Krimiautorin erkundet Sternenberg für ihr neustes Buch
Unterwegs im Oberländer ÖV
Ganz allein fahren die Schriftstellerin und ihr Ehemann am Mittwochnachmittag nach Sternenberg. Ihre Mission: Eindrücke für einen neuen Krimiroman sammeln.
Es ist ruhig an diesem Mittag. Der Bahnhof in Bauma scheint kaum belebt. Nur das Rauschen der vorbeischnellenden Autos auf der Hauptstrasse bildet die Geräuschkulisse. Auf dem Vorplatz der Busstation schlendern eine Frau und ein Mann umher. Sie warten auf das Postauto der Linie 809.
Die beiden Stadtzürcher führt ein besonderer Grund ins Oberland. Die 56-jährige Petra Ivanov ist Krimiautorin und erkundet die Geschichte ihrer fiktiven Figur. Die Autorin verbindet ihren Krimi mit echten Lebenswelten. Ihr Ehemann Andreas Näf begleitet sie dabei. Zurzeit arbeitet sie an ihrem neusten Buch – rund zwei Jahre investiert sie dafür. Gut 30 Bücher stammen bereits aus Ivanovs Feder.
Ab nach Sternenberg
In Bauma steigen sie ohne andere Fahrgäste in das Postauto, sie werden die Einzigen auf dieser knapp 20-minütigen Fahrt bleiben. «Das Postauto ist ja viel kleiner, als ich gedacht hätte», bemerkt Ivanov. Es sind die Details, auf welche die Autorin achtet. Der Krimiroman soll so authentisch wie nur möglich werden. Für die Nähe ihrer Geschichten am wahren Leben sei sie auch bekannt, ergänzt Näf.
Ihr Ziel ist die Endstation und mit rund 900 Metern über Meer zugleich die höchste im Kanton Zürich – Gfell, Sternenberg. Von dort aus wollen sie zum Hörnli und anschliessend nach Steg wandern. «Es hat im Roman auch sportliche Figuren», sagt der 61-jährige Ehemann.
Zu viel möchte Ivanov nicht über ihr neues Buch verraten, das im Herbst nächsten Jahrs erscheinen soll. Für heute hofft sie, auf dem Weg Wald anzutreffen. Sie lässt sich gerne davon überraschen, was sie vor Ort entdeckt.
Die Busfahrt führt über kurvige Strassen in das 400-Seelen-Dorf. Ivanov guckt abwechselnd links und rechts aus dem Fenster, um den Ausblick zu erfassen. Mit ihrem Smartphone dokumentiert sie ihre Eindrücke; Notizen macht sie sich keine. Das Paar scheint ausgeglichen, gespannt und zufrieden zu sein.
Kein Leben auf dem Land
Das Postauto fährt nur an wenigen Häusern vorbei. «Hier könnten wir nicht wohnen. Das wäre uns schon etwas zu abgeschieden», sagen die beiden. Näf braucht die Nähe zur Familie. Schliesslich ist er auch schon Grossvater und verbringt gerne Zeit mit seinen Enkelkindern.
Und für die Autorin wäre es schlichtweg unpraktisch. Denn abends ist Ivanov oft an Lesungen. Der hiesige Bus transportiert die Fährgäste lediglich siebenmal täglich von Bauma nach Sternenberg und wieder zurück. Das würde die 56-Jährige zu stark einschränken.
Ein Blick durchs Fenster lässt auf sonniges Wetter hoffen. Denn die Sonne dringt immer wieder durch die Wolken hindurch. Näf hat aber keine Regenjacke im Gepäck, es ist schliesslich angenehm warm. Dafür hat das Paar den Proviant selbst dabei. «Es ist uns zu unsicher, ob die Gasthöfe hier oben dann wirklich offen haben», sagt Ivanov. Vielleicht gebe es später aber noch einen Kaffee. Und tatsächlich hatte der Gasthof auf dem Hörnli geschlossen, wie Ivanov ein paar Tage später mitteilt.
Bei der Endstation angekommen, fassen Ivanov und Näf ihre Rucksäcke und machen sich auf den Weg. Schon bald wollen sie nochmals vorbeikommen. Auf dem Plan steht dann das Erkunden der Höhle Hagheerenloch.
In der fünfteiligen Serie «Unterwegs im Oberländer ÖV» lassen wir Passagiere im Oberland ihre Geschichten erzählen. Sie verraten uns, wohin sie gehen, von wo sie kommen oder was sie an Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln schätzen.