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Wetzikerin will 650 Legehennen vor Schlachtung retten

Obwohl Hühner bis zu zehn Jahre alt werden können, erleben die meisten ihr zweites Lebensjahr nicht. Eine Wetzikerin will das ändern – mit Erfolg.

Wenn die Regensdorfer Hühner kein neues Zuhause finden, werden sie geschlachtet.

Foto: PD

Wetzikerin will 650 Legehennen vor Schlachtung retten

Hühner suchen ein neues Zuhause

Für hunderte Hühner hat es sich bald ausgelegt und ausgelebt. Simone Maurer startet darum einen Aufruf, der Leben retten kann.

Legehennen fangen mit ungefähr 18 Wochen an, Eier zu legen. «Dann sind sie etwa ein Jahr lang rentabel für die Betriebe», sagt Simone Maurer, Vereinspräsidentin des Lebenshofs Sinulay in Wetzikon. «Danach werden sie geschlachtet und ersetzt.»

Obwohl Hühner rund fünf bis zehn Jahre alt werden können, erleben die meisten Legehennen ihr zweites Lebensjahr nicht mehr. Denn nach gut einem Jahr kommen sie in die Federmauserung, während der sie für einige Wochen keine Eier legen – ein wortwörtliches Totschlag-Kriterium für viele Betriebe, die sich diese Eierausfälle nicht leisten können.

Obwohl viele Hühner danach noch jahrelang Eier legen, werden sie oft ausgemustert. «Das ist ein kurzes Leben», so Maurer.

Eine zweite Chance

Deshalb will sie nun bereits zum sechsten Mal mithelfen, diesen wirtschaftlichen Kreislauf zu unterbrechen – oder zumindest den ausgemusterten Hühnern eine Chance auf ein Leben zu geben.

«Ich arbeite seit Jahren mit einem Eierbetrieb in Regensdorf zusammen», so Maurer. Der Besitzer habe Freude an den Tieren, könne es sich aber nicht leisten, die Hühner länger zu halten. Deshalb müssen neue, junge und profitable Legehennen her – und die alten raus.

«Es schmerzt den Besitzer selbst, aber wer einen solchen Betrieb führen will, muss wirtschaftlich denken», erklärt Maurer. Der Hühnerbauer gebe seine Tiere deshalb gerne in liebevolle Hände, die ihnen ein neues Zuhause schenken wollen. Stichtag dafür ist der 20. Juli. Die Tiere, die bis dahin keine neuen Besitzer gefunden haben, werden zu Fleisch verarbeitet.

Eine gackernde Freude

Deshalb sucht Simone Maurer nun nach neuen Besitzern für die 650 Legehennen, die bald ihr Dasein auf dem Regensdorfer Hof fristen. «Ich möchte die Hühner an Menschen abgeben, welche die Tiere als Familienmitglieder sehen», so Maurer.

Rund 300 der Tiere seien schon zur Rettung reserviert worden – für neue Halter, die zwischen 2 und 30 der Legehennen übernehmen. «Es braucht einiges, um Hühner halten zu können», erklärt Maurer. Ein Garten, etwas Fachwissen und Freude an den gackernden Freunden.» Die Hühner seien oft sehr schnell sehr zutraulich, könnten gestreichelt und aus der Hand gefüttert werden.

Die zu rettenden Legehennen müssen am 20. Juli auf dem Hof in Regensdorf abgeholt werden. Wenn jemand gerne Hühner übernehmen möchte, aber genau dann nicht kann, solle man sich bitte trotzdem melden, wie Maurer sagt. Unter Umständen könne sie einige Tiere zur Überbrückung zu sich nehmen, bis die Besitzer aus den Ferien zurück sind oder alles vorbereitet haben.

Wer sich also vorstellen kann, in Zukunft ein paar neue Freunde im eigenen Garten zu begrüssen und täglich frische Eier fürs Frühstück zu haben, darf sich gerne bei Simone Maurer unter www.lebenshof-sinulay.ch melden. «Wir sind um jedes Interesse froh», beteuert Maurer. «Jedes Huhn, das eine zweite Chance erhält, ist ein Erfolg.»

Wenn Sie dieses Jahr keine Hühner übernehmen können, generell aber Interesse an der Tierrettung, Patenschaften oder einer Geldspende haben, freut sich Simone Maurer auf eine Kontaktaufnahme.

Süss wie Sirup

Simone Maurer selbst hält 35 Hühner, hat die meisten davon ebenfalls aus Legehennenbetrieben. Auf ihrem idyllischen, kleinen Hof, unweit des Wetziker Bahnhofs, hat sie sich einen kleinen Lebenstraum verwirklicht: Neben den Hühnern leben hier Hasen, Schildkröten, zwei Minischweine, drei Pferde, vier Hunde und einige Schafe.

Die Tiere stammen aus Haushalten oder Landwirtschaftsbetrieben, die nicht mehr für sie sorgen konnten. «Viele von ihnen wären eingeschläfert oder geschlachtet worden, wenn wir sie nicht übernommen hätten. Bei uns können die Tiere ein Leben ohne Verantwortung oder Aufgabe führen. Sie dürfen einfach Tier sein.»

Auch Sirup, ein Lammbock, und sein Geschwisterchen hätten keinen Verwendungszweck für den Besitzer gehabt, weshalb Maurer die beiden übernahm und mit der Flasche aufzog. Sirup war glücklicherweise stark genug und ist heute dreieinhalb Monate alt – das Geschwisterchen habe es jedoch nicht geschafft.

«Mit Verlusten muss man halt leben, wenn man so viele Tiere um sich hat», sagt Maurer. Dennoch sei jeder Tod ein herber Rückschlag, gerade auch für die dreijährige Tochter Liva.

Doch die Freuden überwiegen. Sirup beispielsweise ist fromm wie ein Lamm – und zutraulich wie ein Welpe. Der junge Bock trottet Simone Maurer auf Schritt und Tritt hinterher und ist oft auch allein auf Erkundungstour über die Felder der Familie. «Da geht einem doch das Herz auf», schwärmt Maurer. Dasselbe wünscht sie sich nun auch für die Regensdorfer Hühner: Die Chance auf ein glückliches Leben.

Maurer erklärt, was es braucht, um Hühner zu halten

Hühner sollten in Gruppen von mindestens drei Tieren gehalten werden. Sie brauchen einen sicheren Stall mit guter Belüftung, Sitzstangen, Legenestern, Futter- und Wassergebinden. Zudem brauchen die Hühner einen Auslauf (je grösser, desto besser), welcher mit einem Sandbad sowie Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet ist. Für die Hühnerhaltung braucht es einiges an Fachwissen, da diese gerne Parasiten wie die rote Vogelmilbe oder Würmer haben und erst spät Krankheitsanzeichen zeigen. Ideal ist es, wenn man täglich das Kotbrett reinigt und die Einstreu mindestens einmal wöchentlich ersetzt. So gewährleistet man einen stets sauberen Stall und gutes Klima.

Der Zeitaufwand und die Kosten variieren stark nach Anzahl der Tiere und dem, was man ihnen bieten möchte. Für unerfahrene Hühnerhalter gibt Simone Maurer Kurse für den richtigen Umgang mit den Tieren.

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