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Maurmer Stiftung für Biodiversität ist am Ende

Die Stiftung Green Advance wollte bedrohten Insektenarten unter die Flügel greifen, doch nun scheitert sie an unerwarteten Schenkungssteuern.

Der Teufelsabbiss: eine wichtige Pflanze für die Biodiversität im Oberland – und trotzdem nur schwer erhältlich.

Foto: PD

Maurmer Stiftung für Biodiversität ist am Ende

Steuern statt Insekten

Die Schenkungssteuern als Todesstoss: Die Stiftung Green Advance mit Sitz in Maur muss schliessen.

«Bitte nicht mehr spenden!» Normalerweise liest man auf Websites von gemeinnützigen Organisationen eher das Gegenteil. Doch bei der Stiftung Green Advance mit Sitz in Maur ist genau dies der Streitpunkt.

«Der Kanton Zürich hat beschlossen, dass unsere Projekte nicht gemeinnützig und somit nicht mehr steuerbefreit sind», heisst es weiter. Die Folge: Die Stiftung muss schliessen.

Die Stiftung Green Advance betreibt unter anderem die Info-Plattform futureplanter.ch und produziert Bio-Wildpflanzen. Zudem wurde in den vergangenen Monaten an einem 1000 Quadratmeter grossen Lebensraum in Form eines Schmetterlings mit Wildpflanzen und Nistplätzen für Wildbienen gearbeitet. Diese Projekte werden nun gestoppt.

Seit 2019 flossen rund eine Million Franken in die Entwicklung des Projekts futureplanter.ch. Auf dieser Plattform für die ganze Schweiz kann gratis nachgeschaut werden, mit welchen Pflanzen den in der eigenen Umgebung lebenden, bedrohten Wildbienen und Schmetterlingen geholfen werden kann.

Die entsprechenden Pflanzen werden von der Stiftung Green Advance produziert und abgestimmt auf die Region als Set verkauft. Das Set für das Zürcher Oberland enthält Setzlinge für den Gewöhnlichen Blutweiderich, die Tauben-Skabiose, den Teufelsabbiss sowie die Wiesen-Flockenblume.

Blick von oben auf ein Feld mit Wildpflanzen.
Das «Schmetterlingsfeld» (rechts im Bild) hätte Wildbienen und Schmetterlingen Nistplätze und Futter bieten sollen – jetzt wurde das Projekt gestoppt.

2021 zog die Stiftung von Zug nach Maur, wo sie Quartier auf einem Gelände mit 40'000 Quadratmetern mit Gewächshaus, Scheune und Wohnhaus bezog. «Im Kanton Zug war die Stiftung als gemeinnützig anerkannt», sagt Geschäftsführer Daniel Wehrli.

Gewinn nicht ausschlaggebend

Nun ist aber der Verkauf der Bio-Wildpflanzen ein Problem, wie dem Entscheid des Zürcher Steueramts zu entnehmen ist: «Eine wirtschaftliche Betätigung der Institution schliesst eine Steuerbefreiung regelmässig aus, selbst wenn die dabei erzielten Gewinne einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden.»

Die Gemeinnützigkeit im Steuerrecht sei somit wesentlich enger gefasst als im allgemeinen Sprachgebrauch, heisst es weiter. Das Anbieten von Gütern oder Dienstleistungen gegen Entgelt sei nicht gemeinnützig. «Ob dabei ein Gewinn erzielt wird, ist nicht ausschlaggebend.»

Hätten wir das im Voraus gewusst, wären wir nie nach Maur umgezogen.

Daniel Wehrli

Für Daniel Wehrli ist das Ganze nicht nachvollziehbar. «So viel wir wissen, gab es keine neuen Bestimmungen im Steuerrecht, nur die Interpretation wurde anscheinend geändert.» Doch damit nicht genug: «Jetzt werden auf alle Spenden zudem 30 Prozent Schenkungssteuer fällig – der Todesstoss für eine Stiftung wie unsere.»

Hinterher sei man immer schlauer: «Hätten wir das im Voraus gewusst, wären wir nie nach Maur umgezogen.» Das einst fünfköpfige Team, das die Pflanzen pflege, sei bereits auf eine Person geschrumpft. «Mehr Löhne können wir nicht zahlen.»

Umzug keine Option

Ein erneuter Umzug mit der ganzen Produktion komme aber nicht infrage. Einerseits gebe es sowieso keine passenden und erschwinglichen Flächen. «Und andererseits geht bei einem Standortwechsel ein ganzes Jahr verloren», sagt Wehrli.

Denn die Bio-Wildpflanzen werden zuerst in einem «Mutterbeet» angepflanzt. Die Samen dieser Pflanzen, von denen nun garantiert werden kann, dass sie pestizidfrei sind, werden im Jahr darauf zu Setzlingen gezüchtet, die schliesslich verkauft werden.

Sich nur noch auf die Informationsvermittlung zu konzentrieren und den Anbau der Pflanzen zu beenden, mache aber auch keinen Sinn. Denn es gibt laut Wehrli bereits aktuell zu wenige Gärtnereien, welche die für Insekten so nötigen Pflanzen anbieten. «Erst vor Kurzem hat im Kanton wieder eine zugemacht.» Somit könnte die Bevölkerung die Information gar nicht in Taten umsetzen, um der Biodiversität zu helfen.

«Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh sagte Anfang Jahr, man wolle den Kanton Zürich zum Stiftungsstandort Nummer eins in Europa machen – aber andere Departemente des Kantons haben uns nicht nur Stöcke, sondern ganze Baumstämme zwischen die Beine geworfen», meint er zerknirscht.

Nichts unversucht lassen

Langsam wolle auch der Stiftungsgründer und Geldgeber Peter Meyer, der die Defizite bislang gedeckt habe, nicht mehr. Denn seine Unterstützung würde ebenfalls Schenkungssteuern auslösen. «Geld, das wir schlichtweg nicht haben.» Innerlich hat sich Daniel Wehrli bereits mit dem Schicksal der Stiftung abgefunden. «Aber ich will trotzdem nichts unversucht lassen.»

Darum fand diese Woche ein Gespräch mit Vertretern des Volkswirtschaftsdepartements (VWD) statt. «Das VWD hat angeboten, dass es mit dem kantonalen Steueramt Kontakt aufnimmt und die Position der Stiftung nochmals darlegt, um eine Lösung aus der unbefriedigenden Situation zu finden», berichtet Wehrli.

Porträtbild von Daniel Wehrli, dunkle Haare, dunkle Brille
Geschäftsführer Daniel Wehrli hat nicht mehr viel Hoffnung für die Stiftung.

Allerdings ist die Zeit mehr als knapp, denn bereits im Juli werden unter anderem Löhne und die entsprechenden Sozialleistungen fällig, die die Stiftung ohne Zuwendung des Gründers nicht bezahlen kann. «Und der will verständlicherweise nicht die Kasse des Steueramts füllen, statt damit den Wildbienen und Schmetterlingen unter die Flügel zu greifen.»

Erst Mitte Mai hat das Bundesamt für Umwelt die neue Rote Liste der Bienen veröffentlicht: Rund 45 Prozent der heimischen Wildbienen sind gefährdet. «Die Hauptursache sind das mangelnde Angebot an Blüten zum Sammeln von Pollen und Nektar sowie fehlende Nistplätze», fasst Wehrli seufzend zusammen. «Ich drücke der Natur die Daumen.»

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