Alt Bundesrat Maurer warnt in Wila vor Identitätsverlust
Bundesfeier in Wila
Die 1.-August-Feier in Wila markierte für Ueli Maurer den Abschluss eines intensiven Tages. Dabei gab er den volksnahen Patrioten. Und fügte sich damit nahtlos in einen Abend voller National- und Kommunalstolz ein.
Auf sanften Hügeln hoch über Wila thront sie, die Aussenwacht Manzenhub. Hier feierte die Gemeinde den Nationalfeiertag – mit all dem, was es dazu braucht: Lampions, einem Höhenfeuer, dem «Schweizerpsalm», (Lokal-)Patriotismus und einem Redner mit Profil.
Bevor alt Bundesrat Ueli Maurer ans Rednerpult trat – oder eben nicht, denn er schien es zu bevorzugen, seinen Zuhörern auf Augen- beziehungsweise Ohrenhöhe zu begegnen –, wandte sich Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) ans Publikum.
Seine Ansprache strotzte vor Stolz auf die 2000-Seelen-Gemeinde. «Wila ist mehr als ein Ort, an dem man wohnt», holte Mösch aus, «es ist Identität, ein Ort, auf den man stolz sein kann.»
Geschmeidiger hätte die Überleitung zum Hinweis auf den neuen Verkaufsstand mit Wila-Merchandise kaum ausfallen können. An diesem verkaufte die Gemeinde erstmals Tassen, Sackmesser, T-Shirts und Hoodies mit dem Landenberger-Wappen. Sogar ein Onlineshop ist geplant.




Mösch versicherte zwar, dass dieser Effort keine Antwort auf Fusionsforderungen sei, und doch kam man nicht umhin, die Omnipräsenz des Wilemer Kommunalstolzes auch mit den aktuellen Diskussionen zu verknüpfen.
«Wir sagen immer, dass wir stolz sind auf unser System, gleichzeitig aber zentralisieren wir immer mehr und fördern auf kantonaler Ebene Fusionen mit Millionen von Steuerfranken», betonte er in seiner Rede. Dabei sei der Vorteil des Systems doch gerade, dass man sich in wichtigen Fragen nicht fremdbestimmen lassen müsse von nicht direkt Betroffenen.
Alt Bundesrat Maurer und Gemeindepräsident Mösch trennen einige Jahre. «Aber eines hat sich in Ihrer wie unserer Generation nicht geändert», meinte Mösch, «wir setzen uns für das Erbe des Erfolgsmodells Schweiz ein, damit wir es möglichst unversehrt weitergeben können.»
Pfeiler eines Erfolgsmodells
Jenes «Erfolgsmodell Schweiz», es sollte noch öfter erwähnt werden an diesem Abend. Denn mit Maurer sprach nun nicht nur einer, der die Armee einst als beste der Welt betitelt hatte, sondern auch die Schweiz als das beste Land auf Erden sah.
Er zeichnete das mit historischen Anekdoten und kurzen Exkursen in die Geschichtsbücher gespickte Bild eines Lands, das sich stets für seine Unabhängigkeit einsetzte, ja dafür kämpfte. Das Fundament dafür würden die Neutralität, die föderale Struktur und die direkte Demokratie bilden. «Bei uns hat jeder einzelne Kanton mehr zu sagen als ein Staat in der EU!»

Und doch gelangte er zum Schluss, dass trotz all der Exzellenz eben nicht alles gut sei in diesem Land. Er nahm die Demenzanzeichen Joe Bidens zum Anlass, darüber zu sinnieren, ob auch ein Land dement werden könne. «Weil dement zu werden heisst, dass man nicht mehr weiss, wo man hinwill, und seine Identität verliert.»
Die Schweiz, so der ehemalige Bundesrat, entferne sich zusehends vom Urgedanken der Eidgenossenschaft. Dann folgte ein Muster der spätestens seit seiner Rücktrittsrede bekannten «Man darf es fast nicht mehr sagen»-Litanei.
Schweiz soll Erbe bewahren
Der Staat schreibe einem zunehmend Dinge vor, etwa, was man essen dürfe und was nicht. «Ich esse heute deshalb erst recht Fleisch», schob er nach – und erntete dafür Szenenapplaus. Gegen Ende der Ansprache kam er, wie eingangs bereits Mösch, auf das Erbe der Schweiz zurück, das es seiner Meinung nach zu bewahren gilt.
Später suchte Maurer gewohnt volksnah das Bad in der Menge – und schien sich dabei wie zu Hause zu fühlen. Ein würdiger Abschluss des Redenmarathons, der ihn zuvor auf den Flumserberg, in den Thurgau und nach Bauma geführt hatte.
Derweil genossen andere das Lodern des Höhenfeuers oder liessen den Abend im Heubode-Schuppen, zur Musik des Trios Berner Örgeliplausch schunkelnd, ausklingen.
