Wolfgang Niedecken und Pippo Pollina treten zusammen in Wald auf
Exklusives an den Bleiche Sessions
An den Bleiche Sessions in Wald geben zwei hochkarätige Musiker nicht irgendein Konzert. Wolfgang Niedecken und Pippo Pollina kombinieren in ihren Liedern zum ersten Mal Kölsch und Italienisch.
Der eine ist Frontsänger der Rockband BAP. Er trägt gerne Hut und Sonnenbrille, über der Oberlippe einen Schnauz und auf dem Kinn einen Bart. Singt er, verstehen ihn viele nicht. Nicht etwa, weil er undeutlich spricht, sondern, weil er seine Lieder auf Kölsch präsentiert: Wolfgang Niedecken.
Der andere tourte einst als Strassenmusiker durch die Gassen Europas, bis er dann in Luzern von einem Schweizer Musiker entdeckt wurde. Seine Musik gleicht eher einem Mix aus Pop, Rhythmik und Ballade. Und auch ihn verstehen, wenn er singt, nicht alle. Denn die Texte seiner Lieder schreibt er auf Italienisch: Pippo Pollina.
Diesen Samstag wagen die beiden Sänger ein Experiment. Zum ersten Mal singen sie gemeinsam auf einer Bühne am Open Air Bleiche Sessions in Wald. «Das ist jetzt nichts, was normal im Tourplan läuft. Das ist etwas unter Freunden», sagt Niedecken. «Das Ambiente an den Bleiche Sessions ist wunderschön. Ich bin froh, dass wir das Konzert dort zusammen spielen», ergänzt Pollina.
Der gebürtige Sizilianer war seit dem Jahr 2018 bei jeder Ausgabe des Festivals in Wald dabei und weiss, was er sich mit diesem Konzert aufbürdet. Denn bereits zweimal kombinierte er auf dieser Bühne seine und die Musik anderer Künstler.
Das exklusive Konzert
Die Bleiche Sessions finden vom 28. Juni bis zum 7. Juli auf dem Bleiche-Areal in Wald statt. An sechs Tagen treten Musiker vor Publikum unter freiem Himmel auf. Am 29. Juni singen Wolfgang Niedecken, Frontsänger der Rockband BAP, und Pippo Pollina gemeinsam Lieder. Um 20.30 Uhr startet Pollina mit seiner Band – dem Palermo Acoustic Quintet. Nachdem Niedecken seine Lieder mit einem Pianisten präsentiert hat, werden dann die gut befreundeten Sänger zum Abschluss zusammen auftreten. Jeder Teil des Konzerts dauert rund eine Dreiviertelstunde.
Übersetzen ist nicht gleich übersetzen
Niedecken und Pollina kennen sich seit gut 15 Jahren und gingen bereits zusammen in die Ferien. Dennoch gaben sie noch nie gemeinsam ein Konzert. In Deutschland standen sie lediglich nacheinander auf der Bühne. Pollina hatte dann die Idee, den kölschen Gesang Niedeckens und seinen italienischen zu kombinieren.
«Am Anfang war die Absprache mit Pippo Pollina etwas schwierig, weil er noch auf Tour war», so der Kölner Wolfgang Niedecken. Aber diese Sorge verflog schon bald, und das Konzert konnte geplant werden. Die beiden Künstler sendeten sich Lieder zu, die sie gerne miteinander präsentieren wollten. Niedecken und Pollina mussten die Textpassagen, die sie singen sollten, füreinander übersetzen.

Pollina sagt, man könne die Texte aber nicht einfach eins zu eins vom Kölschen ins Italienische übernehmen. «Das Künstlerische ist dabei wichtig. Man muss das Übersetzte sozusagen auf die eigene Sprache anpassen.» Niedecken lieferte Pollina bereits ins Hochdeutsche übersetzte Texte; der gebürtige Sizilianer hätte sonst nicht viel verstanden. «Das braucht schon Zeit und Erfahrung. Ich habe das aber sehr gerne gemacht», sagt Pollina.
Kölsch und Italienisch haben auf den ersten Blick nicht viel gemein, jedoch verschmelzen gemäss Niedecken die beiden Sprachen beim Singen. «Es sind beides gelebte Sprachen. Kölsch beispielsweise hat den grossen Vorteil, dass wir beim Sprechen schon fast singen», erklärt Niedecken.
Nur einen Tag geprobt
Die grosse Vorarbeit leisteten die Sänger im Vorfeld mit dem Übersetzen der Liedtexte. Allerdings mussten sie auch die Tonarten den Stimmen anpassen. «Pippo Pollina kommt beim Singen viel höher als ich. Meine Stimme hat sich über die letzten Jahre immer mehr gesenkt», erklärt Niedecken.
Letzte Woche reiste Pollina nach Deutschland, weil er seinen Sohn, den Sänger Faber, an einem Konzert besuchte. Bei dieser Gelegenheit machte er auch gleich halt in Köln, um mit Niedecken für den Auftritt bei den Bleiche Sessions zu proben. Dort galt es dann, sich musikalisch ein letztes Mal auszutarieren.
Offenbar harmonierte es schnell. Gerade mal einen Tag lang übten der Kölner und der gebürtige Sizilianer zusammen. «Aus musikalischer Sicht ist das Konzert nicht herausfordernd», erklärt Pollina. Er selbst spielt dieses Jahr über 150 Konzerte. Mit anderen Musikern steht er öfters auf der Bühne. Dementsprechend hat der 61-Jährige viel Übung.

Vom Einzelkonzert zur Tournee
Niedecken und Pollina werden mit ihren Musikern für den Soundcheck bei den Bleiche Sessions ein paar Stunden vor dem Auftritt eintreffen. Der 73-jährige Kölner wird mit seinem Pianisten anreisen. Pollina hingegen wird gleich die fünf Musiker des Palermo Acoustic Quintet dabeihaben. Die beiden Sänger werden selbst Gitarre spielen – Pollina zusätzlich Piano.
Die eigenen Lieder beherrschen die Künstler. Bei den übersetzten Passagen mussten sie die Texte extra für das Open-Air-Konzert lernen. «Wir werden wahrscheinlich schon einen Spickzettel dabeihaben. Aber das gehört auch dazu, ist ja auch authentisch», so Niedecken.
Die Vorfreude bei den Künstlern ist gross. «Das wird schon eine Kostprobe», sagt Pollina. Er kann sich vorstellen, nächstes Jahr vielleicht mit Niedecken auf Tour zu gehen. Zuerst will er aber den Abend abwarten.
