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Darum sind diese drei Windradgebiete noch nicht ganz vom Tisch

Zu den drei Eignungsgebieten für Windenergie sollen dereinst drei weitere kommen. Ob das passiert, hängt mit dem Flugverkehr zusammen.

Schwingen auf dem Pfannenstiel: In einigen Jahren könnten sich über den Köpfen der Leute – hier eine Aufnahme des Schwingets 2017 – auch grosse Rotoren drehen. Der grosse Hügel figuriert als Windpotenzialgebiet.

Foto: Christian Merz

Darum sind diese drei Windradgebiete noch nicht ganz vom Tisch

Status Zwischenergebnis

Im Oberland sind drei Eignungsgebiete für Windparks erst provisorisch vorgemerkt. Zum Umgang mit diesen potenziellen Standorten sind noch viele Fragen offen.

«Zwischenergebnis»: Diesen Titel tragen kantonsweit 15 Gebiete, die sich nach Meinung der Zürcher Baudirektion auch für die Gewinnung von Windenergie eignen. Mit 50 Windrädern sollen sich dort jährlich 370 Gigawattstunden realisieren lassen. Damit würde Strom für 30’000 bis 60’000 Wärmepumpen produziert. Diese «Zwischenergebnis»-Gebiete sollen dereinst zu den 20 Eignungsgebieten hinzukommen, die schon bald im kantonalen Richtplan festgesetzt werden könnten.

Platz für zwei bis zehn Turbinen

Drei der 15 Gebiete mit dem Status «Zwischenergebnis» liegen in der Region. Da ist das kleine Fuchsbüel auf der Pfäffiker Seite des Pfäffikersees, wo zwei Windräder installiert werden könnten. Im Unterschied zu den anderen Gebieten, die vom Kanton ins Auge gefasst worden waren, wurde das Hittnauer Fuchsbüel von privaten Initianten als Potenzialgebiet vorgeschlagen.

Karte der Windpotenzialgebiete für Windräder im Zürcheroberland. Geeignet sind Batzberg, Hombergchropf und Schönwis. Fuchsbüel, Hermatswil und Pfannenstil sind als Zwischenergebnis markiert.
Karte der Windpotenzialgebiete im Zürcher Oberland. Geeignet sind Batzberg, Hombergchropf und Schönwis. Fuchsbüel, Hermatswil und Pfannenstiel sind als «Zwischenergebnis» noch zurückgestellt.

Etwas weiter nördlich liegt das Gebiet Hermatswil, wo vier Anlagen zu stehen kommen könnten. Und dann ist es der Pfannenstiel. Mit zehn Turbinen wäre das kantonsweit der grösste Windpark.

Windräder stören den Radar

Baudirektor Martin Neukom (Grüne) erklärte vor einer Woche bei der Präsentation der Windenergiestrategie des Kantons, dass diesen 15 Standorten gemein sei, dass es dort noch Probleme mit der Flugsicherheit gebe.

Konkret kann das Rotieren der Windräder die Radarsysteme der Flugzeuge und der Flugsicherung stören. Während im Fall von Hermatswil die Einwände vor allem vom Militär kommen, melden beim Fuchsbüel und beim Pfannenstiel die Armee wie auch die Flugsicherung Skyguide Bedenken an.

Situation kann sich innert 15 Jahren ändern

Neukom meinte, in absehbarer Zeit könnten diese Konflikte wohl gelöst werden, entweder mit technischen Anpassungen an den Anlagen für die Aviatik oder mit Anpassungen an den Windrädern. Oder auch, indem ein Anflugsektor auf den Flughafen Kloten oder den Militärflugplatz Dübendorf verschoben werde.

Im Grundlagenbericht zur Windenergieplanung wird betont, dass diese Potenzialgebiete mit «Zwischenergebnis»-Status nur zurückgestellt, aber nicht ausgeschlossen würden. So wird damit gerechnet, dass sich die Situation innerhalb des Planungshorizonts von 15 Jahren ändert.

Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion, hält zu diesen Gebieten, die sich quasi in einer Warteposition befinden, fest: «Sie sind vorgemerkt für eine allfällige spätere Festsetzung, aber eben zurückgestellt. Es wurde eine grundsätzliche Eignung aufgrund der Windgeschwindigkeiten, der Erschliessungsfähigkeit und des Fehlens von Ausschlussgründen infolge von Schutzgütern festgestellt. Sie können jedoch erst ‹ins Spiel› kommen, wenn die Konflikte mit anderen Nutzungsinteressen gelöst sind.»

So steht denn laut Bollack fest, dass eine Festsetzung dieser «Zwischenergebnis»-Gebiete im Richtplan noch nicht möglich ist. «Ein Upgrade zu einer Festsetzung wäre theoretisch möglich. Dafür müssten aber zuerst die Hinderungsgründe beseitigt werden.»

Allerdings ist klar, dass es diese vorgemerkten Eignungsgebiete braucht, um das kantonale Windenergie-Ausbauziel bis 2050, nämlich 735 Gigawattstunden pro Jahr, zu erreichen. Mit den kantonsweit 20 Eignungsgebieten – mit dem Batzberg, dem Standort Schönwis und dem Hombergchropf liegen drei in der Region – können voraussichtlich nur 530 Gigawattstunden erreicht werden.

Prozedere noch offen

Zunächst muss sich in der nun angelaufenen öffentlichen Phase der Richtplanrevision und dann im Kantonsrat weisen, ob es bei diesen vom Regierungsrat vorgeschlagenen Festsetzungen bleibt und wie mit diesen «Reservegebieten» verfahren werden soll.

Wie Bollack betont, steht fest, dass diese provisorischen Eignungsgebiete den ganzen Richtplanprozess durchlaufen müssen, sollten sie dereinst als definitiv festgesetzt werden. Ein Problem ist, dass der Kanton Zürich im Umgang mit solchen «Zwischenergebnissen» erst wenig Erfahrung hat.

Im geltenden Richtplan gibt es das bisher einzig bei einem Ausbauvorhaben der A1 bei Winterthur. «Viele andere Kantone verwenden das Instrument des Koordinationsstands jedoch regelmässig, zur Vororientierung – oder um den Abklärungsstand zu dokumentieren», wie der Mediensprecher der Baudirektion festhält.  

Noch offen ist laut Bollack, ob alle 15 vorgemerkten Windpotenzialgebiete in 15 Jahren gemeinsam nochmals unter die Lupe genommen werden oder ob dies individuell pro Gebiet geschieht, wenn beispielsweise ein Investor Interesse anmeldet. Grundsätzlich sei aber eine Einzelanpassung denkbar, sofern eines dieser Gebiete alle Voraussetzungen für eine Festsetzung erfülle. «Dies geht jedoch nicht ohne Anhörung der betroffenen Gemeinden und eine Beratung im Kantonsrat», unterstreicht Bollack.

Auerhuhn vertreibt Windparkpläne

Von den insgesamt 52 Windpotenzialgebieten, die der Kanton auf deren Eignung prüfte, sind nun 17 ganz aus dem Verfahren gestrichen worden. Bei sechs gab es einen Konflikt mit der Fliegerei, da sie sich zu nahe an Flugplätzen oder unmittelbar in Anflugzonen befinden. Gleich fünf davon liegen in der Region, nämlich der Nussberg bei Zell, die Wildberger Luegeten, das Furtbüel zwischen Weisslingen und Russikon, der Russiker Schlossberg und schliesslich auch der Bachtel.

Elf weitere kippte der Kanton, weil der potenzielle Energienutzen tiefer gewichtet wurde als Schutzanliegen. In der Region ist das der Fall beim Schauenberg, beim Stoffel, beim Baschlisgipfel auf Fischenthaler und Bäretswiler Boden, beim Gossauer Altenberg und schliesslich auch beim Hüttchopf und bei der Brandegg bei Wald und Fischenthal.

Wilder Auerhahn auf dem Hügelzug Höhronen.
Auerhühner, hier eine Aufnahme eines wilden Auerhahns auf dem Hügelzug Höhronen, sind in der Schweiz sehr selten.

Das letzte Potenzialgebiet bodigte ein Tier oder genauer eine Vogelart im Alleingang – und zwar das Auerhuhn. Die Bestände nehmen seit Jahrzehnten in ganz Mitteleuropa deutlich ab. In der Schweiz gibt es nur noch etwa 1000 Auerhühner. Die Tiere haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und reagieren empfindlich auf Störung durch den Menschen.

Blick auf den Hüttchopf hinter Wald.
Die Gegend rund um den Hüttchopf bleibt wegen der Präsenz von Auerhühnern frei von Windrädern.

Wie die Baudirektion festhält, hatte sie im Evaluationsverfahren mehrere Rückmeldungen erhalten, dass im Gebiet des Hüttchopf und der Brandegg Auerhühner zu finden sind. «Wäre dieses Vorkommen in der ersten Phase bekannt gewesen, wäre das Gebiet damals gar nicht aufgenommen worden», schreiben dazu die Autoren der «Windenergieplanung Kanton Zürich». Die Präsenz des seltenen Tiers führte jedenfalls dazu, dass dieses Potenzialgebiet gar nicht mehr weiter untersucht und bewertet, sondern gleich ausgeschlossen wurde.

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