sie ausgebildete Floristin. «Meine kreative Ader kann ich nun beim Zusammenstellen von Käseplatten ausleben.» Die letzten Jahre vor ihrer Anstellung im Chäslädeli hat sie allerdings im Kidz-Club Mönchaltorf im Hort gearbeitet und war lange Koordinatorin der Freizeitkurse.
Von der Blumen- zur Käseexpertin werde man nur auf einem Weg: «Durch Probieren», sagt Nicole Blickenstorfer strahlend. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht ein Stück Käse esse. «Wenn mein Arzt sagen würde, ich müsste auf Käse verzichten, wäre das sehr schlimm.»
Viel habe sie noch von ihrer Vorgängerin lernen können. «Und ich bin so oft wie möglich bei Käseproduzenten zu Besuch, um mich aus erster Hand zu informieren.»
Raclette im Sommer
Ihr Angebot umfasst rund 80 bis 100 wechselnde Käsesorten, auch ihr Lieblingskäse wechsle entsprechend. «Ich habe vom Appenzeller über Gruyère bis Emmentaler auch alle Klassiker vorrätig, allerdings im Hinterzimmer, nicht in der Vitrine präsentiert.» Der Platz sei schliesslich begrenzt.
Neben Käse bietet sie auch eine kleine Auswahl an regionalem Gemüse und Früchten, Brot aus Mönchaltorf sowie Eier, diverse Milchprodukte oder auch in der Gemeinde hergestellte Sirupe und Schnäpse an. In den Wintermonaten findet man bis zu 20 verschiedene Raclette-Sorten in der Auswahl. «Und im Sommer verschiedene Grillkäse – wobei ich in den letzten Monaten mit so viel Regen mehr Raclette- als Grillkäse verkauft habe.»
Im Rahmen des Turnfests, das Anfang Juni in Mönchaltorf stattfand, war im Chäslädeli ein offizieller Turnfestkäse erhältlich. «Dieser kostete ein Franken mehr als üblich, das gesammelte Geld kam dem Turnfest zugute.» Die Organisatoren des Turnfests seien mit dieser Idee auf sie zugekommen. «Da war ich natürlich sofort dabei – und ich war überrascht, wie gut diese Aktion gelaufen ist.»
Ihre Kunden stammen grösstenteils aus Mönchaltorf und den umliegenden Gemeinden, die meisten sind Stammkunden. Die Öffnungszeiten sind an den Stundenplan ihrer drei Kinder im Alter zwischen 14 und 17 Jahren angepasst. «Wenn der Jüngste dann auch in der Ausbildung und am Mittag nicht mehr zu Hause ist, werde ich wohl noch öfter im Lädeli stehen.»
Harte Arbeit, die sich auszahlt
Viel mehr wachsen kann oder soll ihr Geschäft aber gar nicht. «Einerseits vom Platz her, und andererseits möchte ich möglichst viel selbst stemmen können.» In der Weihnachtszeit, wenn Fondue und Raclette Hochsaison haben, sei sie allerdings auf Aushilfen angewiesen.
Der Entscheid, das Lädeli zu übernehmen, sei ihr so leichtgefallen, weil sie sowieso davon träumte, einmal den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. «Ich wusste von Anfang an, dass man mit einem so kleinen Laden keine Millionärin wird», sagt Nicole Blickenstorfer. «Es ist harte Arbeit, aber sie und die Kunden machen mich glücklich.»