Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Wo sind die Markt-Anreisser in Effretikon?

Eine Anfrage, eine Analyse und ein Fazit: Wer in Effretikon Märkte fördern will, muss sich selbst darum kümmern. Der Stadtrat hilft aber dabei.

Regelmässig verkauft Bauer Ueli Schmid seine Früchte und Gemüse auf dem Marktplatz in Effretikon.

Foto: Ueli Schmid

Wo sind die Markt-Anreisser in Effretikon?

Freiwillige vor

Eine Anfrage, eine Analyse und ein Fazit: Wer in Effretikon Märkte fördern will, muss sich selbst darum kümmern. Der Stadtrat hilft aber dabei.

Für Ueli Schmid ist es fast schon Familientradition. Seit Generationen verkaufen die Schmids Früchte und Gemüse auf einem Markt in Effretikon. Früher noch an der Tagelswangerstrasse in der Nähe des heutigen Ada Market. «Das haben schon meine Eltern so gemacht», sagt der Bauer. Und seit über 40 Jahren handelt er mit seiner Ware auf dem Marktplatz in Effretikon. Schmid ist einer von drei Verkäufern dort.

Wieso gibt es nicht mehr? Das hat sich auch der grüne Parlamentarier Urs Gut gefragt und den Stadtrat damit konfrontiert. So erhielt dieser durch ein Postulat die Aufforderung, Massnahmen zu prüfen, um das Marktwesen in und um Illnau-Effretikon auszubauen. Oder zumindest Möglichkeiten dafür aufzuzeigen.

Bislang hat Effretikon den Wochenmarkt, der mittwochs und samstags auf dem Märtplatz stattfindet, den Herbstmarkt im Oktober und den Frühlingsmarkt im April. Doch für die Unterzeichnenden des Antrags ist das Potenzial des Platzes noch nicht ausreichend ausgeschöpft.

Der Stadtrat ging dem nach. Er analysierte die Situation, machte Befragungen und zog Vergleiche zu Wochenmärkten aus anderen Gemeinden. Das schätzte Urs Gut. Doch ihm fehlte etwas. «Ich bin ein bisschen enttäuscht von der Antwort. Ausser dass der Wochentag für den Frühlings- und den Herbstmarkt vom Donnerstag auf den Samstag verschoben wird, wurden keine weiteren konkreten Massnahmen genannt», sagt Gut. Er hätte sich etwas mehr Initiative vom Stadtrat gewünscht.

Dieser sieht das aber anders. «Es ist nicht primär Aufgabe der Stadt, das Marktwesen voranzutreiben. Dazu braucht es die Initiative von Privaten oder einem Verein», sagt Stadtschreiber Peter Wettstein.

Stadtrat bietet Unterstützung

Damit ein Markt langfristig bestehen bleiben kann, braucht es einiges mehr als einen guten Willen. Es braucht eine Organisation, helfende Hände und ein grosses Engagement. Dass dies möglich sein kann, hat bereits der Wochenmarkt in Pfäffikon bewiesen.

Jener Wochenmarkt hat sich so etablieren können, dass die Marktfahrer selbst um eine Verlängerung der Saison gebeten haben. Dafür müssen sich die Marktfahrerinnen und -fahrer aber auch selbst engagieren und ihren Teil dazu beitragen, sei es beim Aufbau oder bei der Organisation.

Und dafür möchte der Stadtrat seine Unterstützung anbieten. «Diese ist nicht abschliessend definiert und kann darum je nach Bedarf viele Formen haben. Wie beispielsweise mit einer Anschubfinanzierung», so der Stadtschreiber. Dafür brauche es aber ein klares Konzept.

Ausserdem will der Stadtrat als Versuch den Herbst- und den Frühlingsmarkt, die von der Stadt selbst organisiert werden, auch jeweils am Samstag lancieren statt unter der Woche. Sozusagen als Test, ob das besser funktionieren würde.

Gesunder Wettbewerb?

Bauer Schmid findet das eine gute Idee. Er selbst sehe auch Potenzial in einem ausgebauten Marktwesen. Auch wenn das für ihn Konkurrenz bedeutet. «Natürlich wäre mir lieber, wenn ich meine Ware ohne Mitstreiter verkaufen könnte», gesteht er. Doch in einem Wettbewerb sieht er keine Gefahr: «Das könnte sogar gut für die Kundschaft sein, denn als Verkäufer muss man sich da mehr Mühe geben.»

Mehr Verkäufer könnte heissen, dass mehr Menschen kommen. Was wiederum heissen könnte: mehr Umsatz. «Ich würde nicht blind Ja zu einer Erweiterung sagen. Man muss das Konzept erst anschauen», sagt der Bauer.

Ueli Schmid ist einer der Händler, die auch einen Hofladen betreiben. «Das haben wir aber erst seit der Pandemie. Denn dort wurde es plötzlich nicht mehr möglich, auf den Markt zu gehen. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen.» Für ihn kommt aber der Hauptumsatz vom Markt. «Von dort gehe ich also nicht so schnell.»

Umsatz stimmt nicht immer

Er hat aber in all den Jahren schon viele Marktfahrer kommen und gehen sehen. «Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Einige kommen vielleicht von weiter her, und dann lohnt sich der Aufwand nicht», sagt Schmid. Für ihn ist klar, dass es mal mehr Kundschaft geben wird, mal weniger. Das gehöre einfach dazu. «Aber wenn man seine Stammkundschaft hat, dann ist das wertvoll.»

Im Bericht des Stadtrats wird erklärt, dass für viele Marktfahrer der Umsatz nicht gereicht habe und diese sich darum gegen einen Stand oder lange Markttage entschieden hätten. Parlamentarier Gut meint, dass vielleicht die Bedingungen attraktiver gemacht werden sollten, sodass es sich nicht nur für die Kundschaft lohne, sondern auch für die Händler.

«Aber ich selbst mache ja auch nicht aktiv mit. Ich habe diesen Vorstoss eingereicht als Chance, um das Thema aufzunehmen», sagt Gut. Das Postulat wurde vom Parlament abgeschrieben. Der Stadtrat bleibt offen für Markt-Anreisser und deren Konzepte.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns