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Der Anfragenkönig aus Uster knackt die 200er-Marke

Paul Stopper polarisiert. Das BPU-Gemeinderatsmitglied ist in vielerlei Hinsicht ein Mann der Superlative. Was nicht alle erfreut. Verständlicherweise.

Für seine 200. Anfrage wurde Paul Stopper (BPU) mit einer Urkunde geehrt. Eines seiner Hauptanliegen ist seit Jahrzehnten der Naturschutz.

Foto: Marie Fredericq

Der Anfragenkönig aus Uster knackt die 200er-Marke

Stopper schreibt Politikgeschichte

An der Juni-Parlamentssitzung wurde Paul Stopper (BPU) geehrt. Grund dafür: Er hatte im Mai seine 200. Anfrage eingereicht. Und so bald ist noch kein Ende in Sicht.

«Er ist ein Vollblutpolitiker, eine Grösse in Uster», sagt Hans Denzler (SVP), Präsident des Gemeinderats. Die Rede ist von Paul Stopper, BPU-Gemeinderatsmitglied. Er ist vor allem bekannt für seine Hingabe beim Naturschutz und seine Hartnäckigkeit in eigener Sache – weit über die Türen des Parlaments hinaus.

Stopper ist nicht nur der einzige Vertreter seiner von ihm gegründeten Bürgernahen Politik Uster (BPU) im Parlament und das älteste Ratsmitglied, sondern auch der Einzige, der es schaffte, in seiner Amtszeit 200 Anfragen (mit) einzureichen. Ein Meilenstein in Usters Politikgeschichte.

Die grüne Welle

Der Politiker hält sich mit seinen 77 Jahren wacker im Amt. Und das währt mit 12-jährigem Unterbruch nun schon seit 1974: Ab dann war er für 28 Jahre im Parlament, damals als Vertreter des Landesrings der Unabhängigen (LdU). Danach ab 2014 wieder seit zehn Jahren für die BPU.

Bereits 1969 kam Stopper mit einem Referendum auf den Schirm der Ustermer Politik, damals noch nicht als Parlamentsmitglied, sondern als Kantonsschüler: Es ging um die Einzonung des Werriker-/Glatten- und Brandschänkirieds zu einer Industriezone. Heute ist diese Naturlandschaft ein nationales Moorschutzgebiet – Stoppers Einwände fanden also Gehör.

Schon immer lagen ihm der Natur- und der Umweltschutz am Herzen. Ein Thema, das sich bis heute wie ein roter Faden durch sein politisches Engagement zieht. Ob Stadtpark, Verkehrspolitik, die Untere Farb oder der Bahnhof Uster: Oft bringt Stopper das Thema Naturschutz auf den parlamentarischen Tisch.

«Ich war einer der Ersten der grünen Welle im Parlament», sagt er. Der langjährige Dübendorfer EVP-Kantonsrat und spätere Kantonsratspräsident Fritz Jauch habe in den 1980er Jahren gar einmal gesagt, einen Grüneren als Paul Stopper finde man nicht. Das war, lange bevor es eine Grüne Partei gegeben hat, wie Stopper erzählt.

Es dürfte niemanden wundern, dass Stopper deshalb auch gegen den Kredit für das Zeughausareal war, der vergangenen Sonntag angenommen wurde: Denn für das «Regal» müssen Bäume gefällt werden.

Unstoppable Stopper

Am 24. Mai 2024 reichte Stopper gemeinsam mit Tanja Göldi (SP) mal wieder eine Anfrage ein. Das Thema: «Busverbindungen von Uster an den Zürichsee». Doch was diese Anfrage besonders macht, ist nicht ihr Inhalt. Vielmehr ist es der Umstand, dass es Stoppers 200. Anfrage ist – eine Leistung, die vor ihm noch niemand erreichte.

«Das ist seine Hartnäckigkeit in der Politik», sagt Gemeinderatspräsident Denzler dazu. Durchschnittlich würden Politiker während ihrer Laufbahn um die zehn Anfragen einreichen. «So viele Anfragen wie Paul Stopper zu stellen, das wird wohl niemand mehr schaffen.»

Doch Stopper sieht darin keine Errungenschaft, sondern eine Notwendigkeit: «Die Stadt will manche Probleme einfach nicht sehen – also brachte ich die Themen immer wieder auf den Tisch.» So hätten sich dann im Lauf der Jahre halt 200 Anfragen ergeben. «Hochgerechnet auf die 38 Jahre Parlamentsarbeit ergibt das etwa fünf Anfragen pro Jahr», meint Stopper.

Dafür wurde ihm an der Parlamentssitzung vom 10. Juni feierlich eine Urkunde überreicht. Der 77-Jährige ist damit nicht nur der Älteste und Amtsälteste im Parlament, sondern auch derjenige mit den meisten Vorstössen. Und dabei gilt die Ehrung nur für Anfragen, nicht aber für alle politischen Mittel, welche vom Gemeinderat ergriffen werden können. In seiner Laufbahn hat er neben den 200 Anfragen nämlich auch noch 15 Interpellationen, 44 Postulate, 33 Motionen und 13 Einzelinitiativen (mit) eingereicht (Stand Januar 2024).

Wie es weitergeht, weiss Stopper noch nicht. Er fühlt sich aber fit, so viel kann er sagen. «Ich brauche die Politik, sie hält mich jung», erklärt er und lacht.

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