Gesellschaft

Hausbesetzer dringen in Schwarzen­bachs Gasthof ein

Dem Financier gehört neben der Guldenen auch das Dolder Grand. Es dürfte sich daher um eine Aktion der Zürcher Besetzerszene handeln.

Hausbesetzer dringen in Schwarzen­bachs Gasthof ein

Restaurant Waldhof Guldenen

Ein Plakat und verklebte Schlösser wiesen bis vor kurzem auf die Besetzung des Gasthofs Guldenen ob der Forch hin. Die Spuren der Aktivistinnen führen in die Stadt Zürich.

Manuela Bär, Luzia Nyffeler

Auf dem Pfannenstiel, mitten im Naherholungsgebiet zwischen Herrliberg und Egg, steht das Restaurant Waldhof Guldenen. Wobei, gewirtet wird im Haus, das dem Financier Urs E. Schwarzenbach gehört, schon lange nicht mehr. Seit rund 17 Jahren steht der Gasthof leer. Anfang der Woche kam aber kurzzeitig Leben in die alten Mauern.

Über einen Kanal des Messengerdienstes Telegram wurde am Mittwoch die Nachricht geteilt, dass der Gasthof besetzt worden sei. Die Nachricht enthielt auch ein Bild des Gebäudes, an dem ein Plakat mit der Aufschrift «Besetzt» hängt. Zudem stand in der Nachricht «Dolder enteignen, Steuerhinterzieher enteignen, Milliardäre enteignen».

Screenshot: Telegram
In einem Telegram-Kanal der Stadtzürcher Besetzerszene wurde diese Nachricht geteilt.

Schwarzenbach gehört neben der Guldenen auch das Dolder Grand in der Stadt Zürich. Es dürfte sich daher um eine Aktion der Stadtzürcher Besetzerszene handeln. Im selben Kanal werden jeweils auch die Besetzungen am 1. Mai bekannt gegeben. Auf der Website der Bewegung finden sich jedoch keine weiteren Informationen zur Besetzung der Guldenen.

Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Dass tatsächlich jemand das Haus betreten hatte, bestätigt Schwarzenbachs PR-Berater Sacha Wigdorovits. Das Büro von Urs E. Schwarzenbach sei gestern darauf aufmerksam gemacht worden, dass ein Plakat am Haus hänge. Die Verantwortliche der Immobilienverwaltung sei daraufhin gemeinsam mit der Kantonspolizei zum Gasthof gegangen.

«Es war niemand mehr da, aber an zwei Eingängen waren die Schlösser verklebt worden», erzählt Wigdorovits. Bei einem weiteren Schloss hätten die mutmasslichen Besetzerinnen und Besetzer den Zylinder ausgetauscht. Dieser Zylinder sei wieder ersetzt worden, und man habe wegen Hausfriedensbruch Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Türklinke
Ein verklebtes Schloss ist der einzige Hinweis darauf, dass sich jemand am Haus zu schaffen gemacht hat.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt auf Anfrage, dass sie am Dienstag wegen eines «Besetzt»-Plakates ausgerückt ist. Nun liefen Abklärungen. Weitere Angaben macht die Polizei nicht.

Wenige Spuren

Seither sind die mutmasslichen Besetzer offenbar nicht zurückgekehrt. Wie ein Augenschein am Mittwochnachmittag zeigt, sieht das Restaurant verlassen und dunkel aus. Alle Türen sind verschlossen.

Auf ein Klingeln reagiert niemand. Ein Türschloss ist nach wie vor mit Leim und Holzstückchen verklebt. Ansonsten deutet nichts darauf hin, dass sich irgendjemand Zugang zum Gebäude verschafft hätte.

Auch Personen, die in der Gegend wohnen, haben von der Aktion wenig bis gar nichts mitbekommen. Ein Anwohner, der in der Nähe anzutreffen ist, sagt, er wisse nicht, was sich abgespielt habe. Einem weiteren Mann ist zwar am Dienstagmorgen das Plakat aufgefallen. Er habe jedoch niemanden gesehen oder gehört.

Verlassen statt bewirtet

Eigentlich sollte das Restaurant längst nicht mehr verlassen und leer sein. Als Schwarzenbach das Areal, auf welchem der Gasthof steht, 2015 kaufte, verpflichtete er sich, das Restaurant wieder zu öffnen. Dies war die Bedingung der Zürcher Kantonalbank für den Verkauf gewesen. Schwarzenbach versprach denn auch, die Guldenen wieder zu beleben.

Haus
Seit bald 17 Jahren steht der Gasthof auf dem Pfannenstiel leer.

Im Mai 2016 lag ein Gestaltungsplan für das Restaurant und die beiden auf dem Perimeter gelegenen Scheunen auf. Der Gestaltungsplan wurde von der zuständigen Gemeinde sowie vom Kanton gutgeheissen. Ein Baugesuch wurde aber nie eingereicht.

Stattdessen machte Urs E. Schwarzenbach in den letzten Jahren anderweitig Schlagzeilen. Er zog eine ehemalige Mitarbeiterin vor Gericht, die ihm Kunstwerke in Millionenhöhe gestohlen haben soll. Gleichzeitig schuldet Schwarzenbach der Zolldirektion 13,5 Millionen Franken für Kunstobjekte, die er ohne Deklaration in die Schweiz eingeführt haben soll.

Darüber hinaus fordert der Staat die Nachzahlung von Einkommens- und Vermögenssteuern in der Höhe von 160 Millionen Franken. Darauf dürfte sich auch die Forderung «Steuerhinterzieher enteignen» in der Nachricht zur Besetzung beziehen.

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