Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

In Uster steht die Sanität häufig im Stau – bald noch mehr?

Geht es nach dem Kanton halten die Busse bei der Reithalle neu auf der Strasse. Anwohnende befürchten, dass das die Sanitäter zusätzlich ausbremst.

Die Rettungswagen in Uster müssen regelmässig durch Staus fahren.

Foto: Jan Gubser

In Uster steht die Sanität häufig im Stau – bald noch mehr?

Anwohner sorgen sich

In Uster behindert der Stau die Rettungskräfte. Weil der Kanton Zürich die Busbuchten bei mehreren Haltestellen aufheben will, befürchten zwei Anwohner, dass die Rettungswagen noch schlechter durchkommen.

Es ist kurz nach 17 Uhr, als sich auf der Pfäffikerstrasse in Uster auf der Höhe der A15 Auto an Auto reiht. Der Stau zieht sich von der Autobahn einige hundert Meter ins Stadtzentrum. Der Anwohner Heinz Meier (Name geändert) zeigt auf die Strasse: «Von der Autobahnausfahrt staut es teilweise bis zum Spital Uster.» Dort befindet sich auch der Rettungsdienst, der täglich wegen Notfällen mit Blaulicht durch den Stau fahren muss.

Zwei Anwohner berichten davon, dass sie mehrmals beobachtet hätten, wie Rettungswagen im Stau kaum vorwärtsgekommen seien. «Ich habe das jetzt schon oft gesehen, wie der Rettungswagen mit Blaulicht im Stau steht, weil es am Anfang und Ende der Pfäffikerstrasse zu wenig Platz hat», sagt Meier. Er hat seine Beobachtungen auf einem A4-Blatt aufgelistet und übergibt sie nach dem Gespräch.

Und nächstes Jahr hebt der Kanton Zürich die Busbuchten bei der Haltestelle Reithalle auf. Die beiden Anwohner befürchten, dass die Rettungswagen dadurch noch schlechter durchkommen. «Ich möchte einfach nie in einem Rettungswagen liegen müssen, der im Stau stecken bleibt», so Meier.

Das Spital Uster bestätigt, dass der Stau auf der Strecke ein Problem ist. «Dieser Teil der Pfäffikerstrasse ist ein Nadelöhr», sagt Barbara Henzen, Leiterin Rettungsdienst Spital Uster. Wie oft der Verkehr die Rettungswagen behindert, kann sie aber nicht genau sagen. «Eine Prozentangabe ist nicht möglich. Abhängig ist dies jedoch vom Verkehrsaufkommen. Zusätzlich ist auch das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer relevant.»

Die Rettungswagen kommen zu Stosszeiten aber vor allem wegen der einzelnen Grünstreifen in der Mitte der Strasse und der Randsteine aussen nur schlecht durch den Verkehr. «Das hauptsächliche Problem sind Baumassnahmen in der Mitte der Fahrbahn», so Henzen. Die Fahrbahn ist zu schmal, weil die Autos zu wenig weit an den Rand fahren können.

Verschwinden nun auch noch die Busbuchten, müssen die Busse auf der Strasse halten, was die Rettungswagen zusätzlich behindert. Henzen: «Ein stehender Bus macht die Situation voraussichtlich nicht besser.»

Was wird umgebaut?

Die Haltestellen bei der Reithalle an der Pfäffikerstrasse in Uster werden nächstes Jahr ausgebaut. Den benötigten Kredit in Höhe von rund 1,3 Millionen Franken hat der Regierungsrat Mitte Mai gesprochen. Die bestehenden Busbuchten hebt der Kanton Zürich auf und gestaltet die Haltestellen barrierefrei. Die Busse müssen ab dann nicht mehr abseits in der Bucht halten, sondern stehen bis zur Weiterfahrt auf der Strasse.

Stau wegen Kreisel

Auf der Hauptverkehrsachse staut es täglich zweimal. Am Morgen zieht sich der Stau vom Bahnhof Uster gerne mal bis auf die Höhe des Spitals Uster und der gleichnamigen Bushaltestelle. Am Abend wechselt der Stau dann auf die andere Strassenseite.

«Unter der Woche staut es oft in beiden Richtungen von der Autobahn bis zum Spital Uster und Richtung Pfäffikon», sagt Rudi Blessing, der in der Nähe der Reithalle wohnt. Auch er betont, dass der Stau die Rettungswagen ausbremst.

Mann steht vor einer Strasse.
Rudi Blessing findet Busbuchten sinnvoll.

Um zu verstehen, weshalb gerade am Abend der Verkehr stadtauswärts nur langsam vorankommt, muss man sich die Autobahnausfahrt genauer anschauen. Denn wer von Wangen-Brüttisellen aus auf der A15 nach Pfäffikon will, benutzt die Autobahnausfahrt Uster Nord. Der direkte Weg nach der Ausfahrt wäre, links abzubiegen. Das ist aber nicht möglich. Die einzige Möglichkeit führt durch Rechtsabbiegen zu einem Kreisel, wo eine Ehrenrunde zurück in Richtung Pfäffikon führt.

Das Problem: Vom Stadtzentrum Uster her kommend, müssen viele Lenkende zur gleichen Zeit denselben Kreisel passieren, um geradeaus nach Pfäffikon zu gelangen. Der entgegenkommende Verkehr, der von der Autobahnausfahrt her kommt, blockiert zeitweise den Kreisel. Der Stau auf der Pfäffikerstrasse verlängert sich.

Eine Karte zeigt den Verkehrsfluss in Uster.
Die rote Linie zeigt den Verkehrsfluss von der Autobahn in Richtung Pfäffikon, blau den Verkehr stadtauswärts.

Keine Busbucht bei der Reithalle

Ebendieser Stau ist der Grund, weshalb der Kanton Zürich die Busbuchten aufheben möchte. Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland AG (VZO) und die Postauto AG büssen zu Hauptverkehrszeiten einige Minuten ein, was zu Verspätungen bei den Anschlussverbindungen führt.

Durch die Aufhebung der Buchten erhoffen sich die beiden Busbetreiber, dass die Busse künftig pünktlicher ankommen. «Die Haltezeiten an den Haltestellen werden kürzer, weil die Busse nach dem Fahrgastwechsel die Fahrt unvermittelt fortsetzen können und nicht auf eine Lücke im Verkehrsfluss warten müssen», sagt Adrian Suter, Leiter Angebot und Markt der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland.

Zwei Busse halten bei einer Busbucht.
Die Busbetreiber wollen keine Busbuchten an der Pfäffikerstrasse.

Die Anwohner bezweifeln, dass die Busse durch die Bucht viel Zeit verlieren. «Die Autofahrer lassen die Busse immer vor, wenn sie wieder einspuren möchten», sagt Meier. Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto, entgegnet: «Unbestritten ist, dass die Art der Haltestelle einen spürbaren Einfluss darauf hat, wie pünktlich Busse sind.» Spare ein Chauffeur bei jeder zweiten Haltestelle fünf bis zehn Sekunden, mache das nach zwölf Haltestellen bereits einen Unterschied von bis zu einer Minute. Das mache zu Stosszeiten viel aus.

Am meisten Zeit dürften die Busse sparen, indem der Verkehr an den Haltestellen hinter ihnen warten muss. «Der Verkehr fliesst vor dem Bus während des Halts ab, und die Lücke füllt sich nicht mit nachkommenden Fahrzeugen», sagt Suter von den VZO. Wie viel Zeit die Chauffeure ohne Busbuchten effektiv sparen, kann an keiner Zahl festgemacht werden. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle.

Dennoch sind sich die Busbetreiber und der Kanton einig: Befindet sich die Haltestelle Reithalle direkt an der Fahrbahn, wird dies zu stabileren und kürzeren Fahrzeiten beitragen. Zudem könnten durch den Umbau künftig auch Gelenkbusse zum Einsatz kommen, wie der Kanton Zürich schreibt. Das erlaubt es, mehr Fahrgäste gleichzeitig zu transportieren.

Die Busse auf der Pfäffikerstrasse

An der Pfäffikerstrasse befinden sich drei Bushaltestellen: Spital, Reithalle, Buchholz. Die ersten beiden passieren jeweils zwei Linien der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) sowie von Postauto. Beim Buchholz verkehren nur die Linie 818 der VZO und die Linien 827 und 830 von Postauto. Die Busse fahren je nach Linie alle 15 und 30 Minuten.

Täglich verlieren Chauffeure zudem Zeit wegen des Billettverkaufs und der Rampe, die sie für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung immer wieder ausklappen müssen. Wie ein Busfahrer der VZO erzählt, kommt es immer wieder vor, dass betagte Menschen bei schönem Wetter mehrere Runden mit dem Bus drehen und immer wieder ein- und aussteigen. Die Rampe muss jedes Mal aus- und wieder eingeklappt werden. Das verzögert die Weiterfahrt zusätzlich.

Bus oder Rettungswagen

Der Rettungsdienst ist bei Fahrten mit Blaulicht aber darauf angewiesen, dass die anderen Verkehrsteilnehmenden genug Platz zum Ausweichen haben. Mit der Aufhebung der Busbuchten verschwinden dadurch Stellen, wo die Busse für die Einsatzkräfte den Weg freimachen können. Eine alternative Route, um die Problemstellen in Uster zu umgehen, gibt es nicht. «Ein Umfahren dieses Knotenpunkts bringt keinen Zeitvorteil», sagt Henzen vom Rettungsdienst.

Bei der Frage, inwiefern beim Umbau von Haltestellen und Strassen darauf geachtet wird, dass Rettungswagen mit Blaulicht noch durchfahren können, verweist der Kanton an das Spital und sagt: «Rettungsgassen sind auch auf diesen Strassen zu bilden, damit Blaulichtfahrzeuge im Ernstfall durch den Stau kommen.»

Bei Bushaltestellen werden aber häufig Inseln verbaut. Wenn die Busse dann auf der Strasse halten und es in der Mitte der Strasse ein Hindernis gibt, bleibt dem Rettungswagen nichts anderes übrig: Er muss warten. «Der Bus kann nicht ausweichen und blockiert die Fahrbahn», so Henzen. Wie Postauto und VZO schreiben, reagieren Buschauffeure wie die anderen Verkehrsteilnehmenden. Kommt der Rettungsdienst mit Blaulicht, weichen die Busse bei der nächstmöglichen Stelle aus.

Die Rettungswagen des Spitals Uster erreichen ihre Einsatzorte in über 90 Prozent innerhalb der geforderten 15 Minuten. Wie gut die Einsatzkräfte durch den Verkehr kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zentral ist das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmenden. Durch die baulichen Veränderungen reduzieren sich jedoch die Ausweichmöglichkeiten, weshalb das Durchkommen für Rettungswagen zusätzlich erschwert wird.

Busbuchten bereits getestet

Vor fünf Jahren führte der Kanton Zürich mit den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland sowie Postauto ein Pilotprojekt durch. Die Haltestellen Reithalle und Spital wurden dafür auf die Strasse verschoben. Mittels Monitoring belegte das Tiefbauamt des Kantons Zürich, dass die Busse pünktlicher verkehrten, wie dieses auf Anfrage mitteilt. Die Testphase dauerte vom August bis November 2019.

Seither blieb die provisorisch nach vorne gelegte Haltestelle vor dem Spital Uster bestehen. Diese Haltestelle soll aber noch umgebaut werden. «Es ist eine Schliessung der Radweglücke entlang der Brunnenstrasse geplant. Die Bushaltestellen beim Spital werden im Rahmen dieses Projekts definitiv als Fahrbahnhaltestellen umgesetzt», sagt Sascha Rhyner, Mediensprecher der Baudirektion Kanton Zürich.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns