Nun weht die Schuler-Fahne auf dem Farner
Ab auf die Hütte
Vom Tal auf die Alp und dazu noch Berufswechsel: Monika und Manuel Schuler steigen doppelt um und übernehmen Hof sowie Gasthaus auf dem Farner.
Wer in diesen Tagen zur Farneralp hoch wandert, dürfte von hellem Glockenklang empfangen werden. Seit zwei Monaten grasen auf den Weiden hinter der Walder Reha-Klinik nicht nur Kühe, sondern auch 75 Ziegen.
Diese gehören Monika und Manuel Schuler, den neuen Besitzern der Farneralp. Mit dem jungen Ehepaar aus dem schwyzerischen Euthal sind noch weitere neue Bewohner auf den Hügelzug auf 1145 Metern Höhe gezogen. Zwei Katzen, Hühner und zehn Kühe gehören zum eigenen Bestand.
Und seit wenigen Tagen auch noch ein Kälbli. «Das ist die erste Geburt hier oben gewesen», erzählen die beiden. Über den Namen des Tiers sind sie sich noch nicht einig. «Aber es dürfte schon etwas mit ‹Farner› sein», meint Manuel Schuler.


Einen Wunsch hat sich die 29-jährige Monika Schuler auch noch erfüllt: Zwei Freiberger stehen beim Stall. «Diese Pferde sind geländegängiger als andere Rassen – das, was es hier oben braucht.» Und vor allem hat es auf der Farneralp genug Platz für die Tiere.
Das gutmütige Alpvieh
Wie unter der vorherigen Besitzerin, der Alp Farner AG, ziehen den Sommer über weiterhin Rinder und Mutterkühe vornehmlich von Zürcher Höfen zusätzlich auf den schön gelegenen Fleck mit Aussicht auf die ganze Zürichseeregion und sogar bis zu den Schwyzer Bergen, wo Manuel Schuler aufgewachsen ist. 84 dieser tierischen Sommergäste weiden dieses Jahr hier oben. Zwei von ihnen haben auch schon Nachwuchs gekriegt, ein drittes Tier wird demnächst abkalben.
«Wir haben wirklich super Alpvieh», betont Manuel Schuler. So habe es bisher noch keine Probleme mit Wanderern gegeben. Bis diese und Velo fahrende Gäste auf der Farneralp einkehren können, dauert es noch einige Tage. Für die Schulers musste die Alp in erster Priorität bereit sein für die Sömmerung. Dazu gehörte etwa das Hagen. Viele Zäune tragen sechs Drähte übereinander. Das verhindert einerseits, dass die Geissen sich davonmachen können, andererseits schützt das auch gegen den Wolf.
Wiedereröffnung vorgezogen
«Eigentlich wollten wir das Restaurant erst im Herbst eröffnen. Doch dann haben wir uns umentschieden», meint Monika Schuler. «Wir möchten im August Erfahrungen sammeln mit Blick auf die Hochsaison im Herbst.» So wird der Betrieb nach fünfmonatigem Unterbruch – bis Ende Februar hatten noch die vormaligen Pächter gewirtet – am 9. August wieder aufgenommen.

Zurzeit wird der Gastbetrieb wieder auf Vordermann gebracht. Der Boden der Gartenwirtschaft wird gekärchert, das ganze Lokal geschmückt. Bereits hängen Blumenkistchen – und oben beim am nächsten gelegenen Mast eine ganz besondere Fahne: Auf blauem Grund steht über einem grünen Dreiberg das silberne Hauszeichen – drei Kreuze –, begleitet von drei sechsstrahligen, goldenen Sternen. Das Familienwappen der Schwyzer Schuler flattert nun auf St. Galler Boden, der über eine Strasse nur vom zürcherischen Wald her zu erreichen ist.
Beide führen angestammte Berufe fort
Schulers sind doppelte Quereinsteiger. Der 39-jährige Manuel Schuler ist seit 14 Jahren Oberstufenschullehrer in Einsiedeln und unterrichtet Mathematik, Turnen, Lebenskunde und Werken. Doch 2018 hat er auch eine Landwirtschaftsschule abgeschlossen und seither mit seinen Ziegen, aber auch auf einem Bauernhof viel praktische Erfahrung gesammelt. Monika Schuler ist im Zürcher Unterland auf einem Bauernhof aufgewachsen und liebt wie ihr Mann die Arbeit mit Tieren. Sie ist diplomierte Pflegefachfrau.
Wirklich neu ist für das Paar daher nur der Gastrobereich. Die beiden haben zwar von ihren Vorgängern viele Tipps erhalten. Und Monika Schuler wird auch noch einen Kurs besuchen. Sie sind aber froh, dass sie auf die Hilfe der Familie und von Freunden zählen können.
«Wir sind jedenfalls zuversichtlich, dass wir alles stemmen können, und freuen uns auf die vielen tollen Begegnungen», meint die neue Alpbesitzerin. Das Vorziehen des Restaurant-Eröffnungstermins hat aber mit sich gebracht, dass die Tage seit ihrem Einzug auf der Farneralp am 28. Mai für die zwei lang geworden sind. Dies umso mehr, als beide weiterhin in ihren angestammten Berufen arbeiten. Sie haben aber ihre Pensen so weit reduziert, dass das Gasthaus jeweils an den vier Tagen von Freitag bis Montag offengehalten werden kann.
Manuel Schuler will den aktuellen Klassenzug beenden. Das heisst, dass er im kommenden Schuljahr noch die dritte Sek-Klasse betreut. Seine Schüler gehörten zu den ersten Gästen auf der Farneralp – der Lehrer zeigte ihnen auf der Schulreise, wo er nun zu Hause ist. Und sie erlebten, dass es dort oben ganz schön blasen kann. Zwei Zelte hielten dem Gewitter nicht stand. Die Kinder fanden dann alle im Haus ein festes Dach über dem Kopf.
Der Winter – die grosse Unbekannte
Während für Monika Schuler der Arbeitsweg nach Altendorf durch den Umzug auf den Farner etwa gleich lang geblieben ist, ist dieser für Manuel Schuler von 8 auf 55 Minuten angewachsen. Ob er im Winter dann noch länger wird, hängt vom Schnee ab.
Immerhin haben die beiden schon vorgesorgt: Ein neu angeschafftes Quad, das sich auf Raupen umrüsten lässt, soll die Fahrt hinunter zum Parkplatz in der Chrinnen möglich machen. Mit 953 Metern über Meer ist dies der unterste Punkt des Schuler-Territoriums. Die Farneralp umfasst knapp 40 Hektaren landwirtschaftliche Nutzflächen und Alpwiesen sowie 23 Hektaren Wald. Der höchste Punkt liegt auf dem 1224 Meter messenden Farnergrind.


«Aber letztlich lassen wir die kalte Jahreszeit mal auf uns zukommen», meinen die beiden. Und vielleicht bringt der Winter ja dann auch noch etwas mehr Musse, um die weitere Umgebung kennenzulernen. «Vorläufig werden wir dafür noch keine Zeit haben», sagen sie und machen sich ans Misten und Putzen.
Sommerserie «Ab auf die Hütte»
Im Sommer zieht es viele Menschen in die Höhe. Eine beliebte Destination sind die zahlreichen Hütten und Alpen im Oberland und im Tösstal. Was sind das für Menschen? Und wer sorgt dafür, dass der Betrieb immer reibungslos läuft? In einer mehrteiligen Serie zeigen wir Ihnen verschiedene Hütten in der Region – und die Menschen, die sie ausmachen.
Teil 1 – Poo-Alp ob Wald
Teil 2 – Hochwacht in Egg
Teil 3 – Farneralp ob Wald
