Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Ein 1250-Jahr-Jubiläum, das gar keines ist

Die Gemeinde Russikon wollte ihre erstmalige urkundliche Erwähnung feierlich begehen. Nun hat sich diese als historischer Irrtum entpuppt.

Die Freude auf das geplante Fest in Russikon war nur von kurzer Dauer. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Ein 1250-Jahr-Jubiläum, das gar keines ist

Kuriose Ortsnamen

Nicht neu, aber trotzdem immer wieder interessant: Ortsbezeichnungen im Oberland. Heute mit einem historischen Irrtum in Russikon.

Almut Berger

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, lautet ein geflügeltes Wort. Also sich auch ohne einen (wichtigen) Anlass eine gute Gelegenheit zum Feiern nicht entgehen lassen.

Die Gemeinde Russikon geht den umgekehrten Weg. Und sagt alle Feierlichkeiten für ihr 1250-Jahr-Jubiläum ab. Dabei sollte solch ein gewichtiges Jubiläum doch mehr als nur eine gute Gelegenheit zum Feiern sein, dürfte man meinen. Und das meinten auch die Russikerinnen und Russiker. Bis vor Kurzem. Aber von Anfang an.

Den Anfang macht eine Schenkungsurkunde

Am 27. Januar 2025 wäre es auf den Tag genau 1250 Jahre her, dass der Name Russikon das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Und zwar in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen.

In einem schriftlichen Vertrag, der im Stiftsarchiv des Klosters aufbewahrt wird, übereigneten damals die Gutsherrin Emthrudis und ihr Sohn Gärwin die Siedlung Roadgisinchova oder auch Hroadgisinchova demselbigen. Dieser Ortsname hat sich im Laufe der Jahrhunderte zum heutigen Russikon gewandelt.

Nachzulesen ist das im Band I der zweiteiligen Chronik der Gemeinde Russikon «Von der Urzeit bis 1798», verfasst von Hans Keller, 136 Seiten, 82 Illustrationen, erschienen am 14. Dezember 1998.

In grosser Schrift steht Chronik der Gemeinde Russikon, darunter das Gemeindewappen; ein schwarzer Löwe auf gelbem Hintergrund.
Dass die Siedlung Roadgisinchova am 27. Januar 775 dem Kloster St. Gallen übertragen wurde, ist unbestritten. Dass es sich dabei, wie in der Dorfchronik geschrieben, um Russikon handelt, ist hingegen falsch.

Die Vorbereitungsarbeiten für das 1250-Jahr-Jubiläum der erstmaligen urkundlichen Erwähnung Russikons nahmen denn auch ihren Lauf. Geplant war unter anderem eine Ausstellung der besagten Urkunde in der Stiftsbibliothek St. Gallen und verschiedene Aktivitäten während des kommenden Jahrs, die auf das historische Ereignis hinweisen sollten.

Anfrage beim Stiftsarchiv sorgt für Vollbremsung

Bis, ja, bis eine Anfrage beim Stiftsarchiv St. Gallen erbrachte, dass mit «Hroadgisinchova» oder «Roadgisinchova» gar nicht Russikon gemeint ist. Sondern Rüeggshausen in der Gemeinde Bubikon.

Auch die in der Russiker Chronik ohne Datum und Quelle erwähnte Form «Ruochzinkon» habe nicht identifiziert werden können, schreibt die Gemeinde dazu. Woher die Autoren die Zuschreibung an Russikon nähmen, sei nicht ganz klar. «Ihr dürfte wohl eine frühere Hypothese zugrunde liegen, die aber bereits 1986 nicht mehr aktuell war.»

Da die erste urkundliche Nennung von Russikon somit nachweisbar nicht am 27. Januar 775 stattgefunden hat, entfallen alle diesbezügliche Aktivitäten seitens der Gemeinde.

Seitens der Gemeinde wohlgemerkt. Vielleicht finden sich ja ein paar Russikerinnen und Russiker, die am 27. Januar 2025 trotzdem ein Festli auf die Beine stellen wollen. Schliesslich muss man die Feste feiern, wie sie fallen. Also auch ohne einen (wichtigen) Anlass.

Und wer weiss, vielleicht schauen ja auch ein paar Rüeggshausener auf ein Bier und eine Wurst vorbei. Es sei denn, diese stellen nun ebenfalls ein Fest auf die Beine. 1250 Jahre Rüeggshausen – ein Jubiläum, das tatsächlich eines ist.

PS: Der Band I der Russiker Chronik soll nun mit einem Korrigendum ergänzt werden, das auf die falsche Herleitung hinweist.

Serie kuriose Orts- und Strassennamen

Eine Zürcher- oder Usterstrasse weist den Weg zur genannten Stadt, von der Tödi- oder Mythenstrasse aus ist der jeweilige Berg zu sehen. Doch nicht immer verhält es sich mit der Benennung so einfach. Ein Blick auf Oberländer Orts- und Strassennamen – immer mit dem nötigen Augenzwinkern.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns