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Der FC Turbenthal dribbelt sich zurück ins Spiel

Fussball ist weit mehr, als wenn 22 Frauen oder Männer dem Ball hinterherlaufen. Das weiss man auch in Turbenthal – und feiert.

Mit Mädchenfussball und Teamspirit setzt sich der FC Turbenthal für die Gesellschaft ein. (Archiv)

Foto: Bettina Schnider

Der FC Turbenthal dribbelt sich zurück ins Spiel

100 Jahre Fussball in Turbenthal

Der FC Turbenthal feiert in diesem Jahr sein 65-jähriges Bestehen. Statt auf den Lorbeeren auszuruhen, entwickelt sich der Klub jedoch ständig weiter.

Als Thomas Bürgis vor zweieinhalb Jahren das Amt des Präsidenten im FC Turbenthal antrat, war das Vereinsleben etwas eingeschlafen. Seitdem versucht er wieder etwas mehr Gemeinsamkeit und Vereinskultur in den Klub zu bringen. «Wir möchten ein wichtiger Teil in der Gesellschaft Turbenthals sein.» Deswegen feiert man am kommenden Wochenende auch das 65-Jahr-Jubiläum.

Seiner Meinung nach nimmt der soziale Aspekt in einem Fussballklub eine wichtige Rolle ein. «Hier findet man oft Freunde fürs Leben.» Der vierfache Familienvater spricht dabei aus eigener Erfahrung.

Um die Zusammengehörigkeit zu fördern, wurden Anlässe für die ganze Familie ins Leben gerufen: ob ein Samichlaus-Höck, ein Spaghettiplausch oder ein Fest zum Saisonabschluss jeweils vor den Sommerferien.

«Letztes Jahr organisierten wir für das Abschlussfest ein Buffet, zu dem alle Mitglieder oder Eltern eine kulinarische Spezialität aus ihrem Heimatland mitbringen konnten», erzählt Boris Schulthess, Leiter Events beim FC Turbenthal. Rund 100 Personen hätten daran teilgenommen und die kulturelle Vielfalt im Verein zelebriert.

Besonders freut sich Schulthess darüber, dass sich immer mehr Mitglieder und sogar Angehörige über ihr «Soll» hinaus als Helfer engagieren. Um auch die Jüngsten ins Boot zu bringen, würden altersgerechte Aufgaben angeboten, wie etwa das Dekorieren der Tische. Boris Schulthess selbst ist zu seinem Amt gekommen, weil seine Tochter im Mädchenteam mitspielt.

Mitglieder aktiv einbeziehen

Um den Umbruch zu signalisieren, wurde nach einem Vereinsmotto gesucht. Die Mitglieder konnten sich mit Vorschlägen einbringen. «Zäme simmer starch!» machte das Rennen und prangt inzwischen auf einer Tafel vor dem Vereinsbistro.

Auch für die Neugestaltung der Trikots wurden die Vereinsmitglieder einbezogen. «Ein achtjähriger Junior holte mit seiner Skizze unseres neuen Vereinstrikots die meisten Stimmen», erzählt Thomas Bürgis. Der erste Preis, ein Eintritt in den Europapark, war ihm sicher.

Thomas Bürgis, Präsident des FC Turbenthal, vor der Vereinstafel.
Thomas Bürgis präsentiert stolz das neue Motto und die von einem Junior designte Vereinsjacke.

Ein weiteres Ziel hat sich der FC Turbenthal auf die Fahne geschrieben. «Wir wollen der Verein mit der besten Juniorenausbildung im Tösstal sein», sagt Bürgis. Diese ehrgeizige Vision setzt voraus, über entsprechend geschulte Trainer zu verfügen.

«Auch auf die Trainerausbildung legen wir grossen Wert.» Neben dem Durchlaufen des offiziellen Kurses setzt der Verein auf regelmässige interne Weiterbildung. «Wir laden externe Trainer ein und pflegen konstant den Austausch untereinander.»

Genügend Leute zu finden, die eine solche Verpflichtung eingehen wollten, sei jedoch ein anderes Thema. «Da geht es uns wie den meisten anderen Fussballklubs», sagt der Präsident. Kaum mehr jemand sei bereit, sich regelmässig fast umsonst zu engagieren. Beim vereinsinternen Grundsatz, in jeder Mannschaft zwei Trainer zu haben, müssten deshalb auch mal Kompromisse eingegangen werden.

Erfolgsgeschichte Frauenfussball

Der Präsident selbst trainiert derzeit eines der zwei 2022 ins Leben gerufenen Mädchenteams. Vorübergehend, bis eine passende Lösung gefunden werde. «Unserer Meinung nach können sich viele Mädchen besser mit einer weiblichen Trainerin identifizieren.» Nicht selten würden die Trainer auch eine Vorbildfunktion einnehmen.

«Wir sind kurz davor, dass wir die Fussballerinnen in drei Teams aufsplitten können», freut sich Bürgis. So könnten die älteren, erfahreneren Spielerinnen noch besser gefördert werden.

Frauenfussball im Tösstal wieder zu verankern, ist eine Herzensangelegenheit des FCT. «Zwischen 1997 und 2015 hatte der FC Turbenthal noch ein eigenes Damenteam», erinnert sich Bürgis. So habe man damals eine Frauenmannschaft bezeichnet.

«Dass wir nun wieder so viele begeisterte Fussballmädchen in unserem Team haben, bestätigt uns in unseren Bemühungen und macht uns stolz.»

Zu den weiteren Ziele, die der Turbenthaler Verein innert zehn Jahren umsetzen will, gehört die Optimierung der Infrastruktur. Der Umstand, dass in ganz Turbenthal kein Kunstrasenplatz existiert, soll gemäss Thomas Bürgis in den kommenden Jahren geändert werden, genauso wie die Tatsache, dass der FCT über kein Vereinsheim verfügt.

«Dann sind wir bereit für unser 75-jähriges Bestehen», sagt Bürgis. Doch am kommenden Sonntag dürfen Fussballbegeisterte am Schülerturnier erst mal den 65. Geburtstag des FC Turbenthal feiern.

100 Jahre – eine Berg-und-Tal-Fahrt

Es bedurfte dreier Anläufe, um in Turbenthal einen Fussballverein zu gründen.

1. Phase (1924 bis 1927)

Da auch Söhne einflussreicher Gemeindepotentaten begannen, dem Ball nachzujagen, wurde das ausgebrochene Fieber als Dorfkrankheit anerkannt. Ziemlich genau vis-à-vis dem Bahnhof, jenseits der Töss, bekam der Ur-FCT schliesslich ein Stück Wiese zugeteilt – die Maushaufen waren im bescheidenen Mietpreis inbegriffen.

An die Auswärtsspiele am Sonntag nach Kemptthal, Wald, Wetzikon und Winterthur ging es mit dem Velo, das Köfferli mit den Fussballutensilien auf den Gepäckträger geschnallt. Als die ersten Spieler aus der Lehre kamen, begannen sich die Reihen des FCT zu lichten. Zum letzten Spiel in der ersten Phase des FCT traf man sich am 27. Juni 1927 – einem «Propagandawettspiel», das gegen den FC Winterthur mit 12:0 Toren verloren ging.

2. Phase (1934 bis 1941)

Einige Unverbesserliche machten sich wieder daran, einen Fussballklub zu gründen. Zu den regelmässigen Gegnern zählten der FC Kyburg, der FC Bauma und natürlich die Nachbarvereine Wila, Kollbrunn und Rikon.

Waldblick hiess der neue Platz und befand sich dort, wo später der «Bären» stand. Dies hatte den grossen Vorteil, weil der «Sternen», das neue Vereinslokal, welches auch als Garderobe diente, gleich nebenan auf der anderen Strassenseite lag.

Für die Auswärtsspiele war nach wie vor das Zweirad angesagt, wobei die Wege etwas länger wurden: Aadorf, Realp Zürich, Dübendorf waren die Gegner. Nur wenn die Reise wirklich weit ging, so zum Beispiel nach Gossau SG, mietete der Klub beim ortsansässigen Transportunternehmen Guyer einen Bus.

Am 15. Juli 1941 fand auf dem Sportplatz Waldblick der letzte Event statt: Danach wurde der Waldblick umgepflügt, er musste, wegen des Kriegs, einem Kartoffelacker Platz machen.

Der dritte FCT

Der heute noch existierende Klub stieg 1959 wie Phoenix aus der Asche und zog auf die Tösswies, wo er auch heute noch zu Hause ist. Etwa 1995 konnte sich der FC Turbenthal an den Bau des langersehnten Garderobengebäudes machen.

Heute sind die Probleme und Sorgen dieselben wie in den Jahrzehnten zuvor: Das Platzangebot in den Garderoben ist bei Hochbetrieb beengt, die Suche nach Trainern und Funktionären immerwährend – und trotzdem leibt und lebt der FCT.

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