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Bootsvermieter in Pfäffikon hat auch nach 50 Jahren noch nicht genug

Während andere ihre Ferien geniessen, arbeiten sie in der Bootsvermietung. Einer davon bereits seit gut einem halben Jahrhundert.

Von Ostern bis Ende November bietet die Bootsvermietung Schaufelberger Ruderboote an.

Foto: Jan Gubser

Bootsvermieter in Pfäffikon hat auch nach 50 Jahren noch nicht genug

Büeze in den Ferien

Ueli Wegmüller ist seit gut einem halben Jahrhundert bei der Bootsvermietung Schaufelberger am Pfäffikersee. Auch wenn er schon pensioniert wäre, möchte er noch nicht aufhören.

Wenn alle noch schlafen, ist Ueli Wegmüller bereits wach. Um vier bis fünf Uhr morgens steht er bei der Bootsvermietung Schaufelberger am Pfäffikersee auf der Matte. Er muss rund 30 historische Boote vorbereiten, die über den Tag vermietet werden. «Ich mache das lieber ganz früh, da ich dann meine Ruhe habe», sagt der 66-Jährige.

In die Ruderboote gerät über Nacht gerne mal Wasser. Dieses pumpt der Vermieter mit einer Art Staubsauger wieder aus. Am Steg befestigt er sie schliesslich; nun sind die Boote bereit für den Einsatz.

Am frühen Morgen kommen vor allem Fischer vorbei. Sie nehmen eines der Boote, fahren auf den See hinaus, werfen dort ihre Angeln aus. Wegmüller sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

Die Boote

Jedes der Ruderboote ist ein Unikat mit einem Wert von 20’000 bis 30’000 Franken. Sie sind mühselig in Handarbeit entstanden. Die Boote sind gut 80 bis 100 Jahre alt und bieten Platz für zwei bis fünf Personen.

Die Saison dauert ungefähr von Ostern bis Ende November. Im Winter werden alle Boote aus dem Wasser gehievt und mit Hochdruck gereinigt. Nach dem Trocknen wird der Lack abgekratzt, das Boot geschliffen und neu lackiert.

Ueli Wegmüller arbeitet seit jeher bei der Bootsvermietung. Auch wenn er bereits pensioniert ist, denkt er nicht ans Aufhören. «Ich bin viel lieber hier und habe mit den Menschen zu tun, als allein zu Hause zu sitzen.» Als er in seinen jungen Jahren auf der Suche nach einem Job war, wurde er bei der Bootsvermietung fündig. Mittlerweile ist er gut 50 Jahre hier angestellt.

Hinter der Bootshütte – dem Kiosk und ersten Anlaufstelle für die Kundschaft – hat es sich Wegmüller an diesem Freitagmorgen gemütlich gemacht. Er wartet auf Kundschaft, die mit einem der Boote auf den Pfäffikersee rudern will.

Zufrieden sitzt er in seinem Stuhl. Daneben steht ein Aschenbecher. Bis am Abend wird er noch die eine oder andere Zigarette rauchen. Kurze Hosen, ärmelloses Shirt und eine Kappe trägt er heute. Später wird es schliesslich heiss.

Die ersten Gäste kommen

An diesem Morgen sind nur wenige Leute unterwegs. Das Zwitschern der Vögel und die tief stehende Sonne verleihen dem Start in den Tag den nötigen Charme. Der Ausblick auf die andere Seeseite verspricht eine malerische, idyllische Landschaft.

Nun muss der 66-Jährige erst mal warten. «Die meisten Leute mieten am Nachmittag ein Boot», erklärt Wegmüller. Allerdings ist er auch für den Kiosk zuständig. Kalte Getränke und Glace werden hauptsächlich verkauft. Neben der Bootsvermietung ist das eine wichtige Einnahmequelle.

Ab und zu schauen Leute bei Wegmüller vorbei und tauschen sich mit ihm aus. Er kennt hier so manche Gesichter. Schliesslich lebt er von klein auf in Pfäffikon. Und auch die frei lebenden Tiere vertrauen scheinbar dem Bootsvermieter. Immer wieder lassen sich Vögel, Enten und Schwäne auf dem Steg hinter der Bootshütte mit dem Kiosk blicken und suchen Wegmüllers Nähe.

Ein Boot für zwei

Zu Mittag isst der 66-Jährige bei der Arbeit. Dafür nimmt er meistens etwas mit. So ist er immer zur Stelle, wenn jemand rudern gehen will.

Gegen halb zwei möchte ein Paar auf den See hinausfahren. «Wir hätten gerne das schnellste Boot mit einer Minibar», sagt der Mann mit leichtem Schalk. Schnelle oder langsame Boote gibt es nicht. Die Geschwindigkeit hängt vollumfänglich von der Kraft der Person ab, die im Boot sitzt.

Wegmüller führt das Paar zu den Booten, löst die Kette vom Steg und stabilisiert das Boot. Die Kundschaft steigt ein. Das Boot gerät leicht ins Schwanken. «Die Leute müssen sich in der Mitte hinsetzen, dann kann das Boot nicht kippen.» Er gibt dem Boot einen leichten Stoss; das Paar rudert davon. «Dieses Paar mietet öfters ein Ruderboot», erklärt Wegmüller.

Für einen Ausflug auf den See benötigt es keine Reservation. «Man kann einfach vorbeikommen und ein Boot mieten. Das machen die meisten so.»

Das grosse alte Schiff

Die Bootsvermietung bietet neben den Ruderbooten aber auch Ausflüge mit einem Motorboot an. Die bald 120 Jahre alte «Tödi» ist noch voll im Schuss. «Mit diesem Schiff machen wir Rundfahrten auf dem Pfäffikersee», erklärt Kapitän Hanspeter Bieri. Auf dem Boot gibt es Platz für gut 35 Personen.

Bieri ist sogleich der Mitbesitzer der Bootsvermietung Schaufelberger. Gemeinsam mit seinen zwei Schwestern Silvia Zeindler und Barbara Glaus-Bieri hat er den Betrieb der Eltern übernommen. Sie führen das Geschäft in der dritten Generation, arbeiten allerdings zu 60 Prozent in anderen Unternehmen.

«Ich mag die Abwechslung zwischen meinem anderen Job und der Bootsvermietung», sagt Bieri. Er investiert im Sommer wie auch im Winter viel Zeit in den Unterhalt der Boote.

Fahrten mit dem «Tödi» darf Bieri durchführen, sofern eine Gruppe vorher reserviert hat. Die Vorgaben für Rundfahrten sind wegen des Naturschutzes streng. So dürfen nur eine limitierte Anzahl an Fahrten pro Jahr mit dem Motorboot durchgeführt werden.

Ausfahrt mit «Tödi»

Heute ist es aber möglich. Eine Gruppe von rund 30 Menschen dreht mit Bieri eine Runde auf dem Pfäffikersee. Der Motor startet – kaum hörbar. «Vor ungefähr sieben Jahren mussten wir den Dieselmotor ersetzen. Da haben wir uns entschieden, auf einen Elektroantrieb zu wechseln», so der 49-Jährige. «Wir waren damals das erste Fahrgastschiff in der Schweiz.»

Das Boot ist schnell vorbereitet. Am Heck steckt er eine Schweizerfahne in eine Halterung. Die Oberflächen putzt er kurz mit einem Lappen. Das Schiff soll in vollem Glanz erstrahlen.

Unterwegs führt der Weg an zwei Fischern vorbei. Der eine hat gerade einen Fisch am Haken. Dieser wehrt sich aber mächtig, wodurch sich die Angel stark durchbiegt. Plötzlich löst sich die Spannung von der Rute – der Fisch ist weg.

Bootsvermietung am Pfäffikersee.
Ein Fischer hatte beim Angeln weniger Glück.

Weiter vorne auf dem See ist das Paar zu sehen, welches «ein schnelles Boot mit Minibar» verlangt hatte. «Die waren jetzt aber wirklich schnell», konstatiert Bieri über die offenbar geübten Ruderer.

Auf den letzten Kilometern der Rundfahrt erfüllt Bieri schliesslich den Wunsch von einem der Fahrgäste. «Komm, jetzt darfst du mal das Schiff steuern.» Er gibt dem jungen Mann eine kurze Anweisung. «Unser Ziel ist der Kirchturm da vorne», Bieri zeigt auf das Gebäude der Reformierten Kirchgemeinde Pfäffikon. Der Mann benötigt einige Versuche, bis er den Dreh raus hat.

Nach einer guten Stunde geht es zurück an den Steg und zurück zu Ueli Wegmüller, der wieder auf seinem Stuhl Platz genommen hat. Er ist bereits wieder mit Leuten im Gespräch, die er kennt. So schnell wird es ihm bei seiner Arbeit nicht langweilig.

Sommerserie «Büeze in den Ferien»

Wer steht eigentlich den ganzen Tag am Glacestand, wenn Gross und Klein das Sommerwetter geniessen? Wer passt auf den geliebten Vierbeiner auf, wenn die Reise in ein fernes Land geht? Und wer kümmert sich darum, dass der Nachmittagsplausch auf dem Boot so läuft, wie geplant? In der fünfteiligen Serie stellen wir Ihnen Personen vor, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass andere die Ferien und die sonnige Sommerzeit geniessen können. (mpg)

Teil 1 – Fellknäuel statt Ferien: Sie betreut vierbeinige Urlaubsgäste

Teil 2 – Bademeister in Bubikon hat seine Berufung gefunden

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