Seine Kunst lebt in Wald und ganz Europa weiter
Trauer um «Lozzi»
Der Walder Künstler Yvan Pestalozzi stirbt im Alter von 86 Jahren. Mit seinem eigenen Museum in Wald erfüllte sich der Erschaffer des «Lozziwurms» vor wenigen Jahren noch einen grossen Traum.
«Denken wie ein reifer Mensch – sich freuen können wie ein Kind», so lautete das Lebensmotto von Yvan Pestalozzi mit dem Künstlernamen «Lozzi». Sein ganzes Leben widmete er seiner Leidenschaft, der Kunst. Am 3. Juli ist er im Alter von 86 Jahren verstorben.
Die Bandbreite seiner Arbeit ist riesig. Bekannt sind vor allem seine kleinen, beweglichen, filigranen Drahtplastiken. Er kreierte aber auch mehrere Tonnen schwere Eisenplastiken, Windspiele, Riesenkugelrollbahnen oder Insektenobjekte. Erfindungen gehören auch zu seinem Repertoire, wie beispielsweise die Seifenblasenmaschine aus den 1980er Jahren. Und sogar Kurzfilme realisierte er. Der berühmte «Lozziwurm» ist mit 100 Exemplaren auf Schulhaus- und Parkanlagen in ganz Europa verteilt.
Früh an Kunst interessiert
Eines ist klar: Er lebte seinen Traum. Seinen Traum, Kunst zu kreieren. Geboren wurde der Vollblutkünstler am 13. Dezember 1937 in Glarus. Nach einer Möbelschreinerlehre wollte er sich als Künstler weiterbilden, was damals aber nicht möglich war. «Für das, was ich für meine Tätigkeit lernen wollte, gab und gibt es weder eine Berufs- noch eine Schulbildung», heisst es auf seiner Website. So wagte er 1964, mit jungen 27 Jahren, den Schritt in die Selbständigkeit.

«Lozzi» arbeitete für Unternehmen und die öffentliche Hand, aber auch für Private. Oft wurde er mit dem verstorbenen Künstler Jean Tinguely verglichen. Ein Vergleich, den er selber aber gar nicht mochte.
Neben dem berühmten «Lozziwurm» erschuf Pestalozzi auch die in der Region bekannte «Mückenschwarm»-Plastik auf dem Kreisel beim Militärflugplatz in Dübendorf. Seine Kunst sollte vor allem eines sein: humorvoll. So kreierte er 2009 Zeckenfiguren mit den Gesichtern von bekannten ehemaligen Bankdirektoren und Firmenchefs mit Spielzeuggeld im Mund. Das Werk nannte er «Abzecker», was eine Anlehnung an Abzocker, die Millionenboni kassierten, sein soll.

«Lozzi» wollte den Menschen mit seiner Kunst ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wie er einst selber sagte, als er sein Museum in Wald eröffnete: «Mein Ziel ist, dass die Leute, die mein Museum mit einem ‹Lätsch› betreten, es mit einem Lachen wieder verlassen.»
Neben seinem Humor wünschte sich Pestalozzi den Weltfrieden. Eines seiner letzten Projekte nannte sich «Traumschloss der Religionen». Eine Grossplastik, die verschiedene Weltreligionen vereinen soll. 40 Meter lang, 30 Meter breit und 25 Meter hoch sollte diese werden. Für dieses Projekt war der Künstler bis zuletzt auf der Suche nach einem geeigneten Platz im Oberland und nach Sponsoren.
Traum vom eigenen Museum
Um seine Kunst der Öffentlichkeit zu zeigen, setzte er sich jahrelang für sein eigenes Museum ein. Angefangen im Jahr 2012, gründete er die Stiftung Lozzi Museum. Er ging zusammen mit den Mitgliedern des Stiftungsrats auf die Suche nach einem Ort, um seine Arbeiten auszustellen.
Knapp zehn Jahre später, im Sommer 2021, war es dann endlich so weit. «Lozzi» eröffnete in der Villa Flora in Wald sein erstes Museum, in dem er 100 Exponate ausstellte. So ganz zufrieden war er dort aber nicht. Seinen Wunsch nach mehr Platz erfüllte sich der Künstler zwei Jahre später mit dem Umzug ins Bleiche-Areal – ebenfalls in Wald.
Das Museum bleibt auch nach dem Tod des Künstlers geöffnet. Ihm widmete er auch einen seiner letzten Wünsche: Anstatt Blumen wünschte er sich nämlich lieber Spenden für sein Museum.
Weitere Informationen zum Museum und zum Spendenkonto finden Sie auf www.lozzi-museum.ch.
