Big Apple in Rüti und Perle des Mittelmeers in Wald
Kuriose Ortsnamen
Nicht neu, aber immer wieder interessant: Ortsbezeichnungen im Oberland. Heute mit Feriendestinationen in Griffnähe.
Laut Google Maps dauert es rund zehn Stunden, um von Wetzikon auf die italienische Mittelmeerinsel Elba zu fahren, Fähre inklusive. Dabei ginge es so viel schneller. Denn nach Elba in der Gemeinde Wald braucht man weniger als 20 Minuten.
An der Bushaltestelle Elbastrasse gleich vor der Sporthalle Elba in Wald ist zwar von Palmen und Sandstränden wenig zu sehen – im Gegenteil. Und trotzdem: Gemäss dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung sei die Bezeichnung Anfang des 19. Jahrhunderts aufgekommen, als der französische Kaiser Napoleon Bonaparte auf die Insel Elba verbannt wurde.
Da der Ort den Eingang zum Elbatal und damit einer eher dunklen Ecke der Gemeinde liegt, wurde er metaphorisch als Ort der Verbannung und damit als Elba bezeichnet. Zudem sei die ehemalige Fabrik im Elbatal relativ schwer zu erreichen gewesen, was ebenfalls namensmotivierend gewesen sein dürfte. Auf der Erstausgabe der Dufourkarte von 1845 ist Elba jedenfalls bereits eingetragen.
Zwei Legenden
Etwas weniger abgelegen liegt das hiesige Neu York. Dieses liegt nur gerade zehn Autominuten weit weg von Elba, und zwar in Rüti. Ganz am Ende der Neu-York-Strasse befindet sich der Bauernhof, der diesen Namen trägt.
Als es ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine grosse Auswanderungswelle der Schweizer Bevölkerung nach Nordamerika gab, soll ein Bauer seinem Sohn einen Hof unter der Bedingung gebaut haben, dass er hierbleibe. Dieser taufte den Hof entsprechend seines gewünschten Auswanderungsziels.
So lautet zumindest eine Theorie. Gemäss einer zweiten Geschichte soll ein Bauer nach Amerika ausgewandert – aber auch schnell wieder zurückgekommen sein. Obwohl es ihm in Übersee nicht gefallen hatte, wurde sein Hof im Volksmund von da an nur noch Neu York genannt.
So oder so: Auf der historischen Karte nach J. Wild um 1850 fehlt der Eintrag noch, auf der Siegfriedkarte von 1880 ist das heutige Quartier dann eingezeichnet.
Wem sowohl das Walder Elba als auch das Rütner Neu York immer noch zu weit weg ist, der bleibt lieber daheim. Die Daheimstrasse befindet sich übrigens in Tann.
Serie kuriose Ortsnamen
Eine Zürcher- oder Usterstrasse weist den Weg zur genannten Stadt, von der Tödi- oder Mythenstrasse aus ist der jeweilige Berg zu sehen. Doch nicht immer verhält es sich mit der Benennung so einfach. Züriost legt in diesem Sommer den Blick auf Oberländer Orts- und Strassennamen – immer mit dem nötigen Augenzwinkern.
Bisher erschienen: Ein 1250-Jahr-Jubiläum, das gar keines ist