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«Warum bringt er nicht die Kampfameise?»

Auch im Tösstal wurde Fussball geguckt. Beim Fluchen hielten sich die Fans nicht zurück.

Bis die Runde Appenzeller serviert ist, ist das Ausgleichstor schon gefallen. Noch ist alles offen.

Foto: André Gutzwiller

«Warum bringt er nicht die Kampfameise?»

Public Viewing in Wila

Wenn Fussball läuft, mangelt es nicht an Kommentatoren. So auch beim EM-Spiel der Nati im Restaurant Frieden in Wila.

André Gutzwiller

Es ist Samstag 18.00 Uhr, im Public Viewing im Restaurant Frieden in Wila haben sich gut 40 Personen eingefunden. Nach dem Anpfiff gibt es schnell starke Aktionen vor dem Englischen Tor, die von hilfreichen Kommentaren begleitet werden.

Jemand bemerkt: «Die hören euch nicht.» In der 25. Minute erhöhen sich die Torchancen für die Schweizer, die Spannung im Zelt fängt an zu knistern. Ein Kindersprechchor skandiert bei jeder Strafraum Aktion «Drabliebe!»

Halbzeit, wie vorhergesagt prasselt heftiger Regen auf das Zeltdach, der Kommentator wird übertönt. In der 51. Minute wird Embolo vor dem generischen Tor unsanft gestoppt. Ein Raunen, begleitet von Fluchwörtern, die hier nicht abgedruckt werden können, geht durch die Menge.

Kein Fussball ohne Fluchen

Fünf Minuten später eine ähnliche verpatzte Torchance. «Tami namal», das darf hier gerade noch gedruckt werden. Verzweiflung macht sich breit der Ball geht und geht nicht ins Tor. Vargas und Rieder werden gegen Zuber und Widmer ausgetauscht. Aus einer Ecke vernimmt man die Frage: «Warum bringt er nicht die Kampfameise?»

Kurz vor der 75. Minute hört man aus der Küche einen Aufschrei, dort wird der Match am Radio mitgehört, die gute alte Radiowelle ist schneller als das Internet. Das Resultat wird im Fernseher bestätigt, die Hände fliegen in die Luft. Als es wieder ruhiger wird, bemerkt jemand das sogar die Kirchenglocken läuten, was sie aber immer tun um diese Zeit.

Der England-Fan

Hastig wir in der Küche eine Runde Appenzeller für alle vorbereitet, als das Tablett serviert wird ist der Ausgleichstreffer der Engländer bereits gefallen. Nur einer bestellt einen Whisky und outet sich damit als einzigen Englandfan, er möchte hier lieber anonym bleiben.

Die Nachspielzeit bringt keine Veränderung im Resultat. Das schicksalshafte Penaltyschiessen fordert die letzte Energie im Publikum, die Spannung ist kaum auszuhalten. Konsterniert nimmt man den entscheidenden Treffer der Engländer zur Kenntnis. Deprimiert und frustriert wird noch eine letzte Flasche bestellt und die Zeche bezahlt. Das grosse Fussballfest findet ein andermal statt.

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