Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Päcklidieb in Greifensee klaut auch Velos und Trottis

Ein Päcklidieb treibt in einer Überbauung in Greifensee sein Unwesen. Sein Beuteschema erweitert sich jedoch merklich.

Der Inhalt ist wichtig, der Rest kann weg: Der Päcklidieb in Greifensee scheint zielgerichtet vorzugehen. (Symbolbild)

Foto: Bruno Sigg

Päcklidieb in Greifensee klaut auch Velos und Trottis

Vor eigener Haustür bestohlen

Aufgerissene, leere Kartonschachteln, achtlos hinters Gebüsch geworfen – ein Bild, das sich den Anwohnern einer Wohnsiedlung in Greifensee regelmässig präsentiert. Betroffene sind verzweifelt.

Die Wohnsiedlung an der Burstwiesenstrasse in Greifensee ist gross. Trotzdem ist an diesem Vormittag nur das Zwitschern der Vögel hörbar, die sich auf den vielen Bäumen rund um die Wohnblocks tummeln.

Eine friedliche Gegend. Doch die Idylle trügt: Ein Päcklidieb soll hier sein Unwesen treiben. Besonders betroffen sind die Mieter von drei Überbauungen.

Anna Nowak (Name von der Redaktion geändert) sitzt auf dem Sofa in ihrer hellen Wohnung. Auf ihrem Schoss sitzt ihr kleiner Sohn, der sich noch ganz verschlafen an sein Mami schmiegt.

Man sieht eine Überbauung in Greifensee.
Auf den ersten Blick wirkt alles friedlich in der Siedlung in Greifensee.

Die Verärgerung steht Nowak ins Gesicht geschrieben. Bereits mehrere Male wurde sie Opfer des dreisten Diebs. «Was kann ich nur dagegen tun?», fragt sie mit einem verzweifelten Unterton.

Als ihr zum ersten Mal ein Paket gestohlen wurde, dachte sie noch, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handeln würde. Deshalb meldete sie den Diebstahl nicht bei ihrer Versicherung an. «Heute bereue ich diese Entscheidung.»

Dieb ist wählerisch

Normalerweise bestelle sie keine teuren Produkte. Dass der Dieb ausgerechnet zuschlug, als sie eine Tasche im Wert von 500 Franken geliefert bekam, ist für sie kein Zufall.

Der oder die Diebe scheinen selektiv vorzugehen, abschätzen zu können, was zu Geld gemacht werden könnte. «Ein Paket mit Babysachen wurde zwar aufgerissen, der Inhalt – Nuggi und Pflegeprodukte – wurde aber in der Schachtel zurückgelassen.» Rund um die Häuser habe sie immer mal wieder aufgerissene Kartons herumliegen sehen.

Bei einem weiteren ihrer Päckli habe der Dieb den Inhalt mitgenommen und die leere Schachtel dann einfach im Stromschrank im Treppenhaus entsorgt.

Ähnliches erzählt Seher Yosma-Sari, eine andere Mieterin: «Bei einer Nachbarin wurde ein Paket vor der Haustür gestohlen. Die Schuhe, die sich darin befanden, nahm der Dieb mit, die leere Schachtel hat er einen Stock weiter unten vor unsere Tür geworfen.»

Deshalb hegen viele der Betroffenen den Verdacht, dass der Dieb aus der näheren Umgebung stammt. «Es muss eine Person sein, die sich in den Häusern auskennt oder ein gutes Blickfeld auf die Überbauung hat», vermutet Nowak.

Der Hauswart Milos Simeunovic erklärt allerdings, dass sich auch externe Personen Zutritt in die Häuser verschaffen könnten – durch die Tiefgarage. Fahre ein Mieter mit seinem Auto in die Garage ein, bleibe das Tor noch einige Sekunden offen. «Die Zugangstüren von der Garage zu den einzelnen Wohnblocks sind von beiden Seiten unverschlossen.» Seiner Meinung nach der ideale Weg, um ungesehen durch die Treppenhäuser ein- und auszugehen.

Viele erlebten Ähnliches

Zu den Geschädigten gehört auch der Stiefsohn von Andi Halder – ihm wurden Kopfhörer im Wert von 298 Franken gestohlen. Im Paket, das Sarah Eichhorn entwendet wurde, befanden sich Kosmetiktaschen im Wert von 230 Franken. «Es handelte sich um eine wichtige geschäftliche Lieferung», sagt sie. Da sie regelmässig beim selben Anbieter bestelle, seien ihr die Kosten kulanterweise zurückerstattet worden.

Ein weiterer Mieter wird seine Pakete ab sofort nicht mehr nach Hause schicken lassen, sondern diese jeweils bei der Poststelle abholen. Viele andere Mieter werden es ihm wohl gleichtun, da die Lieferungen nicht einmal im abgeschlossenen Treppenhaus sicher sind. «Schon schlimm, wenn eine ganze Siedlung ihre Pakete nicht mehr liefern lassen kann, nur weil andere sich daran bereichern wollen», sagt Anna Nowak.

Es bleibt nicht bei Paketen

Doch in der Siedlung verschwinden nicht nur Päckli. Was Hauswart Milos Simeunovic fast noch mehr aufregt, sind die Diebstähle von Kickboards, Velos, einem Scooter oder einem grossen Deko-Osterhasen, den eine Mieterin vor der Haustür aufgestellt hatte. «Es wurde sogar ein Auto in der Tiefgarage aufgebrochen», erzählt er.

Die ganzen Vorkommnisse sorgen für grosse Verunsicherung in der Siedlung. Anna Nowak sagt, in den ersten Jahren, in denen sie in dieser Überbauung gewohnt habe, sei alles in bester Ordnung gewesen. «Ich habe mich sehr wohlgefühlt.» Ihre Gefühlslage ist nun aber eine andere.

Man sieht Velos wild durcheinander vor einem Wohnblock.
Der Hauswart rät den Mietern, ihre Velos und Kickboards im Veloraum einzustellen.

Jüngst hatte Nowak von Schlägereien unter Jugendlichen gehört. «In der Nachbarschaft wurden auch schon grössere Kinder dabei erwischt, wie sie Briefe aus einem Briefkasten stibitzten.»

Für sie wie auch für einige Nachbarn drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um eine Art Gang aus Jugendlichen handeln könnte, die in der Greifenseer Überbauung ihr Unwesen treibt.

«Wir sind hier in der Schweiz, nicht in einem Ghetto in New York», empört sie sich. Mit dem Verdacht zu leben, dass eine Gang um die Häuser zieht, verängstigt sie: «Ich möchte meinen Sohn in einer sicheren Gegend aufwachsen sehen. Wie soll ich ihn mit diesem Verdacht entspannt draussen spielen lassen?»

Verwaltung und Polizei informiert

Ihre Verzweiflung ist gross. Die Verwaltung habe von den Vorfällen gehört und zwei Briefe an die Mieter versendet, unter anderem mit Tipps zu Sicherheitsvorkehrungen. Im zweiten, schärferen Schreiben habe die Verwaltung den Einsatz von Überwachungskameras angedroht.

Geholfen hat das bisher offenbar nicht. «Nach einem erneuten Paketdiebstahl vor einer Woche habe ich online eine Anzeige bei der Polizei aufgegeben.» Am liebsten würde sie selbst eine Kamera aufstellen, «allerdings fehlen mir dazu die rechtlichen Mittel».

Hauswart Milos Simeunovic ist inzwischen daran, die Briefkästen vor den Eingängen zu säubern. Er hält kurz inne, um dem Pöstler Platz zu machen, der mit dem Roller vorgefahren ist und die Briefpost in die Kästen einsortiert.

Man sieht den Hauswart die Briefkästen einer Überbauung reinigen.
Milos Simeunovic reinigt die Briefkästen, bei denen aktuell häufig gähnende Leere herrscht.

Dass Pakete entwendet werden, ist mittlerweile offenbar nichts Aussergewöhnliches mehr. Das finden sowohl der Pöstler als auch Simeunovic, der unter anderem auch Siedlungen in der Stadt Zürich betreut. Der erfahrene Hauswart hat auch keine Lösung für das Problem.

Die Verwaltung H&B Real Estate AG kann auf unsere Anfrage keine Stellung zu den Vorfällen beziehen. Sie sei jedoch sehr um das Wohl der Mieterinnen und Mieter besorgt und werde verschiedene Optionen zur Verbesserung der Sicherheitsaspekte prüfen.

Diebstahl immer melden

Die Anzahl der im Kanton Zürich bei der Polizei angezeigten Paketdiebstähle ist seit drei Jahren etwa gleichbleibend. «Allerdings dürfte eine hohe Dunkelziffer vorliegen», sagt Ralph Hirt von der Kantonspolizei Zürich.

Die Deliktsumme sei ebenfalls auf mehr oder weniger gleichem Niveau: Rund 200'000 Franken sind es jährlich. «Entwendete Pakete tauchen nur selten wieder auf.»

Die Frage, was die Polizei unternimmt, um Paketdiebe zu überführen, kann Hirt aus polizeitaktischen Gründen nicht beantworten. «Hingegen fordern wir die Bevölkerung auf, uns Personen, die in Quartieren auffallen oder sich auffällig verhalten, sofort auf die Telefonnummer 117 zu melden.»

Schützen gegen solche Diebe kann man sich, indem man Pakete zum Beispiel bei einem Nachbarn abgeben lässt oder die Post-Services My Post oder Pickpost beansprucht. Zudem kann man über den Onlinedienst Meine Sendungen bestimmen, wo und wann die Pakete ausgeliefert werden.

«Einen Paketdiebstahl sollte man immer der Polizei melden», rät Ralph Hirt. «Denn nur, wenn wir wissen, was wo passiert, können wir entsprechende Massnahmen einleiten.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns